Alkohol, Testosteron und Experimentierfreude erhöhen zu Silvester die Unfallgefahr mit Pyrotechnik

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Das KFV führt jedes Jahr Interviews mit mehreren tausend Opfern von Heim- und Freizeitunfällen in Österreichs Spitälern. Ein gar nicht so kleiner Anteil entfällt auf das Hantieren mit Pyrotechnik. Auch eine bislang zum Teil noch unveröffentlichte Studie des KFV liefert wichtige Erkenntnisse für die Präventivarbeit. Die Verletzten sind fast immer männlich, oft alkoholisiert und zwei Prozent der Befragten haben ihre Feuerwerkskörper sogar gemeinsam mit Kindern selbst gebastelt. Der Fachbereich Eigentumsschutz im KFV hat zahlreiche Fälle dokumentiert und gibt Tipps, wie man Unfälle mit Pyrotechnik zu Silvester vermeidet.   

Wien, 20.12. 2022. Was in Österreich kaum jemand weiß: Allein im Vorjahr hat das KFV im Rahmen der IDB Austria (Injury Database Austria) in Österreichs Krankenhäusern zehntausende Interviews mit Opfern von Heim- und Freizeitunfällen geführt. Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Fachbereichs Eigentumsschutz im KFV erläutert die Hintergründe: „Detaillierte Unfallbeschreibungen geben uns für die Unfallforschung wichtige Angaben zu den betroffenen Personen, den beteiligten Produkten, den Unfallursachen und der Unfallschwere.“

Folgende Gliedmaßen sind am häufigsten betroffen
In den vergangenen zehn Jahren resultierten im Rahmen der IDB Austria rund 1.600 Fälle aus Unfällen mit Pyrotechnik, wobei die Opfer ausschließlich männlich waren – darunter 12 Prozent Kinder von null bis 14 Jahren, 55 Prozent Jugendliche von 15 bis 24 Jahren, 28 Prozent Erwachsene von 25 bis 64 Jahren und 5 Prozent Senioren ab 65 Jahren. Nach verletzten Körperteilen rangieren die Finger mit anteilsmäßig 46 Prozent auf Platz eins, gefolgt von Händen (42%), Unterarme (5%), Unterschenkel (3%), Augenbereiche und andere Gesichtsbereiche (4%).

Kuriose Vorfälle und häufige Fehler
Die den Interviewern geschilderten Unfallhergänge weisen teilweise Parallelen auf, etliche muten aber auch recht außergewöhnlich an: So erzählte beispielsweise ein Betroffener: „Im selben Moment als ich den Böller gezündet habe, hat mich meine Tochter von hinten gerufen, sodass ich vergessen habe den Böller wegzuwerfen“. Die Folge war ein amputierter Finger und Verbrennungen. Ein anderes Mal hatte sich ein Hund durch die lauten Feuerwerkskörper erschrocken und in weiterer Folge seinen Besitzer in die Hand gebissen. Drei verletzte Finger waren die Folge dieses indirekten Pyrotechnik-Vorfalls. Häufiger sind hingegen vermeintliche „Blindgänger“. Beim Versuch diese nochmal zu entzünden, können diese doch noch explodieren. Auch selbst gebastelte Böller oder Zündschnüre der „Marke Eigenbau“ führen nicht selten zu schweren Verletzungen.

Vier von zehn Personen lesen die Gebrauchsanweisungen nicht
An Aktualität gewinnen, könnte in diesem Jahr auch eine KFV-Dunkelfeldstudie zum Thema Pyrotechnik. Die bislang zum Teil noch unveröffentlichten Ergebnisse fließen ebenfalls in die Präventivarbeit ein. Nachdem zu Silvester 2020 Feuerwerke coronabedingt in ganz Österreich komplett untersagt wurden und auch 2021 etliche Städte und Gemeinden Verbote erlassen hatten, rechnet KFV-Experte Dr. Armin Kaltenegger in diesem Jahr wieder mit einem Anstieg der Unfälle: „Besonders erschreckend ist, dass vier von zehn Personen, die Feuerwerkskörper entzünden, die Gebrauchsanweisung nicht lesen. Zudem lassen 17 Prozent der Befragten Kinder entweder dabei mithelfen oder innerhalb von fünf Metern zusehen, wenn sie ihre Feuerwerkskörper entzünden“, erläutert Kaltenegger. Fünf Prozent der Befragten gaben zudem an, Feuerwerkskörper bereits selbst gebastelt zu haben. Bei zwei Prozentpunkten davon durften sogar Kinder mithelfen.

Der Experte appelliert zu Silvester 2022/2023 an die Vernunft der Betroffenen und plädiert für die Einhaltung von grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen.

Das KFV empfiehlt, diese häufigen Fehler zu meiden:

  • Kaufen Sie nur in Österreich zugelassene Produkte mit deutscher Gebrauchsanleitung und lesen Sie diese vollständig durch.
  • Zünden Sie Feuerwerkskörper nie zu nah am eigenen Körper und halten Sie die vorgegebenen Sicherheitsabstände auch zu anderen Personen und Objekten ein.
  • Verwenden Sie nur geeignete Abschussvorrichtungen: Raketen müssen leichtgängig und ohne Widerstand aufsteigen können. Den Stab niemals in den Erdboden und auch nicht in Flaschen stecken.
  • Halten Sie sich von pyrotechnischen Versagern (Blindgängern) fern und informieren Sie auch andere Personen darüber. Versuchen Sie nicht diese neuerlich anzünden.
  • Basteln Sie keine eigenen Knallkörper und experimentieren Sie auch nicht mit gekauften herum.
  • Ersuchen Sie alle Zuschauer das Geschehen nur aus größerer Entfernung zu beobachten.
  • Lagern Sie Raketen bis zur Silvesternacht nicht nur kühl und trocken, sondern auch an einem sicheren Ort, der für Kinder und andere unbefugte Personen nicht zugänglich ist.
  • Bewahren Sie Pyrotechnik niemals in der Kleidung am Körper auf.
  • Entzünden Sie keine Feuerwerkskörper in alkoholisiertem Zustand oder in Anwesenheit von betrunkenen Personen.
  • Halten Sie immer geeignete Löschmittel (Feuerlöscher, Wasser …) bereit.
  • Beachten Sie Verbotszonen! So ist beispielsweise die Verwendung von Feuerwerkskörpern der Kategorie F2 (Vulkane, Raketen, …) im Ortsgebiet grundsätzlich ganzjährig verboten, sofern keine Ausnahmegenehmigung vorliegt. In der Nähe von Spitälern, Tierheimen etc. ist auch außerhalb des Ortsgebiets die Verwendung von Feuerwerkskörpern verboten etc.
  • Achten Sie auf die Altersbeschränkungen und Berechtigungseinschränkungen bei den unterschiedlichen Kategorien: F1 (Knallerbsen, Wunderkerzen, …) sind ab 12 Jahren erlaubt. F2 (Vulkane, Raketen, …) sind ab 16 Jahren erlaubt. F3 (professionelle Feuerwerkskörper mit mittlerer Gefahr) sind nur für Personen ab 18 Jahren mit Pyrotechnik-Ausweis (F3) erlaubt. F4 (professionelle Feuerwerkskörper mit hoher Gefahr) sind nur für Personen ab 18 Jahren mit Pyrotechnik-Ausweis der Kategorie F4 erlaubt

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