Rollende Gefahr rund ums Jahr: Felssturz und Steinschlag sind in alpinem Gelände ein stetes Risiko – verstärkt nach Tauwetter und Regen.

Dr. Armin Kaltenegger: „Eigenverantwortliches und umsichtiges Handeln kann das Restrisiko verringern.” Foto: KFV

Rund ums Jahr ist Steinschlag ein alpines Phänomen – und im Fall des Falles lebensbedrohliches Problem. Seien Sie sich der Gefahr von oben stets bewusst – hier die wichtigsten Informationen für mehr Schutz und Sicherheit. 

Ursachen: Regen, Tauwetter, Erdbeben, Mensch
Gelockertes, labil in der Wand liegendes Gestein wird von anhaltenden Niederschlägen und starken Regengüssen mobilisiert – und zur tödlichen Gefahr. Auch der Frostrückgang an Felswänden im Frühling und – bereits sehr leichte – Erdbeben lösen Steinschläge und Felsstürze aus: von Kieselsteingröße bis zu Felsbrocken von mehreren Kubikmetern Volumen. Selbst kleine Steine können bei großen Fallhöhen tödliche Energie entwickeln – besonders, wenn sie Wanderer ohne Schutzhelm treffen. Der häufigste Auslöser für Steinschlag ist aber der Mensch: Wanderer oder Bergsteiger, die auf offiziellen Wegen oder mitunter auch fahrlässig im Gelände unterwegs sind und dabei Gesteinsmaterial in Bewegung bringen, das für andere zur Lebensgefahr werden kann.

Restrisiko versus Eigenverantwortung
Jeder alpine Weg hat sein Zielpublikum – die Wegerhalter beurteilen das jeweils vertretbare Risiko. So ist auf einem Klettersteig mit Zielgruppe Bergsteiger ein deutlich höheres Risiko akzeptierbar als auf Familienwanderwegen oder in Klammen mit touristischen Aktivitäten. Aber Achtung: Es besteht immer ein unvermeidbares Restrisiko. Nur eigenverantwortliches und umsichtiges Handeln kann dieses Restrisiko verringern.

Mit offenen Augen durch die Natur!
Gefährliche Streckenabschnitte erkennt man zumeist, wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht. Die Empfehlung der ExpertInnen lautet daher: Lassen Sie Ihr Mobiltelefon lieber in der Tasche und sehen Sie sich bewusst Ihre Umgebung an! Erhöhte Vorsicht ist in Mulden und Rinnen angebracht, durch die Steine leicht abrutschen können. Stellen, an denen bereits loses Gestein liegt, sollten achtsam und zügig durchwandert werden. Schutzmaßnahmen ersetzen niemals richtiges Verhalten!

KFV-Tipps für mehr Sicherheit vor Steinschlag

  • Bleiben Sie stets auf markierten Wegen!
  • Beachten Sie Hinweise und Sperren von Behörden und alpinen Vereinen (Alpenverein, Naturfreunde, Österreichischer Touristenklub)!
  • Bedenken Sie, dass auch bei Freigabe von Wanderwegen durch Behörden oder Vereine stets ein Restrisiko besteht!
  • Informieren Sie sich vor dem Aufbruch zu einer Wanderung beim Hüttenwirt oder bei entgegenkommenden Wanderern über mögliche Steinschläge!
  • Entdecken Sie im Gelände lose Steinpartien die leicht in Bewegung geraten könnten, informieren Sie die nächstgelegene Polizeidienststelle, einen alpinen Verein oder einen Hüttenwirt auf Ihrer Route.
  • Wohlgemerkt: Die größte Gefahr eines Steinschlags beim Wandern geht von anderen Wanderern aus. Sollten Sie selbst einen Stein lostreten, warnen Sie nachfolgende Wanderer mit dem lauten Ausruf „Stein!“
  • Achten Sie bei Querung gefährlicher Stellen immer auf die Umgebung, eventuelle akustische Warnsignale anderer Wanderer und mögliche Geräusche rollender Steine oder umknickender Vegetation!
  • Werfen Sie niemals Steine in die Tiefe und weisen Sie auch Kinder deutlich darauf hin, dies keinesfalls tun!
  • Für erfahrene Bergfexe und Gipfelstürmer eine Selbstverständlichkeit: Tragen Sie beim Bergsteigen und Klettern stets einen geeigneten Schutzhelm!