Der Herbst lockt viele Menschen in die Berge – doch saisontypische Faktoren wie sinkende Temperaturen und rutschige Wege sollten nicht unterschätzt werden. Rund 24 Prozent aller Wanderunfälle ereignen sich allein in den Monaten September und Oktober. Die Präventionsinstitution KFV empfiehlt daher unter anderem wetterfeste Kleidung, Stirnlampen und Biwaksäcke mitzuführen. Aufgrund der früher einsetzenden Dunkelheit sollte man zudem rechtzeitig umkehren.
Wien, 28. August 2026. In Österreich zieht es viele Menschen in die Berge, entsprechend hoch ist auch die Zahl der Wanderunfälle. Laut KFV-Unfalldatenbank IDB Austria müssen jedes Jahr im Schnitt (2023-2025) rund 11.300 Menschen nach Wanderunfällen in Österreich im Krankenhaus behandelt werden.Rund 24 Prozent dieser Unfälle ereignen sich allein im September und Oktober. Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV erklärt dazu: „In der kühleren Jahreszeit kommen mehrere Risikofaktoren zusammen: Feuchtes Laub, nasse Wurzeln und Geröll sorgen für rutschigen Untergrund. Nebel kann zudem binnen kurzer Zeit die Sicht und Orientierung erschweren und in höheren, nordseitigen Lagen muss zudem bereits mit Schnee oder Vereisung gerechnet werden. Wetterfeste Kleidung, Biwaksack, Stirnlampe und Grödel – ab circa 1.500 Höhenmeter – sind daher unverzichtbare Bestandteile der Wanderausrüstung.“
„Wetterfeste Kleidung, Biwaksack, Stirnlampe und Grödel – ab circa 1.500 Höhenmeter – sind daher unverzichtbare Bestandteile der Wanderausrüstung.“
Rund 28 Prozent verunfallen gegen Ende der Tour Besonders tückisch kann das Herbstwetter auf dem Rückweg ins Tal werden, wenn die Konzentration nachlässt und die Müdigkeit zunimmt. Rund 28 Prozent aller Wanderunfälle ereignen sich gegen Ende einer Tour. Wer daher bereits beim Aufstieg merkt, dass die Kräfte nachlassen, sollte lieber umkehren. Stürze sind mit 94 Prozent die häufigste Unfallursache. Rund 30 Prozent verletzen sich dabei am Fußgelenk bzw. Knöchel. Das richtige Schuhwerk kann Sturzgefahren minimieren, wie Dr. Trauner-Karner erläutert: „Bei Wanderungen im flacheren Gelände eignen sich leichtere Schuhe mit flexibler Sohle. In steilem bzw. alpinem Gelände bieten feste, knöchelhohe Bergschuhe mit tiefem Profil mehr Halt. Im Herbst ist eine intakte, griffige Sohle besonders wichtig, da rutschige Böden die Sturzgefahr erhöhen können.“
„Im Herbst ist eine intakte, griffige Sohle besonders wichtig, da rutschige Böden die Sturzgefahr erhöhen können,“ erklärt Dr. Trauner-Karner
Eigene Grenzen rechtzeitig erkennen
Neben richtiger Ausrüstung ist auch eine realistische Selbsteinschätzung entscheidend – Tagesform, Kondition und Erfahrung sollten bei der Entscheidung, eine Tour fortzusetzen, berücksichtigt werden. Einfache Fragen können dabei helfen: Bin ich noch trittsicher? Kann ich mich weiterhin gut konzentrieren? Fühle ich mich nach einer Pause wieder fit genug, um weiterzugehen? Lautet die Antwort auf eine dieser Fragen „Nein“, sollte eine Umkehr ernsthaft in Betracht gezogen werden.
Gruppendruck kann die eigene Sicherheit gefährden
Gerade in der Gruppe fällt es jedoch oft schwerer, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen, Erschöpfung anzusprechen oder eine Tour abzubrechen, erklärt Dr. Trauner-Karner: „Kaum jemand möchte in der Gruppe Schwäche zeigen. Ein einmal gesetztes Ziel wird nur ungern aufgegeben und vermeintlich erfahrenen Personen wird mitunter zu schnell vertraut. Umso wichtiger ist es, die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren und sich nicht zu riskanten Entscheidungen drängen zu lassen.“ Bereits vor dem Start kann es helfen klare Abmachungen innerhalb der Gruppe zu treffen. Dazu gehört, dass Zweifel offen ausgesprochen werden und ein Umkehren etwa bei Müdigkeit oder Überforderung nicht begründet oder gerechtfertigt werden muss.
„Umso wichtiger ist es, die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren und sich nicht zu riskanten Entscheidungen drängen zu lassen“, so Dr. Trauner-Karner
Wandern fordert die meisten Todesopfer im alpinen Raum
Jedes Jahr sterben laut Alpinunfalldatenbank durchschnittlich 106 Menschen beim Wandern und Bergsteigen. Damit entfallen rund 37 Prozent aller Alpintoten auf das Wandern und Bergsteigen – mehr als auf jede andere erfasste alpine Sportdisziplin. Wie KFV-Medienbeobachtungen zeigen, sind in diesem Jahr bereits mindestens 36 Menschen beim Wandern und Bergsteigen ums Leben gekommen (bis inklusive 27. August 2026), wobei die tatsächliche Zahl noch höher sein dürfte.
KFV-Präventionstipps:
Auf Herbstwanderungen vorbereiten: Gehen Sie möglichst früh los, um vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein. Nehmen Sie immer warme, wetterfeste Kleidung, Stirnlampe, Biwaksack und Grödel (ab 1.500 Höhenmetern) mit.
Nicht um jeden Preis zum Gipfel: Kehren Sie bei Gewitterneigung, Erschöpfung oder schwierigen Wegverhältnissen lieber um. Der Stärkere orientiert sich am Schwächeren!
Gute Tourenvorbereitung: Informieren Sie sich vorab genau über Wetter, Zeitbedarf, Höhenmeter, ausgesetzte Stellen oder Ausweichmöglichkeiten. Hinterfragen Sie Erfahrungsberichte aus dem Internet kritisch!
Wählen Sie geeignetes Schuhwerk: Stabilisieren Sie Ihre Fußgelenke mit festen, gut stützenden Wanderschuhen, die über den Knöchel reichen.
Seien Sie aufmerksam: Achten Sie auf den Untergrund und nutzen Sie Wanderstöcke für zusätzliche Stabilität, besonders auf unebenem Gelände oder bei steilen Anstiegen.
Notfallplanung: Nehmen Sie Erste-Hilfe-Ausrüstung mit, einschließlich Verbandsmaterial für mögliche Knöchelverletzungen. Speichern Sie den Euronotruf (112) am Handy ab! Da es am Berg Funklöcher geben kann, nehmen Sie auch eine gedruckte Wanderkarte mit!
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