Alleinunfälle von Radfahrenden nehmen deutlich zu

18

Radfahren liegt im Trend – doch mit der steigenden Nutzung wächst auch das Unfallrisiko. Während in den letzten Jahren vor allem Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmenden im Mittelpunkt standen, zeigen aktuelle Analysen: Immer mehr schwere Radunfälle ereignen sich ohne Beteiligung anderer.

Eine neue gemeinsame Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU, Schweiz) und der Unfallforschung der Versicherer (UDV, Deutschland) widmet sich erstmals umfassend dem Thema Alleinunfälle von Radfahrenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Unfälle ohne Gegner: ein unterschätztes Risiko
Die Ergebnisse sind eindeutig: Alleinunfälle haben seit der Jahrtausendwende stark zugenommen. In Österreich ist mittlerweile fast jeder zweite Radverkehrsunfall ein Unfall ohne Unfallgegner*in. Besonders häufig betroffen sind dabei ältere Menschen sowie Nutzer*innen von Pedelecs und E‑Bikes – und die Verletzungen sind oft schwer.

Viele dieser Unfälle scheinen in der amtlichen Statistik nicht auf, da sie nicht polizeilich erfasst werden. Krankenhausdaten weisen jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der Alleinunfälle deutlich höher ist.

Wenn kleine Fehler große Folgen haben
Die Studie macht deutlich: Alleinunfälle entstehen häufig durch eine Kombination aus menschlichem Verhalten und äußeren Rahmenbedingungen. Fahr- und Bremsfehler, nicht angepasste Geschwindigkeit, Unachtsamkeit oder Alkoholkonsum spielen dabei eine Rolle. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Infrastruktur entscheidend dazu beiträgt, ob ein Fehler glimpflich ausgeht – oder es zu einem Sturz kommt.

Besonders häufig als Auslöser für Alleinunfälle genannt werden:

  • rutschige Fahrbahnen, etwa durch Nässe, Laub oder Glätte
  • Randsteine und Übergänge zwischen Fahrbahn und Radweg
  • Straßen‑ und Eisenbahnschienen
  • Unebenheiten oder schlecht gewartete Oberflächen

Auffällig ist: Viele Stürze ereignen sich nicht an Kreuzungen, sondern auf scheinbar harmlosen Streckenabschnitten.

Mehr Sicherheit durch verlässliche Infrastruktur
Ein zentrales Fazit der Studie lautet: Radverkehrsanlagen müssen Fehler verzeihen können. Wo Radfahrende ins Rutschen geraten, mit dem Randstein in Kontakt kommen oder Schienen spitzwinklig queren müssen, steigt das Unfallrisiko deutlich.

Die Autor*innen sprechen sich daher für klare, gut erkennbare und gleichbleibende Führungen des Radverkehrs aus. Ebenso wichtig sind ausreichend Platz, sichere Abstände zu Hindernissen sowie die regelmäßige Wartung und Reinigung der Infrastruktur – insbesondere im Herbst und Winter.

Ergänzend dazu bleibt auch die Bewusstseinsbildung wichtig: Trainings, Information und Sensibilisierung können dazu beitragen, typische Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen und Unfälle zu vermeiden.

Grundlage für mehr Sicherheit im Radverkehr
Die Studie richtet sich an Gemeinden, Städte, Planer*innen und Entscheidungsträger*innen und liefert eine fundierte Basis, um die Sicherheit des Radverkehrs gezielt zu verbessern. Sie zeigt klar: Wer den Radverkehr fördern will, muss auch die Risiken von Alleinunfällen ernst nehmen.

Die vollständige Studie „Alleinunfälle von Radfahrenden – Unfallursachen und Einflüsse der Infrastruktur“ steht hier zum Download zur Verfügung:

PDF – Download