Die Motorrad-Saison läuft gerade an und damit steigt auch wieder die Unfallgefahr. Nachdem die Zahl der Verletzten bereits im Jahr 2024 einen neuen Höchststand erreichte, könnte dieser Wert im Gesamtjahr 2025 noch übertroffen worden sein. Zudem droht 2026 eine Fortsetzung des Trends. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen „nicht angepasste Geschwindigkeit“ sowie das Übersehen von Motorrädern durch andere Verkehrsteilnehmende. Charakteristisch für Motorradunfälle sind Verletzungen an mehreren Körperregionen, das KFV empfiehlt daher unter anderem Schutzkleidung mit Airbags.
Wien, 19. März 2026. Das Brummen von Motorrädern hat nichts von seiner Faszination verloren – ganz im Gegenteil: Während die Zahl der in Österreich zugelassenen Pkw in den letzten 25 Jahren (2000-2025) um 29 Prozent auf 5,3 Millionen Pkw gestiegen ist, nahm die Zahl der zugelassenen Motorräder im selben Zeitraum sogar um 148 Prozent auf rund 694.000 zu. Dennoch sind in Österreich derzeit noch immer achtmal so viele Pkw wie Motorräder zugelassen. Die Zahl der getöteten Pkw-Insassen (164) lag laut vorläufigen Daten im Jahr 2025 allerdings nicht beim achtfachen der Motorradtoten (81), sondern „lediglich“ beim doppelten. Pkw-Insassen sind schließlich durch Knautschzonen, Airbags und Sicherheitsgurte viel besser geschützt.
Auffällig viele Unfälle bei jungen Personen
Die Zahl der verletzten Motorradfahrenden hat bereits im Jahr 2024 mit 4.468 Verletzten einen neuen Höchststand erreicht. Für das Gesamtjahr 2025 liegen derzeit noch keine Daten vor. Allerdings gab es in den ersten neun Monaten 2025 im Vergleich zum selben Zeitraum 2024 bereits einen Anstieg um mehr als vier Prozent auf 4.162 Verletzte. Damit könnte das Gesamtjahr 2025 noch dramatischer verlaufen sein als 2024. Einige Gruppen stechen dabei besonders hervor, wie Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) erklärt: „Die Zulassungen von Motorrädern bis 125 ccm Hubraum sind in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen. Diese Fahrzeuge sind vor allem bei jungen Menschen beliebt. Entsprechend finden sich in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen überdurchschnittlich viele Unfallopfer.“ Auffallend viele Verletzte gibt es aber auch unter den 55- bis 64-Jährigen, also bei jener Generation, die in den „wilden“ 1980er-Jahren den A-Führerschein gemacht hat und bis heute ein Faible für Motorräder hat. Ganz typisch bei Motorradunfällen ist auch, dass rund 41 Prozent der Verletzten in den letzten 3 Jahren bei Alleinunfällen verunglückt sind.
„Die Zulassungen von Motorrädern bis 125 ccm Hubraum sind in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen. Diese Fahrzeuge sind vor allem bei jungen Menschen beliebt. Entsprechend finden sich in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen überdurchschnittlich viele Unfallopfer“

Schutzhelme tragen fast 100 Prozent, angemessene Schutzkleidung nur 56 Prozent
Zu den häufigsten Ursachen für Motorradunfälle zählen überhöhte Geschwindigkeit sowie das Übersehen von Motorrädern durch andere Verkehrsteilnehmende. KFV-Tests zeigen, dass das Tragen von Schutzkleidung bei Unfällen im niedrigen Geschwindigkeitsbereich besonders effektiv ist. Daher ist es auch auf Kurzstrecken und bei hohen Temperaturen wichtig, Schutzkleidung zu tragen. Es gibt aber auch finanzielle Gründe für das Tragen von Schutzkleidung: „Eine gesetzliche Benützungspflicht besteht zwar nur für Schutzhelme. Wer jedoch ohne Schutzbekleidung bei einem Unfall verletzt wird, muss laut Judikatur aber mit einer Reduktion des Schmerzensgeldes rechnen – selbst dann, wenn der Unfallgegner die volle Schuld am Unfall trägt“, betont Dipl.-Ing. Robatsch. Tatsächlich liegt die Helmtragequote beim Motorradfahren in Österreich bereits bei 99,9 Prozent, angemessene Schutzkleidung tragen hingegen erst 56 Prozent, wie eine KFV-Erhebung zeigt. Wobei es aber beim Tragen von Schutzkleidung ein deutliches Stadt-/Land-Gefälle gibt. Beim Fahren in der Stadt ist die Quote deutlich niedriger als am Land.
Das sollte man bei Airbag-Schutzkleidung beachten
Ein noch höheres – bislang allerdings oft ungenutztes – Schutzpotenzial bieten Airbag-Hosen und Airbag-Jacken bzw. Airbag-Westen. Bei einem Aufprall auf die Fahrbahn mit moderatem Tempo können sie dazu beitragen beispielsweise Rippenbrüche oder schmerzhafte Abschürfungen zu verhindern. Der KFV-Experte erklärt dazu: „Keine Sorge: lästige Reißleinen, die früher zur Auslösung der Airbags verwendet wurden, gehören mittlerweile weitgehend der Vergangenheit an. Moderne Sturzerkennungssysteme in der Schutzkleidung können heute innerhalb von Sekundenbruchteilen den Airbag auslösen.“
Wie KFV-Messungen zeigen, überschreiten Motorradfahrende deutlich häufiger die erlaubten Geschwindigkeiten als Pkw-Lenkende. Eine den Fahrverhältnissen angepasste Geschwindigkeit ist beim Motorradfahren mangels Knautschzone besonders wichtig – und zwar sowohl im Ortsgebiet, Freiland als auch auf Autobahnabfahrten.
Tipps zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beim Motorradfahren
- Sowohl Neu- und Wiedereinsteiger*innen als auch Profis können in Fahrsicherheitstrainings Neues lernen bzw. ihr Wissen auffrischen.
- Vor jeder Fahrt die wichtigsten technischen Funktionen des Motorrads überprüfen.
- Beim Kauf eines Motorrades nicht bei der Sicherheit sparen: Ein Antiblockiersystem (ABS) schützt oft vor Stürzen beim Bremsen und kann Leben retten.
- Bei jedem Wetter sind Vollvisierhelm, Handschuhe, Schutzanzug und Stiefel ein Muss. Auf gute Qualität und Wärmeregulierung Helle Schutzkleidung erhöht zudem die Sichtbarkeit.
- Moderne Airbag-Hosen und Airbag-Jacken Airbag-Westen bieten insbesondere bei Unfällen mit niedrigem Tempo eine gute Schutzwirkung, um gröbere Verletzungen zu vermeiden.
- Geschwindigkeitslimits einhalten, um sich nicht selbst und andere zu gefährden. Straßen sind keine Rennstrecken.
- Flüssigkeitsmangel kann die Aufmerksamkeit stark beeinträchtigen. Daher nicht nur den Tacho im Blick behalten, sondern auch auf den eigenen Körper achten und Trinkpausen einlegen.
- Bei Gruppenfahrten seitlich leicht versetzt und mit ausreichend Sicherheitsabstand zum vorderen Motorrad fahren. Keine Überholmanöver innerhalb der Gruppe. Größere Gruppen auf fünf bis sieben Biker aufteilen und bei der Zusammensetzung auf einen ähnlichen Fahrstil und auf eine ähnliche Erfahrung achten.
Motorrad-Tote nach Bundesländern 2025 (vorläufige Zahlen)
Niederösterreich: 23
Steiermark: 16
Kärnten:12
Oberösterreich:10
Tirol: 10
Salzburg: 4
Vorarlberg: 3
Wien: 3
Gesamt: 81






