Wieviel Schnee hält (m)ein Dach?

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Schneelasten sind Flächenlasten, die für Dächer, Bäume und Hochspannungsmasten zur drückenden Gefahr werden können. Aber wie viel Schnee kann ein Hausdach tragen? Das KFV hat für Sie die wichtigsten Infos rund um das Thema Schneelasten zusammengestellt:

Under Pressure oder wenn das Pferd am Dach sitzt…
Bedingt durch statische Mängel der Baustruktur oder unzureichende Wartung führt hoher Schneedruck immer wieder zu Gebäudeeinstürzen und Ausfällen der Stromversorgung. Besonders gefährdet sind Gebäude mit Flachdächern – der fatale Einsturz der Eishalle Bad Reichenhall Anfang 2006 ist wohl vielen von uns noch präsent. Aufgrund der unterschiedlichen Schneelastzonen ist es besonders wichtig die eigene Risikozone zu kennen. Ein wichtiges digitales Angebot dazu ist die Risikolandkarte HORA (http://www.hora.gv.at). Sie ermöglicht es jedem einzelnen Bürger / jeder einzelnen Bürgerin rasch und einfach per Mausklick eine Ersteinschätzung der persönlichen Gefahrensituation von insgesamt acht Naturgefahren, z.B. die Schneelastzonenbestimmung des eigenen Hauses, zu machen.

So schützen Sie sich und Ihr Zuhause vor Schneelastgefahren:

  1. Informieren Sie sich über das Grundrisiko Ihrer Wohnregion, optimale Vorsorge, Versicherung, Wetterdaten & Co.: hora.gv.at, www.kfv.at, www.zamg.ac.at und bei lokalen Baubehörden
  2. Sorgen Sie vor: Hohe Qualität beim Dachausbau, regelmäßige Dachwartung, sorgsam gewählte Standorte von Bäumen und präventiver Baumschnitt machen sich bezahlt.
  3. Kontrollieren Sie nach: Reduzieren Sie Schneelasten am Dach durch regelmäßiges Abkehren – am besten mit Unterstützung von Profis wie Schnee-Servicefirmen und Feuerwehr.

Hausbesitzerauge, sei wachsam
Die Bauordnungen der österreichischen Bundesländer machen klar: Jeder Eigentümer ist für den Zustand seines Hauses und für dessen regelmäßige Überprüfung selbst verantwortlich. Dazu gehört auch die Beobachtung des Wohnobjekts in puncto Schneelast, für entsprechende Messungen ist das Know-how staatlich befugter und beeideter Ziviltechniker vonnöten.

Schneezonen: Wien ist anders
Österreich ist – je nach lokaler Klimazone und topografischer Höhe – in vier Schneelastzonen eingeteilt: Während Haus- und Hallendächer im 11. Wiener Gemeindebezirk für eine Schneelast von 84 Kilogramm pro Quadratmeter konzipiert sind, müssen alpine Dachkonstruktionen in St. Christoph am Arlberg gigantischen Schneemassen von 1.080 kg/m2 standhalten. Im Wienerwald werden immerhin 176 kg/m2 als Maximalwert angenommen, in der Wiener Innenstadt wiederum nur die Hälfte.

Die Dichte von Schnee
Schnee ist nicht gleich Schnee: Je nach Feuchtigkeit und Dichte wird er unterschiedlich schwer. Trockener Powder etwa wiegt 30 bis 50 Kilogramm pro Kubikmeter, feuchter Neuschnee hingegen bis zu 500 Kilogramm. Das entspricht dem Gewicht eines wohlgenährten Haflingers, eines stattlichen Konzertflügels oder dem von sieben Waschmaschinen. Sobald der Schnee gefallen ist, beginnt er zu mutieren: Schneeflocken werden zu Eiskristallen, die sich zu möglichst kleinen Oberflächen vereinen. Das Schneevolumen nimmt ab, die Dichte allerdings zu. Bei Dachschrägen drucktechnisch kein Problem: Je steiler das Dach, desto geringer die Schneelast. Bei einer Dachneigung von mehr als 60 Grad kann Schnee problemlos abrutschen. Hier heißt es höchstens: Achtung, Dachlawine!

Bewusstsein: im Westen am besten
Im Rahmen einer 2018 österreichweit durchgeführten KFV-Erhebung gaben nur 3% der Befragten an, Naturgefahren spontan mit Schneelast zu assoziieren. Dieses Phänomen wird vor allem in Salzburg, Tirol und Vorarlberg (jeweils rund 29% im Vergleich zu 13% im Gesamtösterreich-Schnitt) sowie in der Steiermark und in Kärnten (jeweils 19%) als konkrete Gefahr wahrgenommen. 11% der befragten Steirer und Kärntner sowie 8% der Salzburger, Tiroler und Vorarlberger waren de facto bereits von dieser Problematik betroffen.

Persönliche Maßnahmen
22% der befragten Österreicherinnen und Österreicher sind gegen Schneelastschäden versichert, 54% haben nach Unwetterwarnungen konkrete Schutzmaßnahmen getroffen, doch nur 3% davon explizit gegen Schneelasten. Wenig überraschend setzen sich Wiener am geringsten mit Baumaßnahmen in Sachen Schnee auseinander. Gefahrenbewusstsein, eigene Betroffenheit und das Ergreifen von Maßnahmen samt Versicherungsschutz sind in Österreichs alpinen Regionen naturgemäß häufiger Realität. Generell tangiert das Thema Schneelast das öffentliche Bewusstsein aber noch viel zu gering.

Sorgen Sie vor!
Die drei Hauptrisikogruppen bei Schneelastgefahr: 1. Private Haus- und Grundstücksbesitzer, 2. Betreiber von Skiliften, Hallen und winterlichen Event Locations, 3. Bauern der Bereiche Obst-, Land- und Viehwirtschaft. Vom Hallendacheinsturz über zerstörte Hagelnetze auf eingeschneiten Obstplantagen bis zum beschädigten Wildzaun mit fliehendem Weidevieh – das richtige Gespür für Schnee schadet nie.