Wintersport 4.0: Digitale Gadgets auf der Überholspur

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Neue technische Geräte – sogenannte Gadgets – finden auf Österreichs Skipisten immer häufiger Anwendung. Die Bandbreite reicht von Apps am Smartphone, über Actioncams und GPS-Uhren bis hin zu futuristischen Geräten wie Datenskibrillen und digitalen Skilehrern. Um die Gadget-Nutzung sowie Sicherheitspotenziale und -risiken zu beleuchten, befragte das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) 1.037 Skifahrer und Snowboarder auf Österreichs Skipisten. Experteninterviews ergänzten den Erkenntnisgewinn.

Gadget-Nutzung
Digitale Gadgets erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit auf Österreichs Skipisten. Vier von zehn (41%) Skifahrern bzw. Snowboardern benutzen bereits Gadgets. Dieser Trend wird auch durch die Zuwachsraten bei der Verwendung von Ski-Apps verdeutlicht. Zwischen dem Jahr 2015 (11%) und 2020 (22%) haben sich die Ski-App-Nutzerzahlen verdoppelt. Zu den beliebtesten Gadgets zählen Apps am Smartphone (52%), Helmkameras (28%) und kabellose Kopfhörer (21%). Zukunftstechnologien, wie Datenskibrillen und digitale Skilehrer, finden bislang kaum Anwendung auf Österreichs Skipisten. Die Hälfte der Skifahrer nützt Gadgets um Kilometer, Höhenmeter, Geschwindigkeiten etc. zu tracken – zwei Drittel, um Videos und Fotos zu machen.

Sicherheitspotenzial
Mittels Notfall-Apps können per Knopfdruck die Rettungskräfte alarmiert werden. Das Mitsenden des genauen Standorts und wichtiger Gesundheitsdaten (z.B. Allergien, Medikation) können Bergung und Erstversorgung unterstützen. Zahlreiche Apps bieten zudem die Möglichkeit, aktuelle Informationen abzurufen und sich bezüglich der Sicherheit auf Skipisten weiterzubilden. Laut Claudia Zitt, CEO der App-Entwicklungsfirma Intermaps, bieten Live-Information zur Pistenbeschaffenheit beispielsweise die Chance, zukünftig Unfälle zu vermeiden. Aber auch innovative Navigationstools verbessern die Sicherheit auf den Skipisten. Je nach den individuellen Fähigkeiten leiten diese die Skifahrer und Snowboarder zu geeigneten Pisten, so Dr. Christoph Eisinger, Geschäftsführer von Ski Amadé.

Sicherheitsrisiken
Mehr als jeder zehnte Gadgetnutzer (11%) sieht Ablenkung vom Pistengeschehen als Risiko bei der Gadgetnutzung. Problematisch sind hier lautes Musikhören und das Benutzen von Gadgets während der Fahrt. Zudem kann die Einblendung von Informationen in das Sichtfeld – z.B. bei der Verwendung von Datenskibrillen – zur Ablenkung führen. Das Tracken und Anzeigen der Geschwindigkeit sowie Filmen stehen im Verdacht riskanteres Verhalten zu fördern, z.B. übermäßige Fahrgeschwindigkeit und riskante Sprünge. Um dem entgegenzuwirken, sollte die Geschwindigkeitsanzeige bei höheren Fahrgeschwindigkeiten ausgeblendet und abgesicherte Speed-Strecken, zum Ausleben des Geschwindigkeitsrausches, angeboten werden.

Insgesamt sind die Risiken der Gadgetverwendung beim derzeitigen Nutzerverhalten noch als gering einzustufen. Beinahe Dreiviertel (73%) der Gadget-User sehen die Verwendung von Gadgets als unproblematisch. Nur 4% geben an einmal bei der Verwendung von Gadgets in eine gefährliche Situation gekommen zu sein. Lediglich 3 Personen der 1037 Befragen (<1%) hatten im Kontext der Gadgetnutzung einen Unfall bzw. Sturz.

Sicherheitstipps für den Wintersport 4.0

  • Notfall-Apps stellen im Bedarfsfall direkten Kontakt zu den Rettern her und unterstützen durch das Senden der Standortkoordinaten eine schnelle Bergung.
  • Fit für die Piste: Das beste Fitnessprogramm vor der Skisaison, das richtige Verhalten auf der Piste, die wichtigsten Schritte in einer Notfallsituation: all das kann mittels Apps schnell und einfach abgerufen und erlernt werden.
  • Entscheidungshilfe: Gadgets, die aktuelle Informationen zu Wetter, Schneebedingungen, Lawinensituation etc. unterstützen Nutzer bei der Planung des perfekten Pistentages.
  • Grenzen respektieren: Das Anzeigen, Tracken und Vergleichen der Fahrgeschwindigkeit kann zu einer zu schnellen Fahrweise verleiten.
  • Tempo einhalten: Wer seine Geschwindigkeit testen möchte, sollte dies ausschließlich auf dafür vorgesehenen, speziell abgesicherten Geschwindigkeitsmessstrecken tun.
  • Volle Konzentration auf das Pistengeschehen! Zur Verwendung von Gadgets an einem sicheren Ort stehenbleiben, ohne dabei die anderen Wintersportler zu gefährden.

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