70.000 Verletzte bei Freizeitunfällen allein im Sommer

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Rund 44 Prozent der Unfälle passieren bei sportlichen Aktivitäten, wie etwa Wandern oder Mountainbiken. Neben klassischen Unfallgefahren stellt Hitze einen zunehmenden Einfluss auf das Unfallrisiko dar.

Freizeitunfälle können den lang ersehnten Sommerurlaub schnell zunichtemachen – mit Folgen, die sowohl individuell als auch volkswirtschaftlich erheblich sind. Dr. Ralph Müller, Vizepräsident vom Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO betont: „Ein Unfall kann das Leben schlagartig verändern, wobei eine private Unfallversicherung die finanziellen Folgen zumindest teilweise abfedern kann. Im Vorjahr haben Österreichs private Versicherer in der Unfallversicherung erstmals mehr als eine Milliarde Euro an Leistungen an die Kunden ausbezahlt. Der private Sektor leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag bei der Absicherung von Freizeitrisiken.“

Dr. Ralph Müller, Vizepräsident des VVO © KFV/APA-Fotoservice/Richard Tanzer

Teure Unfallbergung
Wer sich bei der Arbeit oder Ausbildung verletzt, ist über die gesetzliche Unfallversicherung vor den finanziellen Folgen geschützt. Das gilt allerdings nicht, wenn man in der Freizeit verunfallt. Mag. Christian Eltner, VVO-Generalsekretär erklärt: „Eine private Unfallversicherung ergänzt die gesetzliche Sozialversicherung und erbringt nach Freizeitunfällen auch Leistungen bei Invalidität und im Ablebensfall.“ Je nach Vertragsgestaltung und Leistungsumfang werden auch Kosten für einen medizinisch notwendigen Rücktransport aus dem Ausland oder Bergungskosten, etwa bei Alpinunfällen, übernommen. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt grundsätzlich keine Kosten für die Hubschrauberrettung. Diese kann mehrere tausend Euro ausmachen, die Betroffene selbst tragen müssen.

Mag. Christian Eltner, Generalsekretär des VVO © KFV/APA-Fotoservice/Richard Tanzer

Fast 70.000 Verletzte bei Freizeitunfällen in den Sommermonaten
Ob beim gemütlichen Spaziergang, Wandern in den Bergen oder beim Mountainbiken: Laut der KFV-Unfalldatenbank IDB-Austria verletzten sich im vergangenen Jahr rund 69.200 Menschen bei Freizeitunfällen in den Sommermonaten Juni, Juli und August so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Mag. Christian Schimanofsky, Direktor der Präventionsinstitution KFV, betont: „Gerade in den Sommermonaten sind viele Menschen in ihrer Freizeit entspannter unterwegs, dadurch werden Unfallrisiken jedoch oft unterschätzt. Doch Unfälle können nicht nur gesundheitlich, sondern auch organisatorisch und finanziell rasch zur Belastung werden. Denn im Ausland gelten oft andere Regelungen und die medizinische Versorgung ist teilweise nicht mit österreichischen Standards vergleichbar.“ Rund 44 Prozent der Freizeitunfälle in den Monaten Juni, Juli und August passierten beim Sport. Die unfallträchtigste Sportart in diesen Monaten ist Fußball – dabei verletzten sich durchschnittlich 8.700 Menschen. Beim Wandern bzw. Klettern sind es rund 5.300 Verletzte, beim Tennis/Tischtennis 2.200 und beim Mountainbiken 2.000 Verletzte.

Mag. Christian Schimanofsky, KFV-Direktor © KFV/APA-Fotoservice/Richard Tanzer

Hitze als zunehmende Unfallgefahr
Zusätzlich zu den klassischen Unfallrisiken rückt ein weiterer Faktor immer stärker in den Fokus: die Hitze. Die Zahl der Hitzetage (Tage über 30 Grad) ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen und hohe Temperaturen belasten den Körper massiv. Die Folge sind schneller auftretende Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und ein dadurch erhöhtes Unfallrisiko. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit Vorerkrankungen – aber auch sportlich Aktive.

Univ.- Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger, Leiter des Instituts für Sport-, Alpinmedizin & Gesundheitstourismus erklärt: „Selbst in den Bergen kann es trotz kühlerer Luft und ausreichendem Trinken zu Überhitzung kommen. Die Körperkerntemperatur kann bei intensiver körperlicher Belastung auf über 41 Grad steigen – ein lebensgefährlicher Zustand.“ Während andere Länder bereits umfassende Hitzekonzepte etabliert haben, fehlt es hierzulande bislang weitgehend an entsprechenden Strategien. „Wir brauchen Hitzepräventionskonzepte – sowohl für die individuelle Sicherheit als auch für Veranstaltungen in unseren Breiten“, so Schobersberger.

Univ.- Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger, Leiter des Instituts für Sport-, Alpinmedizin & Gesundheitstourismus Tirol Kliniken Innsbruck und UMIT Tirol, Hall © KFV/APA-Fotoservice/Richard Tanzer

Tipps zur Vermeidung von Unfällen in der Freizeit     

  • Vorsichtsmaßnahmen beim Sport: Gute Vorbereitung, passende Ausrüstung und realistische Selbsteinschätzung sind entscheidend, um Unfälle zu vermeiden.
  • Warnsignale bei Hitze ernst nehmen: Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit können erste Anzeichen einer Überlastung durch Hitze sein. In solchen Fällen sollte die Aktivität sofort beendet, Schatten aufgesucht und ausreichend getrunken werden. Verschlechtern sich die Symptome oder treten Verwirrtheit bzw. Kreislaufprobleme auf, ist rasche medizinische Hilfe erforderlich.
  • Regelungen im Ausland vorab prüfen: In beliebten Urlaubsländern gelten teils andere Vorschriften und Sicherheitsstandards. So gilt etwa in Spanien eine Helmpflicht für Radfahrende – unabhängig vom Alter.
  • Ausreichend trinken: Vor und während sportlicher Aktivitäten sollte auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Bei der Sportausübung an heißen Tagen steigt der Flüssigkeitsbedarf deutlich an.
  • Sport möglichst in kühlere Tageszeiten verlegen: Körperliche Aktivitäten sollten an heißen Tagen bevorzugt in den Morgen- oder Abendstunden stattfinden. Die intensive Mittagshitze sollte möglichst vermieden werden.

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