Mit Bike-Check, Protektoren und Fahrtechniktraining sicher in die Bike-Saison starten

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Stürzen schmerzt – vor allem beim Mountainbiken. Denn Schotter, Wurzeln und Steine geben nicht nach. Das zeigt sich auch in der Unfallstatistik: Vier von zehn verletze Biker*innen müssen stationär im Spital behandelt werden – damit ist Mountainbiken einer der Sportarten mit dem höchsten Anteil an schweren Verletzungen. Bike-Check, passende Schutzausrüstung und die Verbesserung der Fahrtechnik sind wichtige Maßnahmen, um Verletzungen zu vermeiden.

Im Jahr 2022 haben sich 5.900 Mountainbiker*innen so schwer verletzt, dass sie im Spital behandelt werden mussten (KFV, IDB Austria 2022). Nach dem Outdoor-Boom während der Corona-Pandemie sind die Zahlen der Verletzten wieder gesunken. Mit ein Grund dafür ist, dass die Menschen im Sommer wieder mehr verreisen oder sonstigen Tätigkeiten nachgehen, die während der Pandemie nicht möglich bzw. verboten waren. Die Zahl der tödlichen Unfälle (2022: 12 Tote) ist nach dem Spitzenjahr 2021 (16 Tote) zwar ebenfalls zurückgegangen, dennoch liegt diese über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (8 Tote) (Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit; ÖKAS / BMI, 2022).

Hoher Anteil an schweren Verletzungen
Der Anteil der schweren Verletzung ist beim Mountainbiken im Vergleich zu anderen Sportarten nach wie vor hoch. Rund 40 Prozent der Verletzten müssen stationär behandelt werden. Stationäre Aufnahme erfordern meist Frakturen (80%) sowie Sehnen- und Muskelverletzungen (5%) häufig an Schultern und. Schlüsselbeinen (22%), den Füßen (13%) und am Rumpf (11%). Die durchschnittliche stationäre Behandlungsdauer beträgt fünf Tage.

Downhillorientierte Biker verunfallen häufiger
Mountainbiken kann auf unterschiedliche Arten betrieben werden. Für einige steht der Ausdaueraspekt im Vordergrund. Ihr Ziel ist es lange Touren zu fahren und möglichst viele Höhenmeter zu überwinden. Sie verwenden sehr leichte Bikes, häufig nur mit Federung der Vordergabel (Hardtails). Für andere ist vor allem der Abfahrtsspaß wichtig. Sie setzen auf vollgefederte Bikes mit viel Federweg (Fullys) und besuchen gerne auch mal einen Bikepark. Eine gemeinsame Studie von KFV und ÖKAS (2021) zeigt, dass abfahrtsorientierte Biker*innen häufiger verunfallen (Link zur Studie). Während 68 Prozent der Fully-Fahrer*innen angeben, einen und mehrere Unfälle im vergangenen Jahr gehabt zu haben, sind es bei den Hardtail-Biker*innen nur 46 Prozent.

Bike Rucksack mit integriertem Rückenprotektor; (c) deuter

Auf Forststraßen und Trails tragen noch zu wenige Protektoren
Erfreulich ist, dass die Helmtragequote beim Mountainbiken mit 95 Prozent, ähnlich wie beim Skifahren, sehr hoch ist. Beim Tragen sonstiger Schutzausrüstung gibt es jedoch Nachholbedarf. Wie Beobachtungen von KFV und ÖKAS (2021) zeigen, tragen auf Forstwegen und Trails nur 15 Prozent der Biker*innen Knieschützer, vier Prozent Ellbogenschützer und ein Prozent Rückenprotektoren. Da Stürze beim Mountainbiken keine Seltenheit sind, sollte jedoch bei jeder Mountainbike-Ausfahrt Schutzausrüstung getragen werden, um im Ernstfall schwere Verletzungen zu vermeiden. Moderne Protektoren stören nicht und schützen effektiv, wie z. B. Protektor-Rucksäcke und flexible Knieschützer.

Schau dem Gaul ins Maul: Bike-Check lohnt sich
Bremsversagen, Reifenplatzer oder Kettenriss – Materialversagen kann beim Mountainbiken Stürze verursachen, die zu ernsthaften Verletzungen führen können. Um sicher in die Bike-Saison zu starten, ist es daher wichtig, das Bike in einer Fachwerkstätte überprüfen und servicieren zu lassen. Laut einer Umfrage von KFV und ÖKAS (2021) machen das immerhin die Hälfte (52%) der 2.082 befragten Biker*innen einmal pro Jahr. 37 Prozent geben an, ihr Bike selbst zu überprüfen und zu warten. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn dies erfordert ein hohes Maß an Wissen und Erfahrung. Für Einsteiger*innen ist eine Überprüfung von Profis in der Fachwerkstätte jedenfalls empfehlenswert.

Fahrtechnikkurse für mehr Sicherheit und Spaß
Wer sicher auf dem Mountainbike unterwegs sein möchte, sollte nicht nur auf Kraft- und Ausdauertraining setzen, sondern auch die richtige Fahrtechnik erlernen. Dazu gehört die optimale Fahrposition, dosiertes Bremsen, das Meistern von engen Kurven sowie die Wahl der richtigen Geschwindigkeit. Anders als beim Skifahren sind Kurse zum Erlernen der richtigen Fahrtechnik beim Mountainbiken noch nicht sehr etabliert, wie die Befragung von KFV und ÖKAS (2021) ergibt. Mehr als die Hälfte der befragten Biker*innen (53%) hat noch nie einen Fahrtechnikkurs absolviert. Dabei führt Fahrtechniktraining nicht nur zu mehr Sicherheit sondern auch zu mehr Spaß beim Fahren von engen Tails und kniffligen Passagen – das gilt für E-Biker*innen und Biker*innen ohne Tretunterstützung gleichermaßen.

Präventionstipps

  • Solide Tourenplanung!
    Schwierigkeit der Tour an Fitness und Können anpassen. Wertvolle Hilfsmittel dafür sind (digitale) Fachliteratur und Kartenmaterial sowie diverse Navigations-Apps. Zeitdruck vermeiden und Intensität und Schwierigkeit der Touren nur langsam steigern.
  • Bike Check!
    Das Bike regelmäßig warten und einmal jährlich in einer Fachwerkstätte überprüfen lassen. Auf das Körpergewicht abgestimmte Dämpfer und ein auf den Untergrund angepasster Reifendruck bieten mehr Kontrolle.
  • Passende Schutzausrüstung verwenden!
    Helm, Sportbrille, Handschuhe, Knie- und Ellbogenschützer sollten beim Biken immer getragen werden. Bei anspruchsvollen Abfahrten bieten Rumpfprotektor und Vollvisierhelm zusätzlichen Schutz. Mit bunter Kleidung, Reflektoren und Klingel/Hupe auf sich aufmerksam machen.
  • Tempo kontrollieren!
    Geschwindigkeit der jeweiligen Situation anpassen. Stets aufmerksam und bremsbereit fahren, da jederzeit mit unerwarteten Hindernissen zu rechnen ist.
  • Fahrtechnik verbessern – Kursangebot nutzen!
    Dosiertes Bremsen, die richtige Abfahrtsposition, sicheres Kurvenfahren sowie kontrollierte Sprünge: All das lässt sich in MTB-Fahrtechnikkursen lernen, z. B. bei den alpinen Vereinen und Bike-Akademien.
  • Für den Notfall bereit sein – besonders wenn man allein unterwegs ist!
    Die geplante Tour Angehörigen mitteilen. Mit einem vollen Handy-Akku starten, um im Ernstfall einen Notruf absetzen zu können (140 alpiner Notruf Österreich, 112 Euro-Notruf). Mit Notruf-Apps (z. B. SOS EU-Alp) lassen sich Standort und Gesundheitsdaten auf einfache Weise an die Rettungskräfte senden.
  • Rücksichtnahme auf Natur, Mensch und Tier!
    Nur für das Mountainbiken vorgesehene Wege benützen. Auf andere Wegnutzer*innen Acht geben. Beschilderung und Verhaltensregeln beachten (z. B. Wegsperren, Schutzzonen).