Automatisiertes Fahren: Österreichs Stimmungsbild im Check

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Technik, die das Auto lenkt – und wie Österreich darüber denkt. Eine neue KFV-Studie beleuchtet Meinungen von Medien und Öffentlichkeit. Wissen und Vertrauen schaffen Zuversicht: Je informierter und technikorientierter der Mensch, desto positiver seine Meinung.

Die Zukunft des Autofahrens ist automatisiert. Fachleute aus den Bereichen Mobilität und Sicherheit sehen das große Potenzial künftiger Fortbewegung: Intelligente Technologien schöpfen enorme Sicherheitsreserven aus – unfallkausale menschliche Fehlleistungen wie Leichtsinn, Unaufmerksamkeit oder Übermüdung am Steuer werden schon bald der Vergangenheit angehören. Doch wie sieht Österreich diese technologische Revolution? Herrscht eher Skepsis oder Optimismus im Land?

Automatisiertes Fahren: Österreichs Meinungen unter der Lupe
Mit persönlichen Befragungen von Konsument*innen und Journalist*innen und einer Analyse des öffentlich-medialen Diskurses über automatisiertes Fahren in Österreich fand das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) in Zusammenarbeit mit der marketmind GmbH und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) Antworten auf folgende Fragen:

  • Welches Bild hat die österreichische Bevölkerung von automatisiertem Fahren? Wie informieren sich die Österreicher*innen darüber und welche Erwartungen haben sie an die zukünftige Entwicklung von automatisiertem Fahren?
  • Wie gut informiert sind Journalist*innen über automatisiertes Fahren? Wie lautet ihre Meinung dazu? Welche Inhalte greifen sie in ihren Beiträgen bevorzugt auf?
  • Welche Diskurse rund um automatisiertes Fahren dominieren Österreichs Medienlandschaft? Welche Images werden produziert?

Wissen und Vertrauen schaffen Zuversicht
Die KFV-Studie zeigt: Automatisiertes Fahren ist als öffentliches Thema in Österreich weithin bekannt. Die Mehrheit der Österreicher*innen gibt in der KFV-Befragung an, das Thema bereits über verschiedene mediale Kanäle wahrgenommen zu haben. 85 % der Befragten sind so weit involviert, dass sie spontane Gedanken dazu formulieren können. Die mediale Stimmung zum Thema schätzt ein Großteil der Befragten als gemischt ein, etwa 30 % erleben sie als eher positiv, nur etwa 7 % als eher negativ.

Interessierte Medienkonsument*innen, die sich, etwa durch Lektüre längerer Beiträge in Tageszeitungen oder Fachmagazinen, intensiv über das Thema informieren, haben einen deutlich positiveren Eindruck von der Berichterstattung als Personen, die das Thema nur peripher, etwa über Schlagzeilen, wahrnehmen. Jeweils etwa 30 % der Österreicher*innen haben ein (sehr) positives oder (sehr) negatives Bild von automatisiertem Fahren, etwa 40 % stehen dem Thema neutral gegenüber.

Menschen mit grundsätzlichem Vertrauen in die Technik haben ebenfalls einen positiveren Gesamteindruck von der neuen Art des Fahrens. Auch die Wahrnehmung von Vorteilen für Umwelt, Klima, Sicherheit und Fahrkomfort sorgt für wohlwollende Resonanz. Jene 20 % der Österreicher*innen mit hohem Infodefizit sind besonders negativ gestimmt – Basis für Unsicherheit und Ablehnung ist die erlebte Diskrepanz zwischen Fakten und Mythen. Negative Vibes gehen am stärksten von vermuteten Gefahren, besonders für ungeschützte Verkehrsteilnehmer*innen wie etwa Fußgänger*innen, aus.

Medienprofis: Interesse an Innovationen, Optimismus in Sachen Sicherheit
Journalist*innen, die aus eigener Recherche- und Schreiberfahrung über die Materie im Bilde sind, sehen die Berichterstattung über automatisiertes Fahren in Österreich thematisch breit gestreut: Technologische, wirtschaftliche, gesellschaftliche, ethische und rechtliche Aspekte charakterisieren das Spektrum der behandelten Themen. Das von den Medien produzierte Stimmungsbild wird von den Medienprofis als sehr divers beurteilt: Positive Beiträge über Innovationen und konkrete (Test-)Projekte mit autonomen Fahrzeugen überwiegen in puncto Medienecho, Berichte über seltene Unfälle trüben die Euphorie.

Der Grundtenor der befragten Medienvertreter*innen ist jedenfalls positiv: Automatisiertes Fahren könne einen wertvollen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit leisten. Persönliche Prognose der Profis der schreibenden Zunft: In den nächsten zehn bis 20 Jahren werde sich automatisiertes Fahren in Richtung Vollautomatisierung entwickeln.

Im Fokus der Medien: Wirtschaft und Mensch
Medienberichterstattung in Nahaufnahme: Die Analyse des österreichischen medialen Diskurses über automatisiertes Fahren durch das Departement Angewandte Linguistik der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) untersuchte die Muster des öffentlichen Sprachgebrauchs. Berücksichtigt wurden Beiträge österreichischer Massenmedien – Tages- und Wochenzeitungen, darunter Fachpublikationen der Bereiche Wirtschaft, Auto, IT und Industrie – von Anfang 2018 bis Ende 2019.

Von der Präsentation neuer Automodelle bis zur Diskussion ethischer Fragen: Die registrierte mediale Breite des Themas ist groß. Thematisch dominieren wirtschaftliche Aspekte und die menschliche Rolle im autonomen Fahren. Überwiegend positiv wird über innovative Produkte und Projekte berichtet, konsequenter Kritikpunkt sind die noch zu lösenden Probleme für die Sicherheit von Fußgänger*innen. Der Schutz der Schwächsten dient als Maßstab zur Messung des Erfolgs.

Generell wird medial allerdings ein Weg in eine hoffnungsvolle Mobilitätszukunft gewiesen – unter dem Motto: Digital vernetzt, selbstbewusst und zuversichtlich in die Zukunft einer sichereren Mobilität! In diesem Sinne: Auf zu neuen mobilen Horizonten!

Hier der Download-Link zur KFV-Studie:
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