Fußball zählt nach wie vor zur beliebtesten Sportart Österreichs. Die KFV-Exposure 2021 zeigt, dass Fußball weit über den organisierten Wettkampfbereich hinaus ausgeübt wird: In Österreich wurden rund 1,7 Mio. Fußballausübende ab 6 Jahren erfasst; davon 1,2 Mio. Männer und 430.000 Frauen. Gleichzeitig zählt Fußball zu jenen Sportarten mit dem höchsten jährlichen Ausübungsumfang (100 Stunden pro Jahr pro Person).
Fußball verbindet Generationen, Regionen und soziale Milieus, stiftet Gemeinschaft, schafft Identifikation und eröffnet insbesondere Kindern und Jugendlichen einen niedrigschwelligen Zugang zu Bewegung, Vereinsleben und Leistungskultur. Gerade diese Breite ist als große Stärke des Fußballs zu verstehen.
Wo viele Menschen spielen, trainieren, betreuen und begleiten, entstehen jedoch auch erhöhte Anforderungen an Sicherheit, Prävention und Aufklärung. Denn jedes Jahr verletzen sich rund 33.000 Personen so schwer, dass sie im Spital behandelt werden müssen. Etwa 7.000 dieser Unfälle ereignen sich in der Halle.
KFV-Engagement für FUTSAL-Fortbildungen
Zur Stärkung der Präventionskompetenz im Hallenfußball werden seit mehreren Jahren FUTSAL-Fortbildungen für Lehrpersonen und weitere Multiplikator*innen durch das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) unterstützt. Im Rahmen dieser Maßnahmen werden FUTSAL-Bälle zur Verfügung gestellt und begleitende Informationsmaterialien bereitgestellt, um sicherheitsrelevante Inhalte systematisch in Unterricht, Training und Vereinsarbeit zu verankern.
Was ist FUTSAL?
FUTSAL ist die international standardisierte Hallenfußball-Variante, die im Regelfall mit fünf Spieler*innen pro Team, einem sprungreduzierten Ball und einem hohen Anteil an flachem Pass- und Kombinationsspiel ausgetragen wird. Die Regelwerke definieren u. a. Spielfeldgröße, Wechselmodalitäten und Spielfortsetzungen und schaffen damit einen klar strukturierten Rahmen für Training und Wettkampf.
Warum FUTSAL aus Präventionssicht relevant ist
Hallenbedingungen sind durch harte Untergründe, begrenzte Ausweichräume und eine hohe Spieldichte gekennzeichnet, wodurch Kollisionen, Stürze sowie akute Belastungsspitzen begünstigt werden können. In diesem Kontext wird bei FUTSAL eine Spielform gefördert, in der Ballkontrolle, Antizipation, schnelle Entscheidungsprozesse und ein flacher Spielaufbau dominieren. Damit werden technische und kognitive Kompetenzen gestärkt, die als zentrale Ansatzpunkte der Verletzungsprävention gelten. Ergänzend kann durch strukturierte Fortbildungen die Qualität von Aufwärmprogrammen, Belastungssteuerung und Regelwissen erhöht werden, wodurch eine Reduktion vermeidbarer Risikokonstellationen unterstützt werden kann.
Kopfverletzungen und Gehirnerschütterungen im Fokus
Kopfverletzungen und insbesondere Gehirnerschütterungen werden im Fußball als sicherheitsrelevanter Schwerpunkt eingestuft. In einer KFV-Dunkelfeldstudie wurde berichtet, dass 30 % der befragten Spieler*innen im organisierten Fußball mutmaßlich eine Gehirnerschütterung erlitten hatten, was deutlich über den in Routinedaten abgebildeten Anteilen liegt. Gleichzeitig wurde in derselben Veröffentlichung hervorgehoben, dass Kopfballsituationen und Zweikämpfe von Fußballspielenden als besonders risikoreich eingeschätzt wurden.
Vor diesem Hintergrund wird FUTSAL als ergänzender Präventionsansatz relevant, da der Ball in der Praxis häufig am Boden geführt wird und kopfballtypische Duellsituationen im Vergleich zum Feldfußball seltener auftreten. Dadurch kann ein Expositionspfad reduziert werden, der in Expert*innen- und Spieler*innenangaben wiederholt mit Kopfkollisionen und Gehirnerschütterungsrisiken in Verbindung gebracht wurde.
Einbettung in die aktuelle KFV-Forschungs- und Präventionsarbeit
Die laufenden KFV-Aktivitäten zum Thema Gehirnerschütterungen im Fußball zielen auf verbesserte Aufklärung, eine präzisere Erfassung sowie auf praxistaugliche Management- und Präventionsmaßnahmen ab. Die Förderung von FUTSAL kann in diesem Zusammenhang als Teil eines Maßnahmenbündels eingeordnet werden, das auf die Reduktion relevanter Risikokonstellationen im Hallenbereich und auf die Stärkung sicherheitsbezogener Kompetenzen in Ausbildung und Praxis abzielt.






