Telefonbetrug: Nur acht Prozent erstatten Anzeige

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Die Meldungen über Telefonbetrug häufen sich. „Hallo, Tante Hermine, rate mal, wer da spricht!“, könnte beispielsweise eine der Fangfragen lauten, wobei man sich auf derartige Ratespiele keinesfalls einlassen sollte. Leichteres Spiel haben Kriminelle auch deshalb, weil noch immer ein Fünftel der über 50-Jährigen mit ihrer privaten Festnetznummer im Telefonbuch steht und fast ein Drittel mit ihrer Handynummer, wie eine Dunkelfeldstudie des Bereichs Eigentumsschutz im KFV zeigt. Manche Vornamen lassen zudem Rückschlüsse auf das Alter zu. Wird jemand Opfer eines Telefonbetrugs bzw. eines Betrugsversuchs, erstatten allerdings nur die wenigsten Anzeige. 

Wien, 24. Jänner 2024. Fast jeder weiß über die Existenz von Telefonbetrug Bescheid, aber trotzdem fallen immer wieder Menschen darauf herein. Nicht zuletzt deshalb, weil die Methoden immer ausgeklügelter werden, wie Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Eigentumsschutz im KFV weiß: „Telefontricks von heute sind oft akribisch inszeniert und psychologisch durchdacht bis ins letzte Detail. Mittels künstlicher Intelligenz können die Stimmen der vermeintlichen Verwandten sogar bereits täuschend echt nachgeahmt werden, sofern diese den Betrügern bekannt sind.“ Aber auch ganz einfache Betrugsmethoden, fallen in allen Gesellschaftsschichten immer wieder auf fruchtbaren Boden.

Rund ein Fünftel der Befragten bekommt Anrufe von unbekannten Nummern

Wie eine Dunkelfeldstudie des KFV zum Thema Telefonbetrug zeigt, bekommt in Österreich ein Fünftel (20%) der Bevölkerung häufig Anrufe von unbekannten oder unterdrückten Rufnummern. Rund 35 Prozent davon heben bei diesen Anrufen zumindest hin und wieder auch ab. Dabei haben 96 Prozent aller Befragten zumindest schon einmal von Telefonbetrügereien gehört. Am bekanntesten sind Pishing-SMS (83%), Ping-Anrufe (82%), Cold-Calls/Cold-SMS (75%) und Pishing-Anrufe (74%). Etwas weniger Bekanntheit genießen Call-Bot-Anrufe (55%), sprich, Anrufe, die mittels spezieller Computerprogramme durchgeführt werden.

Viele Betroffene posten im Internet ihre Erfahrungen

„Scham und Resignation spielen bei den Opfern von Telefonbetrug noch immer eine große Rolle, sodass nur ein Bruchteil der Delikte angezeigt wird“, analysiert Dr. Kaltenegger. Wie die Daten der Dunkelfeldstudie zeigen, setzt eine klare Mehrheit von über 60 Prozent nach dem Entdecken des Telefonbetrugs keine Maßnahmen. Häufigste Reaktion ist, dass der Betrug bzw. Betrugsversuch von den Opfern im Internet öffentlich gemacht wird (16%). Nur acht Prozent der Betroffenen erstatten tatsächlich Anzeige. Elf Prozent wenden sich an Beratungsstellen, fünf Prozent nehmen psychologische Beratung in Anspruch. Manche gehen zwar zur Polizei, erstatten dann aber doch keine Anzeige. Laut KFV-Dunkelfeldstudie haben bereits fast zwei Drittel der Befragten (63%) ein- oder mehrmals Pishing-SMS erhalten. Pishing-Anrufe sind ebenfalls ein weit verbreitetes Phänomen (29%) sowie Ping-Anrufe (21%). Fast die Hälfte der Befragten (47 %) wurde sogar bereits mit Cold-Calls oder Cold-SMS konfrontiert.

Leichteres Spiel haben die Kriminellen auch deshalb, weil insgesamt 22 Prozent der befragten Personen noch mit ihrer privaten Handynummer im Telefonbuch stehen und 13 Prozent mit ihrer privaten Festnetznummer. Bei den über 50-Jährigen sind sogar rund 29 Prozent mit ihrer Handynummer im Telefonbuch zu finden und rund 20 Prozent mit ihrer Festnetznummer. Zudem lassen manche Vornamen im Telefonbuch – wie beispielsweise Hermine oder Johann – Rückschlüsse auf das Alter zu. Den eigenen Namen und die Telefonnummer kann man auch aus dem Telefonbuch streichen lassen, wobei das bei digitalen Verzeichnissen relativ rasch umsetzbar ist. Mit diesem Anliegen wendet man sich am besten an seinen Netzbetreiber. Bei bereits gedruckten Printausgaben sind Änderungen natürlich nicht mehr möglich.

„Scham und Resignation spielen bei den Opfern von Telefonbetrug noch immer eine große Rolle, sodass nur ein Bruchteil der Delikte angezeigt wird“

Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Recht- und Normen im KFV
Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Eigentumsschutz im KFV©KFV

Allgemeine Tipps zur Vermeidung von Telefonbetrug:

  • Hören Sie bei Telefonaten auf Ihr Bauchgefühl und lassen Sie sich zu nichts überreden.
  • Bleiben Sie sachlich und bewahren Sie einen kühlen Kopf – auch wenn Ihnen suggeriert wird, dass am anderen Ende der Leitung scheinbar die Welt untergeht.
  • Halten Sie nach zweifelhaften Anrufen persönliche Rücksprache mit Vertrauenspersonen aus dem Familien- und Freundeskreis.

„Nichten- und Neffentrick“

  • Formulierungen wie „Rat mal, wer da spricht!“oder „Erkennst du mich denn nicht?“ sollten stutzig machen. Lassen Sie sich auf kein Namen-Raten ein! Verlangen Sie, dass die anrufende Person von sich aus ihren Namen nennt! Wenn es sich tatsächlich um eine nahestehende Person handelt, wird diese der Bitte nachkommen.
  • Selbst wenn vermeintliche Verwandte von sich aus ihren Namen nennen und um Geld bitten, ist Vorsicht angebracht. Stellen Sie ihnen eine persönliche Frage, die nur jemand aus dem vertrauten Familienkreis beantworten kann.
  • Wenn Ihr Bauchgefühl „Nein“ sagt, beenden Sie das Gespräch und rufen Sie Ihre Nichte, Ihren Neffen oder sonstigen Verwandten unter der gewohnten Nummer an!

Vorsicht vor falschen Polizisten

  • Auch wenn Sie einen Anruf von einer angeblichen Amtsperson erhalten: Lassen Sie keine fremde Person in Ihr Haus! Sagen Sie, dass für die genannte Sache gerade kein günstiger Zeitpunkt Echte Exekutivbeamte haben Verständnis dafür, Betrüger erhöhen dagegen den Druck, damit Sie in der Leitung bleiben und dem geplanten Verbrechen Tür und Tor öffnen.
  • Falls Sie der anrufenden Person bereits telefonisch Zusagen erteilt haben und danach bei Ihnen Zweifel aufkommen, rufen Sie die Polizei.
  • Übergeben Sie niemals unbekannten Personen Geld oder Wertgegenstände! Die Polizei holt niemals Geld oder Schmuck von Privathaushalten ab.

Datendiebstahl

  • Vorsicht bei WhatsApp-Nachrichten, SMS und E-Mails von unbekannten Absendern. Klicken Sie nicht auf unbekannte Links. Öffnen oder installieren Sie keine unbekannten Dateien und Programme.
  • Wehren Sie Phishing-Anrufe mit einem freundlichen, aber bestimmten „Danke, nein!“ ab und legen Sie so schnell wie möglich auf.
  • Wenn Ihre Tochter oder Ihr Sohn mittels WhatsApp-Nachricht um Geld bittet: Rufen Sie Ihr Kind am besten unter der gewohnten Nummer zurück und checken Sie die Echtheit der Nachrichten.
  • Laden Sie auf Anweisung keine Software herunter, überweisen Sie kein Geld!

Unverlangte Werbeanrufe (Cold Calls)

  • Brechen Sie bei Cold Calls eiskalt das Gespräch ab – Sie haben ein Recht darauf, nicht belästigt zu werden.

Ping-Anrufe

Das Telefon klingelt bei dieser Betrugsmasche nur ganz kurz – und die Rufnummer hat eine ausländische – meist osteuropäische oder afrikanische – Ländervorwahl.

  • Heben Sie bei Anrufen von unbekannten Nummern nicht ab und rufen Sie auch nicht zurück! Ein Rückruf könnte zu einer kostenpflichtigen Hotline führen.
  • Smartphones bieten die Möglichkeit, Anrufe von bestimmten Nummern zu unterdrücken – nutzen Sie diese Option, um sich vor lästigen Anrufen zu schützen!

Für alle Not- und Zweifelsfälle in Sachen Telefonbetrug gilt: Rufen Sie die Polizei unter der Nummer 133 an.