Größere Geschwindigkeitsunterschiede, längerer Bremsweg und weiterer Kurvenradius – das E-Bike stellt die Verkehrsplanung und die Verkehrssicherheit vor neue Herausforderungen.

Wien, 10. April 2020. Radfahren boomt – und das nicht erst seit der anhaltenden Corona-Krise, in der viele Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel meiden und stattdessen auf das Rad ausweichen. Gerade E-Fahrräder erfreuen sich sowohl im Alltags- als auch im Freizeitverkehr immer größerer Beliebtheit. Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) hat deshalb das spezifische Fahrverhalten verschiedener Fahrradtypen näher unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Der Radverkehr wird durch den steigenden Anteil an Pedelecs nicht nur schneller, sondern auch inhomogener. Mit dem Pedelec wurden auf freier Strecke im Zuge der KFV-Erhebung häufig Geschwindigkeiten um die 25 km/h erreicht. Überschritten wurde die 25-km/h-Marke – aufgrund der limitierten Tretkraftunterstützung – jedoch kaum. Bei den höher motorisierten S‑Pedelecs hingegen näherten sich die gefahrenen Geschwindigkeiten auf freier Strecke eher den 30 km/h. Im Vergleich dazu: mit konventionellen Fahrrädern werden auf freien Strecken Geschwindigkeiten von rund 20 km/h gefahren. „Diese neue Vielfalt an Tempolevels im Radverkehr bringt auch neue Herausforderungen für die Verkehrsplanung mit sich: Denn ein höheres Geschwindigkeitsniveau von Radfahrern bedeutet auch eine geringere Kompatibilität mit dem Fußgängerverkehr. Grundsätzlich sollte daher der Radverkehr nach Möglichkeit getrennt vom Fußgängerverkehr geführt werden“, betont Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV. „Durch das höhere Geschwindigkeitsniveau von E-Fahrrädern ist auch das Risiko, bei einem Unfall verletzt zu werden, deutlich höher. Deshalb gilt gerade auch beim E-Bike: Helm tragen schützt!“

Risiken von E-Fahrrädern im Vergleich zu herkömmlichen Fahrrädern

  • Geschwindigkeit: Wie die Geschwindigkeitsmessungen zeigen, ist die Durchschnittsgeschwindigkeit von Pedelecs um 3,4 km/h höher als bei herkömmlichen Fahrrädern. Durch das höhere Geschwindigkeitsniveau von E-Fahrrädern ist auch das Risiko, bei einem Unfall verletzt zu werden, deutlich höher. Die zunehmende Inhomogenität der Geschwindigkeiten auf Radfahranlagen führt zudem zu einer höheren Unfallwahrscheinlichkeit.
  • Infrastruktur: Die Radfahranlagen sind für herkömmliche Räder dimensioniert. Im Vergleich dazu sind für E-Fahrräder aber erweiterte Infrastrukturvoraussetzungen zu berücksichtigen (z.B. größere Sichtweiten im Kreuzungsbereich, breitere Radfahranlagen für Überholvorgänge, etc.), um eine größere Sicherheit zu gewährleisten.
  • Nutzergruppe: E-Fahrräder werden häufig von älteren Verkehrsteilnehmern benutzt. Bei diesen ist aufgrund der körperlichen Voraussetzungen das Risiko für eine höhere Verletzungsschwere größer als bei jüngeren Radfahrern.
  • Handling: E-Fahrräder sind schwerer als normale Fahrräder und sind dadurch im Handling oft etwas gewohnheitsbedürftig.
  • Gelegenheitsnutzung: E-Fahrräder werden für Erkundungs- und Ausflugsfahrten häufiger von eher ungeübten Personen verwendet.

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