Zehn Verletzte pro Tag beim Rodeln – Helm auf in den Semesterferien!

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Vorsicht in den Semesterferien: In Österreich müssen pro Jahr rund 2.000 Verletzte nach Rodelunfällen im Spital oder in einer Spitalsambulanz behandelt werden. Das sind mehr als zehn Verletzte pro Tag während der Rodelsaison. Nur ein geringer Anteil trug während des Unfalls einen Helm, wie der Fachbereich Sport- und Freizeitsicherheit im KFV aufgrund von Befragungen der Unfallopfer weiß. Um schwere Kopfverletzungen zu vermeiden, wäre aber genau das wichtig. Pro Jahr sterben in Österreich im Schnitt zwei Menschen nach einem Rodelunfall.

Wien, 01. Februar 2024. Helme sind eine sehr einfache und wirksame Schutzmaßnahme beim Rodeln. Bereits ein Aufprall mit 10 km/h auf ein Hindernis kann bei Kindern zu schwerwiegenden Verletzungen – insbesondere Kopfverletzungen – führen. „Unsere Erhebungen unter Unfallopfern geben Anlass zur Sorge, weil gerade in der jüngsten Altersgruppe Helme noch nicht so verbreitet sind, wie wir es gerne hätten. Die Gefahr für Kinder wird leider unterschätzt. Todesfälle in den vergangenen Jahren zeigen, dass man beim Rodeln sogar mit dem Schlimmsten rechnen muss“, appelliert Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV.

Durchschnittlich zwei Tote pro Jahr beim Rodeln

In den vergangenen zehn Jahren sind laut ÖKAS-Daten im Schnitt zwei Menschen pro Jahr bei Rodelunfällen in Österreich tödlich verunglückt. Im Jahr 2023 war zum Glück kein Toter zu beklagen, wobei im Vorjahr aber 271 Menschen beim Rodeln verletzt wurden. Dabei handelt es sich allerdings nur um Rodelunfälle, bei denen die Alpinpolizei involviert war. Andere Fälle sind in diesen Zahlen nicht inkludiert.

Um die hohe Dunkelziffer zu erfassen, befragt das KFV regelmäßig Unfallopfer in ausgewählten Spitälern bzw. Spitalsambulanzen über Unfallursache und Unfallhergang und rechnet die Daten im Anschluss auf Österreich hoch. Wie Auswertungen der vergangenen sechs Jahre zeigen, gibt es demnach pro Jahr rund 2.000 Verletzte mit Wohnsitz in Österreich, die nach Rodelunfällen in einem Spital oder einer Ambulanz behandelt werden müssen. Nachdem die Rodelsaison in Österreich je nach Region nur von November bis April dauert, ereignen sich während dieser sechs Monate also mehr als zehn Rodelunfälle pro Tag.

„Unsere Erhebungen unter Unfallopfern geben Anlass zur Sorge, weil gerade in der jüngsten Altersgruppe Helme noch nicht so verbreitet sind, wie wir es gerne hätten“

Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Freizeitsicherheit im KFV
Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Freizeitsicherheit im KFV

Rund sieben Prozent der Unfallopfer erleiden Kopfverletzungen

Die meisten Unfallopfer berichten dem KFV davon, gestürzt, gestolpert, gesprungen oder gestoßen worden zu sein. Aber auch der Kontakt mit statischen Objekten wie beispielsweise mit einem Baum oder einer Hinweistafel sind mit 16 Prozent der Fälle gar nicht so selten. Rund sieben Prozent der Unfallopfer erleiden Kopfverletzungen – das sind ungefähr 140 Personen pro Jahr. Besonders schwerwiegend unter den Kopfverletzungen können Schädel-Hirn-Traumata sein, weshalb das Tragen eines Helmes besonders ratsam ist.

Crashtests zeigen: Verletzungsrisiko ist geringer, wenn Kinder hinten sitzen

Erhöhte Verletzungsgefahr bei einem Aufprall auf ein statisches Hindernis droht auch dann, wenn ein Elternteil sein Kind vor sich auf der Rodel platziert. Crashtests vom KFV und der Technischen Universität Graz haben ergeben, dass das Verletzungsrisiko für Kinder erheblich niedriger ist, wenn diese auf dem Rücksitz sitzen. Auf dem Rücksitz befindliche Kinder stoßen bei einem Aufprall nämlich nicht direkt auf die statischen und festen Hindernisse, sondern auf den Rücken des Erwachsenen. Im Vergleich dazu würden vorne sitzende Kinder durch die Aufprallkraft zusätzlich gegen das Hindernis gedrückt, insbesondere wenn sie sich in unmittelbarer Nähe des Elternteils befinden. Die Ergebnisse der KFV-Tests belegen, dass das Tragen eines Helms das Verletzungsrisiko bei einem Kopfaufprall erheblich reduziert.

Präventionstipps des KFV für sicheres Rodelvergnügen:

  • Gute Grundausrüstung ist wichtig: Winterfeste Kleidung, Handschuhe, festes Schuhwerk, Skibrille und Helm sollten beim Rodelausflug nicht fehlen.
  • Vor der Benutzung die Rodel auf Schäden überprüfen.
  • Sperren und Warnhinweise dürfen keinesfalls ignoriert werden.
  • Nur bei guter körperlicher Konstitution die Rodelpiste benutzen.
  • Falls der Aufstieg zu Fuß erfolgt, sollte man möglichst am Rand der Rodelbahn gehen, um die Bahn freizuhalten. Auch bei der Abfahrt ist Rücksicht auf andere sehr wichtig.
  • Die Wahl der Abfahrtsstrecke und Abfahrtsgeschwindigkeit sollten dem eigenen Können entsprechen.
  • Nicht mit dem Kopf voran rodeln. Sitzen man zu zweit auf der Rodel, sollte die kräftigere/schwerere Person vorne sitzen.
  • Der Konsum von Alkohol ist vor oder beim Rodeln tabu.
  • Auf Nachtrodelpisten ist eine Stirnlampe und reflektierende Kleidung empfehlenswert.
  • Die Art des Bremsens ist laut KFV-Tests ausschlaggebend. Den kürzesten Bremsweg (bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h) gab es mit speziellen Rodelhandbremsen (7 Meter), dann folgen Aufkanten (8,7 Meter), das Bremsen mit Spikes an den Schuhen (10 Meter) sowie das Bremsen mit Winterschuhen (14,7 Meter).
  • Wer mit Winterschuhen bremst, sollte nicht mit den Fersen bremsen, sondern die kompletten Fußsohlen dicht neben den Kufen auf die Rodelbahn aufsetzen.

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