A wie Aufmerksamkeit: Schärfen wir unsere Blicke für Biker!

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Ob beim Überholmanöver im Freiland oder beim Fahrstreifenwechsel in der Innenstadt: Das Risiko der schmalen Silhouette bedeutet für Motorradfahrer erhöhte Gefahr.

DI Klaus Robatsch: “Motorradfahrer werden viel zu oft viel zu spät wahrgenommen.” Foto: KFV

Motorradfahren ist wieder in Mode – besonders seit Beginn des jungen Jahrtausends. Vor allem das Easy-Rider-Revival der Generation 40 plus schuf einen starken Trend in Sachen Motorradkauf und -nutzung. Für den Weg zur Arbeit, aber auch für Freizeitausfahrten. Mit ebenso starkem Niederschlag in der Unfallstatistik: In den letzten 30 Jahren hat sich der jährliche Anteil der tödlich verunglückten Motorradfahrer an den Gesamtzahlen der Verkehrstodesopfer in Österreich fast verdoppelt. Doch nicht nur im Freiland, auch im Ortsgebiet kommt es zu Kollisionen. Der Biker größte Gefahr: Sie sind quasi unsichtbar.

Verdeckt, maskiert, verschwunden
Analysen zeigen: Zusammenstöße mit Motorrädern sind oft die fatalen Folgen von Vorrangverletzungen und Unachtsamkeit. Hauptunfallverursacher sind in den meisten Fällen nicht Motorrad-, sondern Pkw-LenkerInnen. Eines der verhängnisvollen Hauptprobleme: die mangelnde Wahrnehmbarkeit von Motorrädern. Einspurige werden aufgrund ihrer schmalen Silhouette oft zu spät erkannt, von größeren Kraftfahrzeugen verdeckt oder optisch überlagert – Stichwort „Maskierungseffekt“ –, verschwinden allzu leicht in toten Winkeln und sind insgesamt seltener auf der Straße präsent als Autos. Der durchschnittliche Verkehrsteilnehmer erwartet ihr Auftauchen daher nicht bewusst – sie werden viel zu oft viel zu spät wahrgenommen.

A wie Aufmerksamkeit
Eine KFV-Simulatorstudie untersuchte das unterschiedliche Fahr- und Blickverhalten von Pkw-Lenkern im direkten Vergleich zu Lenkern, die sowohl A- als auch B-Führerschein besitzen. Die Resultate des Virtual-Reality-Checks lassen erkennen: LenkerInnen mit A- und B-Lizenz nutzten ein breiteres vertikales Sichtfeld während der Fahrt durch den simulierten Straßenverkehr, ihr Blickverhalten war umfassender und wachsamer. In Wartephasen an Kreuzungen blickten erfahrene LenkerInnen tendenziell häufiger und länger auf andere Verkehrsteilnehmer als Pkw-LenkerInnen ohne zusätzliche A-Lizenz, die ihren Blick in der Fahrtpause zumeist ins Cockpit versenkten. Fazit: Wer Auto und Motorrad fährt, denkt auf der Straße für Zwei- und Einspurige, in Sachen Sicherheit also mehrdimensional.

Erfolgsrezept Rücksichtnahme
Neben verkehrstechnischen Maßnahmen wie der systematischen Entschärfung von Unfallhäufungsstellen und verbesserter Linienführung und Übersichtlichkeit bei der Gestaltung von Kreuzungen bedarf es auch intensivierter Bewusstseinsbildung – bereits in der Zeit des Führerscheinerwerbs, für SchülerInnen aller Fahrzeugklassen. Für ein geschärftes Gefahrenbewusstsein und erhöhte Vorsicht, vor allem beim Fahrstreifenwechsel, Überholen und Abbiegen. Das Erfolgsrezept Rücksichtnahme muss gelebte Realität werden: Mehr Achtsamkeit gegenüber Einspurigen ist angesagt!

Drei goldene Biker-Regeln: Sichtbarkeit, Voraussicht & Wachsamkeit

  1. Machen Sie sich sichtbar! 
  • Checken Sie vor jeder Ausfahrt die Funktion Ihrer Lichtanlage und erhöhen Sie Ihre Sichtbarkeit durch kontrastreiche Schutzkleidung und Reflektoren auf Helm und Outfit!
  • Halten Sie ausreichend Abstand zu anderen Fahrzeugen, besonders zu Bussen und Lkw. Achten Sie darauf, nicht unmittelbar neben den Giganten der Straße oder in toten Winkeln anderer Fahrzeuge übersehen zu werden!
  • Fahren Sie stets in deutlich sichtbarer Spur, behaupten Sie sich auf Ihrem Fahrstreifen!
  1. Fahren Sie vorausschauend und wählen Sie eine angepasste Geschwindigkeit!
  • Wählen Sie einen vorausschauenden, regelkonformen, defensiven Fahrstil!
  • Wählen Sie eine den Straßen- und Witterungsverhältnissen angepasste Geschwindigkeit!
  • Denken Sie für andere Straßenbenutzer mit: Der Postautobus könnte stets um die nächste Kurve kommen, rauben Sie ihm nicht seine Spur!
  • Rechnen Sie jederzeit mit möglichem Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer!
  1. Volle Konzentration voraus!
  • Steigen Sie nur gut ausgeruht in den Sattel!
  • Lassen Sie keinerlei Ablenkung zu: Konzentrieren Sie sich zu 100 % auf die Straße!
  • Planen Sie längere Routen im Voraus und verwenden Sie Ihr Navi nur im Helmlautsprecher-Modus.