Mountainbike-Boom: Neue Studie zeigt hohe Geschwindigkeiten und Zunahme von Verletzungen

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Trendsport Mountainbiken (c) http://travel-photography.at/

Egal ob auf wurzeligen Trails, ausgeschilderten Forststraßen oder in Bike-Parks: Mountainbiken boomt in allen Bereichen. Der Trend dieser temporeichen Sportart führt jedoch unweigerlich zu wachsenden Unfallzahlen. 2021 wurden erstmals mehr als 9.000 verletzte Mountainbiker*innen verzeichnet. Eine aktuelle Studie des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und des ÖKAS (Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit) bietet Einblick in das Nutzungsverhalten und Unfallgeschehen – eine wichtige Basis für eine erfolgreiche Präventionsarbeit.

Im langjährigen Mittel verletzten sich rund 6.500 Mountainbiker*innen pro Jahr so schwer, dass sie im Spital behandelt werden mussten (KFV, IDB 2015-2020). Die Unfallzahlen sind in den letzten Jahren jedoch stark gestiegen. So verzeichnete das KFV im Jahr 2021 erstmals mehr als 9.000 verletzte Mountainbiker*innen (KFV, IDB 2021). Etwa zehn Prozent der Unfälle werden von der Alpinpolizei erfasst, meist bei besonders schweren Verletzungen, beim Absetzen eines Alpinnotrufs oder tödlichem Ausgang. Auch in der Alpinunfallstatistik spiegelt sich der Mountainbike-Trend wider: Seit 2015 haben sich die Verletzungszahlen mehr als verdoppelt. Während durchschnittlich sieben Personen beim Mountainbiken ums Leben kommen, waren es vergangenes Jahr schon 16 (ÖKAS/BMI, 2015-2021). Die allermeisten Unfälle geschehen bei der Abfahrt (96%). Obwohl laut der aktuellen Studie des KFV und ÖKAS (2021) nur 14 Prozent der Biker*innen angeben, Bike-Parks regelmäßig zu nutzen, ist rund ein Drittel der Unfälle (32%) diesem Bereich zuzurechnen. Die Schulter ist beim Biken am häufigsten von Verletzungen betroffen.

Männer mit Downhill-Fokus verunfallen häufiger
Mountainbiken ist mit einem Männeranteil von 77 Prozent immer noch Männerdomäne. Das spiegelt sich auch in den Unfallzahlen wider: 78% der Verletzten sind Männer. Bei tödlichen Unfällen sind es sogar 98 Prozent (unter den, seit 2015, 42 tödlich verunglückten Biker*innen ist nur eine Frau). Die Studienergebnisse zeigen, dass Personen mit stärkerem Fokus auf Downhill, Thrill und Action häufiger verunfallen. Bzgl. der Unfallursache gibt rund die Hälfte (54%) der Biker*innen an, Fehleinschätzungen bzw. Fahrfehler gemacht zu haben (z. B. zu starkes Bremsen). Unerwartete Bodenbeschaffenheiten (z. B. Löcher oder Äste) verursachen ein Viertel (24%) aller Unfälle.

Hohe Spitzengeschwindigkeiten auf Forststraßen – Männer schneller unterwegs
Messungen mit Seitenradargeräten zeigten, dass durchschnittlich gesehen Biker*innen mit 29 km/h am schnellsten in Bike-Parks unterwegs sind (Trails: ø 24 km/h, Fahr-/Forstwege: ø 26 km/h). Mit bis zu 70 km/h wurden die höchsten Geschwindigkeiten jedoch auf Fahr- und Forstwegen gemessen – vermutlich lädt die Breite und Geradlinigkeit der Wege zum Schnellfahren ein. Auf den meist selektiveren Trails sind die Geschwindigkeiten niedriger (ø 24 km/h, max. 37 km/h). Während 39% der Männer 30 km/h oder mehr beim Abfahren erreichen, sind es bei den Frauen nur 14%.

Mehr Schutzausrüstung in Bikeparks
Im Rahmen einer Beobachtungsstudie von 662 Mountainbiker*innen zeigte sich eine sehr hohe Helmtragequote von 95 Prozent, was ein allgemeines Gefahrenbewusstsein beim Biken indiziert. Dass Bike-Parks mit vielen Sprüngen und Steilkurven höheres Risiko bergen, lässt sich auch am Tragen von Schutzausrüstung beobachten. Denn dort werden häufiger und vor allem mehr Protektoren als auf Fahr/-Forstwegen und Trails getragen. Dies gilt insbesondere für Knieschützer (79%), Vollvisierhelme (Helme mit Kinnbügel, 70%), Ellbogenschützer (47%) und Rücken- oder Rumpfprotektoren (45%). Auf Forstwegen und Trails tragen außer einem Helm nur wenige Schutzausrüstung (Knieschützer 15%, Vollvisierhelme 2%, Ellbogenschützer 4%).

E-Antrieb boomt auch beim Mountainbiken – ABS ist noch Randthema
Mittlerweile ist ca. jede*r Fünfte mit einem E-Mountainbike unterwegs. 2020 wurden laut dem VSSÖ (Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs, 2020) in Österreich bereits 92.895 E-Mountainbikes verkauft – ein neuer Rekord (+30% seit 2017). Durch den E-Bike-Boom ist der Anteil an E-MTB-Unfällen in den letzten Jahren (2015-2020) von ein auf elf Prozent gestiegen. Auch wenn bereits einige Hersteller ABS-Bremssysteme für E-MTBs anbieten, werden diese nur sehr selten verwendet (>1%).

Präventionstipps:

  • Solide Tourenplanung! Schwierigkeit der Tour an Fitness und Können anpassen. Wertvolle Hilfsmittel dafür sind (digitale) Fachliteratur und Kartenmaterial sowie diverse Navigation-Apps. Zeitdruck vermeiden und Intensität und Schwierigkeit der Touren nur langsam steigern.
  • Bike-Check! Das Bike regelmäßig warten und einmal jährlich in einer Fachwerkstätte überprüfen lassen. Auf das Körpergewicht abgestimmte Dämpfer und ein auf den Untergrund angepasster Reifendruck bieten mehr Kontrolle.
  • Passende Schutzausrüstung verwenden! Helm, Sportbrille, Handschuhe, Knie- und Ellbogenschützer sollten beim Biken immer getragen werden. Bei anspruchsvollen Abfahrten bieten Rumpfprotektor und Vollvisierhelm zusätzlichen Schutz. Mit bunter Kleidung, Reflektoren und Klingel/Hupe auf sich aufmerksam machen.
  • Tempo kontrollieren! Geschwindigkeit der jeweiligen Situation anpassen. Stets aufmerksam und bremsbereit fahren, da jederzeit mit unerwarteten Hindernissen zu rechnen ist.
  • Fahrtechnik verbessernKursangebot nutzen! Dosiertes Bremsen, die richtige Abfahrtsposition, sicheres Kurvenfahren sowie kontrollierte Sprünge: All das lässt sich in MTB-Fahrtechnikkursen lernen, z. B. bei den alpinen Vereinen und Bike-Akademien.
  • Für den Notfall bereit sein – besonders wenn man allein unterwegs ist! Die geplante Tour Angehörigen mitteilen. Mit einem vollen Handyakku starten, um im Ernstfall einen Notruf absetzen zu können (140 alpiner Notruf Österreich, 112 Euro-Notruf). Mit Notruf-Apps (z. B. SOS EU-Alp) lassen sich Standort und Gesundheitsdaten auf einfache Weise an die Rettungskräfte senden.
  • Rücksichtnahme auf Natur, Mensch und Tier! Nur für das Mountainbiken vorgesehene Wege benützen. Auf andere Wegnutzer*innen Acht geben. Beschilderung und Verhaltensregeln beachten (z. B. Wegsperren, Schutzzonen).