Gefühlte Sicherheit in Österreich: Meinungen und Trends im Fokus – der KFV-Präventionsmonitor liefert ein aktuelles Stimmungsbild.

Wie sicher fühlen sich die Österreicherinnen und Österreicher? Wie schützen sie sich vor Gefahren? Der „Präventionsmonitor“, ein vom KFV in Kooperation mit der Universität Zürich entwickeltes Messinstrument, bringt seit 2011 mit periodisch durchgeführten repräsentativen Meinungsumfragen die allgemeine Wahrnehmung heimischer Sicherheitsdefizite und persönliche Präventionsmaßnahmen in Sachen Straßenverkehr, Haushalt, Freizeit und Sport sowie Schutz vor Kriminalität aufs Tapet. Entwicklungen und Trends werden dabei ebenfalls näher beleuchtet. Die jüngsten Resultate zeigen: Als größte Sicherheitsprobleme gelten Straßenverkehrsrisiken und Kriminalität.

Verkehrssicherheit, quo vadis?
Im Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt nehmen die meisten Befragten eine geringfügige Verschlechterung der Sicherheitslage auf Österreichs Straßen wahr. Als häufigste Unfallursachen im Straßenverkehr werden Unachtsamkeit, riskante Überholmanöver und Alkoholisierung der Fahrzeuglenker empfunden. Die einspurige Mobilität – per Motorrad, Moped, Fahrrad – wird als am gefährlichsten eingestuft.

Auch der Blick in die nahe Zukunft spiegelt eine eher pessimistische Grundstimmung wider. Das anwachsende Verkehrsaufkommen und vermehrt erlebte Rücksichtslosigkeit und Aggression am Steuer sind für viele eine emotionale Belastung. All jene, die die Lage etwas rosiger sehen, nennen vor allem die verbesserte Fahrzeugtechnik und verstärkte Verkehrskontrollen als positive Faktoren.

Verkehrsmoral unter der Lupe
Die Ergebnisse der jüngsten KFV-Umfrage zeigen: Der Einsatz von Kindersitzen und Sicherheitsgurten gehört heute praktisch zum Standard. Auch Kinderfahrradhelme sind zumeist ein absolutes Muss. „Handy weg vom Steuer“ lautet allerdings noch nicht oft genug die gelebte Devise. Telefonieren mit Freisprecheinrichtung, die Nutzung von Fahrradhelmen im Erwachsenenalter und das Tragen reflektierender Materialien als Radfahrer oder Fußgänger bei Dämmerung und Dunkelheit sind hierzulande noch nicht ausreichend en vogue. Frauen sind generell umsichtiger unterwegs, sowohl bei der Trennung von Trinken und Fahren als auch in Fragen der Kindersicherheit. Männer demonstrieren hingegen beim Tragen von Fahrradhelmen ein signifikant höheres Sicherheitsbewusstsein.

Gesetzliche Wunschliste
Was die Umsetzung neuer gesetzlicher Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit betrifft, so stehen auf der Wunschliste der Österreicherinnen und Österreicher vor allem vermehrte Polizeikontrollen samt Drogenschnelltests, striktere Strafen für das Fahren unter Alkoholeinfluss und andere schwere Delikte, eine intensivierte Schulung von Fahranfängern, der Einsatz von Alko-Wegfahrsperren und eine Verbesserung der Straßeninfrastruktur. Sanktionen bei minimalen Tempoüberschreitungen – Stichwort „Nulltoleranz“ – werden jedoch als deutlich weniger sinnvoll erachtet.

Die Generation 65 plus spricht sich vor allem für vermehrte Kontrollen, intensivierte Schulungen von Fahranfängern, verstärkten Einsatz technischer Überwachungsgeräte und striktere Strafen aus. Die Senioren selbst betreffende Reglementierungen, etwa medizinische Überprüfungen der Fahrtauglichkeit oder verpflichtende Kurse für Lenker ab 60, werden von den reiferen Semestern naturgemäß weniger goutiert.

Thema Kriminalität
Die Entwicklung der Kriminalität wird in Österreich mehrheitlich als besorgniserregend eingeschätzt. Im Zeitvergleich zeigt sich zunehmende Verunsicherung bezüglich möglicher Verbrechensgefahren. Demgegenüber stehen allerdings die Fakten: Im Vergleich zur KFV-Befragung im Jahr 2011 kann ein leichter Rückgang der tatsächlichen Kriminalitätsbetroffenheit verzeichnet werden. In der aktuellen KFV-Erhebung gibt rund ein Drittel der Befragten an, innerhalb der letzten fünf Jahre eine persönliche Erfahrung mit Kriminalität gemacht zu haben, etwa als Opfer von Einbrüchen, tätlichen Angriffen oder Betrug.

Ebenso je ein Drittel der befragten Österreicherinnen und Österreicher befürchtet, künftig am ehesten Opfer von Cyber-Kriminalität, eines Diebstahls oder eines Autoeinbruchs zu werden. Jeweils ein Viertel der Befragten hält einen Wohnungseinbruch, Kreditkartenbetrug oder Überfall für eine realistische Bedrohung. Als gesetzliche Präventionsmaßnahme wird vor allem stärkere Polizeipräsenz auf Österreichs Straßen gewünscht.

Haushalt, Freizeit, Sport
Im Freizeitbereich wird den Sportarten Snowboarden, Mountainbiken und Schifahren die weitaus höchste Unfallgefahr zugeschrieben. Persönliche Präventionsmaßnahmen zeigen sich vor allem in der Aufmerksamkeit gegenüber Kindern: So wird etwa sehr darauf geachtet, dass Kinder beim Schifahren Schutzhelme tragen und Chemikalien im Haushalt außer Reichweite der Kleinen gelagert werden. Geht es allerdings um die eigene Sicherheit – zum Beispiel um das Tragen eines Schihelms –, wird dagegen etwas nachlässiger agiert. Der KFV-Präventionsmonitor konstatiert also auch im Freizeitbereich ungenutzte Sicherheitsreserven.

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