Kreisverkehr: Mehr als ein Drittel der Lenkenden blinkt nicht

48

Jährlich ereignen sich auf Kreisverkehrsanlagen etwa 600 Unfälle mit Personenschaden. Damit sind Kreisverkehre zwar wesentlich sicherer als andere Kreuzungsformen – und doch hat sich die Zahl der Kreisverkehrsunfälle seit 2013 nahezu verdoppelt. Um den Ursachen dafür auf den Grund zu gehen, hat das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) rund 3.300 Fahrzeuge beobachtet. Das Ergebnis: Mehr als ein Drittel der Lenkenden verzichtet beim Verlassen des Kreisels auf das Blinken.

Wien, 28. Juli 2022. Jahr für Jahr werden auf Österreichs Straßen anstelle von regulären Kreuzungen immer mehr Kreisverkehrsanlagen errichtet. Der Grund: Sie gelten als sicherer und leistungsfähiger als andere Verkehrsknotenpunkte. Nach einer Stagnation in den Jahren 2013 bis 2017 (etwa 300 Unfällen mit Personenschaden pro Jahr), ist die Zahl der Kreisverkehrsunfälle in Österreich seit 2017 mit etwa 600 Unfällen pro Jahr wieder deutlich im Steigen begriffen – das entspricht etwas mehr als 6 Prozent aller Kreuzungsunfälle. „Dennoch ist das Unfallrisiko an Kreisverkehren deutlich geringer, was vor allem an der geringeren Anzahl an Überschneidungspunkten der Verkehrsteilnehmenden liegt, aber auch am verringerten Geschwindigkeitsniveau“, erklärt Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV.

KFV-Beobachtung zeigt: Nicht- und Spätblinkende erhöhen das Konfliktpotenzial
Um feststellen zu können, mit welchen potenziell unfallverursachenden Risiken Verkehrsteilnehmende in Kreisverkehrsanlagen konfrontiert sind, hat das KFV von Februar bis April 2022 eine Beobachtung von rund 3.300 Fahrzeugen in den Regionen West, Mitte und Ost durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass etwa 39 Prozent der Lenkenden beim Verlassen des Kreisverkehrs nicht blinken, weitere 4 Prozent blinken zu spät. Frauen sind der Beobachtung zufolge etwas „blinkfauler“ als Männer: Rund 46 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer betätigen den Blinker nicht bzw. zu spät. Fehlendes bzw. zu spätes Blinken beeinflusst den Verkehr in zweierlei Hinsicht: Da einfahrende Verkehrsteilnehmende erst sehr spät erkennen, ob ein konkretes Fahrzeug den Kreisverkehr verlässt oder nicht, können Lücken zwischen Fahrzeugen nicht optimal genutzt werden. Einerseits sorgen Spät- bzw. Nichtblinkende somit für eine geringere Leistungsfähigkeit des Kreisverkehrs. Vor allem erhöht sich dadurch aber auch das Konfliktpotenzial: Im Rahmen der KFV-Beobachtung wurden bei knapp 3 Prozent der Beobachtungen Konfliktsituationen registriert.

Junge, einspurige Verkehrsteilnehmende besonders gefährdet
Gefährdet sind im Kreisverkehr vor allem junge, einspurige Verkehrsteilnehmende: Der Anteil der verunglückten Jugendlichen ist im Kreisverkehr bedeutend höher als bei anderen Kreuzungstypen. Durchschnittlich ein Viertel aller im Kreisverkehr verunglückten Personen ist nicht älter als 19 Jahre, mehr als 70 Prozent davon sind zum Unfallzeitpunkt mit dem Moped unterwegs. Doch auch andere einspurige Verkehrsteilnehmende sind in Kreisverkehrsanlagen besonders häufig in Unfälle verwickelt. „Das liegt unter anderem darin begründet, dass Moped- und Motorradfahrende kleinere Kreisverkehre nahezu gerade durchfahren können und zudem die Geschwindigkeit weniger reduzieren müssen als Lenkende mehrspuriger Fahrzeuge“, so Robatsch.

Tipps für das richtige Verhalten im Kreisverkehr:

  • Beim Einfahren in den Kreisverkehr wird nicht geblinkt, beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr ist das Blinken dafür umso wichtiger.
  • In Österreich wird der Kreisverkehr gemäß § 2 StVO wie eine normale Kreuzung behandelt. Allerdings wird bei fast jedem Kreisverkehr der an sich bestehende Rechtsvorrang durch eine entsprechende Beschilderung – Verkehrszeichen „Vorrang geben“ – aufgehoben. Wer in den Kreisverkehr einfährt, muss also warten.
  • Eine Empfehlung für das Verhalten im Kreisverkehr ist die Rechtsfahrordnung. Wenn es sich um einen Kreisverkehr mit mehreren Spuren handelt, müssen jene Verkehrsteilnehmenden, die innen fahren, rechtzeitig blinken.

Presseaussendung pdf.