Neue KFV-Studie zeigt Potenzial von High-Tech-Tools für Sportunfallprävention

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Verletzungen können für Leistungssportler*innen nicht nur Schmerzen sondern das Ende der Karriere bedeuten. Daher werden meist alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um innovative Technologien zur Unfall- und Verletzungsprävention zu entwickeln. Eine neue Studie des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) bietet Einblick in aktuelle Entwicklungen und zeigt welche Sicherheitspotenziale sich für den Breitensport ergeben.

High-End-Tracking zur Vorhersage des Verletzungsrisikos
Im Spitzensport werden Training und Wettkämpfe mittels modernster Sensoren und Spezialkameras genauestens überwacht. Auf diese Weise können große Datenmengen hinsichtlich externer Belastungsfaktoren (z.B. gelaufene Kilometer, auf den Körper einwirkende Kräfte, Erschütterung des Kopfes) und interner Beanspruchung (z.B. Puls, Atemfrequenz, Stress, Muskelaktivität) aufgezeichnet und anschließend mittels KI-gestützter Analyseverfahren ausgewertet werden. Die KI-Algorithmen sind in der Lage Anomalien zu erkennen und vor potenziellen Verletzungen zu warnen. Dadurch können Trainer*innen, Mediziner*innen als auch die Sportler*innen selbst in die Trainingsplanung bzw. während der aktuellen Aktivität eingreifen und spezifische Maßnahmen zur Verletzungsprävention setzen, z.B. Reduktion der Belastungsintensität, Einlegen von Pausen oder Anpassung der Bewegungstechnik.

Vermeidung von Fehltechniken und -belastungen mittels Motion Capturing
Mit zahlreichen hochpräzisen Spezialkameras und passiven Markern, die am Körper angebracht werden, erfolgt eine detaillierte Aufzeichnung der Bewegungen von Athlet*innen (Motion Capturing). Die Technologie erfasst Körperhaltung, Gelenkswinkel und Bewegungsausführung. Auf Basis dieser Daten kann ein 3D-Modell der Person erzeugt werden und die auf den Körper einwirkenden Kräfte und Belastungen berechnet werden. Auf diese Weise lassen sich Abweichungen von idealen Bewegungsmustern und den damit verbundenen Verletzungsrisiken identifizieren und folglich Korrekturmaßnahmen vornehmen.

Von Virtual und Augmented Reality bis zum digitalen Athleten
Virtuelle (VR) und erweiterte (AR) Realität werden im Spitzensport zunehmend zur Verbesserung von Technik, Balance und Reaktion eingesetzt. Durch immersives Training in einer virtuellen Umgebung können Sportler*innen gefährliche Situationen simulieren und ihr Verhalten trainieren, ohne tatsächlich Verletzungsrisiken ausgesetzt zu sein, z.B. Sprünge beim Snowboarden oder schwierige Passagen beim Bergsteigen. Eine neuartige Entwicklung stellen digitale Athleten dar, an denen die NFL (National Football League in den USA) derzeit forscht (Link). Mithilfe von maschinellem Lernen werden Spielerstatistiken, Ausrüstungswahl und Videoszenen so verarbeitet, dass virtuelle Abbilder von NFL-Spielern entstehen. Anschließend können mittels wiederholter Simulation von bestimmten Spielszenen Verletzungen besser vorhergesagt und verhindert werden.

Die Hälfte der Österreicher*innen nutzen bereits Fitness-Tracker
Wie eine aktuelle Umfrage des KFV an 1.000 Österreicher*innen zeigt, ist Fitness- und Gesundheitsmonitoring im Breitensport bereits angekommen. Rund die Hälfte (47%) der Österreicher*innen nutzen bereits Fitness-Tracker. Meist wird mit Smartphone, -watch oder anderen Wearables getrackt. Am häufigsten werden Schritte (66%), Kalorien (60%) und Puls (59%) aufgezeichnet. Am liebsten verwenden die Österreicher*innen Tracking-Dienste beim Spazierengehen (56%), Wandern und Bergsteigen (47%) sowie im Alltag (43%). Die meisten wollen sich damit motivieren, ihre Fitness (45%) oder Gesundheit (36%) zu verbessern, z.B. mit Hilfe von personalisierten Trainingsplänen und digitalen Coaches.

Präventionspotenzial noch nicht voll ausgeschöpft
Tracking zur Verletzungsprävention steckt im Breitensport noch in den Kinderschuhen. Nur drei Prozent tracken, um Unfälle und Verletzungen zu vermeiden. Wenige nutzen das Potenzial, sich vor Überlastungen zu schützen, z.B. durch automatisierte Erinnerung Pausen einzulegen (5%) oder Warnung von zu hohem Puls (17%). Dabei bieten bereits heute einige Fitness-Tracker und -Apps gute Möglichkeiten, die Belastung zu steuern und die Verletzungswahrscheinlichkeit zu reduzieren, z.B. Strava, Gramin-Connect, Recovery-Athletics-App). Die JRNY-App verfügt zusätzlich über eine Motion-Tracking-Funktion, die mit Korrekturen der Bewegungstechnik zur Sicherheit beitragen kann. Laut einer aktuellen KFV-Studie könnten bis zum Jahr 2030 rund ein Fünftel der Sportunfälle mithilfe von KI und Robotik-Tools vermieden werden.

Präventionstipps

  • Belastung und Erholung mithilfe von Fitness-Trackern und digitalen Coaches optimal planen.
  • Training mittels Tracking laufend überwachen und Verletzungen durch Überbelastung vermeiden.
  • Echtzeit-Warnungen nutzen: z.B. zu hoher Puls, Körpertemperatur, Blutdruck, Müdigkeit.
  • Automatisierte Erinnerungen: z.B. Pausen einlegen, ausreichend trinken, Wettervorhersage einholen.
  • Fehltechniken und -belastungen mithilfe von Motion Tracking vermeiden (JRNY-App).
  • Mit Track-Back-Funktion den richtigen Weg zurück zum Ausgangpunkt finden (z.B. bei Schlechtwetter).
  • Automatischer Notruf mit GPS-Koordinaten für schnelle Rettung.
  • Double-Check: Beim Einsatz moderner Technologien können Fehler vorkommen. Anweisungen und Scores daher hinsichtlich Plausibilität überprüfen.

Weitere Informationen:

Infografik

Studienzusammenfassung