KFV warnt vor Fensterstürzen bei Kindern: Mit den milden Temperaturen steigt das Risiko erheblich

12

Mit dem frühlinghaften Wetter beginnt in vielen Haushalten die Zeit der offenen Fenster. Nach kaltem Winter wird nun frische, warme Luft reingelassen und deutlich mehr gelüftet als in den kalten Monaten. Dabei wird die Gefahr, eines Fenstersturzes gerade bei Kleinkindern oft unterschätzt. Besonders trügerisch: Insektengitter. Sie tragen das Gewicht von Kindern nicht, reißen schon bei der geringsten Belastung und bieten somit keinen Schutz. Insektengitter waren in 17 Prozent aller Fenstersturzfälle montiert (2016-2025). Und gerade im März sind Fensterstürze häufig (auch im Jahr 2025). Das  KFV ruft gemeinsam mit dem Familienunternehmen Internorm zur besonderen Vorsicht auf. 

Wien, 10.3.2026. Die Statistik der Fensterstürze von Kindern im Zeitraum von 2016 bis 2025 zeigt ein eindeutiges saisonales Muster: Drei Viertel der Unfälle passieren gerade im Frühling und Sommer. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, da sie von Natur aus neugierig sind, rasch klettern und Gefahren noch nicht einschätzen können. Doch auch ältere Kinder sind nicht sicher. Bereits kurze unbeaufsichtigte Momente z.B. das Kind im Raum bei Haushaltstätigkeiten alleine zu lassen können ausreichen, damit ein Kind auf eine Fensterbank gelangt und abstürzt.

„Eine konsequente Sicherung von Fenstern in Haushalten mit Kindern und die Kinder wirklich nie alleine in einem Raum mit geöffneten Fenstern zu lassen sind die zentralen Maßnahmen der Unfallprävention. Auswertungen von APA-Medienberichten aus den Jahren 2016 bis 2025 zeigen, dass derartige Vorfälle dennoch regelmäßig auftreten und häufig gravierende Folgen haben. Viele der betroffenen Kinder erleiden schwere Verletzungen, insbesondere Kopfverletzungen oder Polytraumata. Immer wieder Enden Unfälle tödlich“, erklärt Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV. In der analysierten Fallserie starben mehrere Kinder nach Stürzen aus Fenstern, teilweise aus großer Höhe. Selbst wenn einzelne Kinder mit Glück nur leichte Verletzungen davontragen, bleibt das Risiko für schwere oder tödliche Verletzungen insgesamt hoch.

Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV
Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV

Eine konsequente Sicherung von Fenstern in Haushalten mit Kindern und die Kinder wirklich nie alleine in einem Raum mit geöffneten Fenstern zu lassen sind die zentralen Maßnahmen der Unfallprävention.

Alter schützt nicht vor dem Unfall

Während Eltern bei Kleinkindern noch sehr wachsam sind, wiegen sie sich mit dem steigenden Alter des Kindes in falscher Sicherheit. Obwohl die Mehrheit der betroffenen Kinder zwischen ein und vier Jahren alt ist (rund 70%), war der tödlich verunfallte Bub im vorigen Jahr bereits sieben. Die Altersspanne der Unfälle beträgt 1 bis 13 Jahre, wobei in den letzten zehn Jahren am häufigsten Zweijährige betroffen waren (knapp 25%), gefolgt von Einjährigen (knapp 19%). Bei der breiten Altersspanne der Betroffenen ist neben der Fenstersicherung und der ständigen Aufsicht auch die Sensibilisierung der Kinder für dieses Thema besonders wichtig. „Man kann schon im frühen Alter den Kindern bewusst machen, dass sie sich immer, unabhängig vom Alter, von einem offenen Fenster fernhalten sollen und besonders wichtig: dass das Insektengitter vor dem Fenstersturz nicht schützt. Denn in 17 Prozent der Unfälle war ein Insektengitter beteiligt. Doch trotz dieser Sensibilisierung, die vor allem bei älteren Kindern zur mehr Sicherheit beitragen kann, bleibt die ununterbrochene Aufsicht während des Lüftens die einzige wirklich sichere Variante.“, so Dr. Trauner-Karner. 

Über 100 Fensterstürze in zehn Jahren

Schaut man sich die aktuellen Auswertungen der APA-Medienberichte zu den Fensterstürzen über die letzten 10 Jahre (2016-2025) an, erkennt man klare Muster: 75 Prozent aller Fensterstürze ereignen sich zwischen April und August. Dennoch haben wir heuer bereits im Januar den ersten Fenstersturz verzeichnet. Betroffen war ein sechsjähriger Bub, der aus dem 1. Stock stürzte. Zum Glück kam er mit leichten Verletzungen davon.

Foto von Vladislav Bychkov via Unsplash

Fensterstürze passieren überwiegend in Wohnungen, häufig in Mehrparteienhäusern. Viele Stürze erfolgen aus dem 1. bis 3. Stock, vereinzelt auch aus deutlich größeren Höhen (bis über zehn Meter). Typische Unfallsituationen sind das Klettern über die Möbelstücke auf die Fensterbank, das Nachgeben der Fliegengitter, und oft werden die Fenster auch von den Kindern selbst geöffnet. „Einfache Maßnahmen wie Fenstersicherungen können Leben retten. Wenn Kinder im Haushalt leben, sollten versperrbare Fenstergriffe ein Standard sein. Diese können jederzeit nachgerüstet werden. Kombiniert mit der Kipp-Vor-Dreh-Funktion lassen sich Fenster und Balkontüren ganz einfach zum Lüften kippen, können aber nur mit dem Schlüssel komplett geöffnet werden.“, erklärt Miteigentümer Christian Klinger von Internorm und appelliert dabei an alle Eltern und Erziehungsberechtigte, bei der Produktqualität nicht zu sparen, denn nur so lässt sich eine fehlerfreie Funktionsfähigkeit gewährleisten.

Neben der guten Sicherung rät Dr. Trauner-Karner keine Möbel vor den Fenstern zu platzieren und die Gefahren immer im Kopf zu behalten: “Besondere Vorsicht gilt beim Lüften. Ein unerwarteter Anruf, Klingeln an der Tür oder ein Kochtopf auf dem Herd können uns für wenige Sekunden ablenken, doch bereits dieser kurze Moment ohne Aufsicht reicht für einen Unfall aus. Deshalb ist es ratsam, das Kind immer mitzunehmen, wenn man den gelüfteten Raum verlässt. Alternativ schließt man das Fenster lieber, wenn die ununterbrochene Aufsicht nicht garantiert werden kann. Denn im vorigen Jahr waren im Haushalt noch weitere Personen anwesend, als der Unfall passiert ist. „Neben den offenen Fenstern sind auch Balkone ein Risikofaktor. In den letzten 10 Jahren kamen zu den 102 Fensterstürzen noch 19 Stürze von Balkonen dazu – 63 Prozent davon bei Kindern unter 5 Jahren. Deshalb ist es ratsam neben den Fenstern auch Balkontüre zu versperren.

Presseaussendung .pdf