Täglich bis zu 8 Verbrühungsunfälle im Winter – Hochrisikozeit für thermische Verletzungen bei Kindern

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Eine Tasse Tee, ein kochender Topf Suppe am Herd oder eine heiße Dusche: Besonders in den kalten Wintermonaten sind heiße Flüssigkeiten allgegenwärtig. Für Kinder können sie jedoch gefährlich werden: Jährlich müssen in Österreich mehr als 2000 Kinder aufgrund von thermischen Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden – die meisten aufgrund von Verbrühungen, versuracht durch heiße Flüssigkeiten. Anlässlich des „Tag des brandverletzten Kindes“ am 7. Dezember erinnert das KFV an die Gefahren dieser Unfälle bei Kindern.

Wien, 04. Dezember 2020. Mit der Vorweihnachtszeit beginnt auch die Zeit der Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle von Kindern: Sie zählen nach Knochenbrüchen, offenen Wunden und Prellungen zu den häufigsten im Krankenhaus behandelten Verletzungen von Kindern: Mehr als 2000 Kinder müssen in Österreich Jahr für Jahr wegen Verbrennungen oder Verbrühungen im Krankenhaus behandelt werden. Besonders gefährdet sind Kleinkinder unter vier Jahren. Die kalten Wintermonate sind dabei eine Hochrisikozeit: Bis Ende Jänner ist in Österreich täglich mit durchschnittlich 8 Verbrennungs- und Verbrühungsunfällen bei Kindern zu rechnen.

Brandgefährlich – warum?
Kinderhaut ist deutlich dünner als die Haut von Erwachsenen, weshalb Verbrühungen und Verbrennungen oft schwerwiegende Folgen haben. „Besonders die Gefährlichkeit heißer Flüssigkeiten wird von Erwachsenen häufig unterschätzt: Sie sind für mehr als 60 Prozent aller spitalbehandelten Verbrennungen und Verbrühungen von Kindern ursächlich“, so Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. „Trifft eine heiße Flüssigkeit mit 65 Grad Celsius eine halbe Sekunde auf die Haut eines Kindes, kann sie bereits Verbrennungen dritten Grades verursachen. Der Inhalt einer einzelnen Tasse heißen Tees reicht aus, um eine Verbrühung von rund 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kleinkindes zu verursachen“, warnt Brandverletzungsexperte Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am LKH-Univ. Klinikum Graz. Das ist besonders dramatisch bedenkt man, dass für Kleinkinder Verletzungen in diesem Ausmaß bereits tödlich sein könnten.

Schnelle Hilfe entscheidend
Die meisten Unfälle mit Verbrühungen und Verbrennungen könnten durch schnelle Handgriffe und Vorsichtsmaßnahmen vermieden werden. Sollte es trotz aller getroffenen Sicherheitsvorkehrungen dennoch einmal zu einem Unfall kommen, ist rasche Hilfe erforderlich. Denn: Über die zerstörte Haut geht viel Flüssigkeit verloren, wodurch bei Kleinkindern die Gefahr eines Schocks besteht. Daher muss umgehend die Rettung (Notruf: 144) alarmiert oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. Generell gilt: Eine ärztliche Versorgung ist immer dann erforderlich, wenn die thermische Verletzung größer ist als die Handfläche des Kindes.

Sicherheitstipps gegen Verbrennungen/Verbrühungen

  • Besondere Vorsicht beim Tragen von Gefäßen mit heißen Flüssigkeiten, wenn sich kleine Kinder in der Wohnung aufhalten.
  • Gefäße mit heißen Flüssigkeiten (Tassen, Becher, Suppenteller, Suppentöpfe) so platzieren, dass kleine Kinder sie nicht erreichen oder herunterziehen können. Herabhängende Tischdecken vermeiden.
  • Den Herd durch ein Herdschutzgitter abschirmen. Vorzugsweise die hinteren Kochfelder verwenden und die Griffe von heißen Töpfen und Pfannen stets zur Wand drehen.
  • Die Kabel von Elektrowasserkochern, Fritteusen, Kaffeemaschinen und Bügeleisen nicht herunterhängen lassen, sondern aufrollen oder im hinteren Bereich der Arbeitsfläche platzieren.
  • Temperatur des Badewassers von Kindern mit einem Thermometer kontrollieren – sie sollte maximal 37 Grad Celsius betragen. Thermostat-Armaturen mit Temperaturbegrenzern – sogenannte „Heißwasser-Stopps“ – verhindern eine selbstständige Bedienung des Heißwasserhahns durch kleine Kinder.
  • In Wärmeflaschen keine Flüssigkeiten über 45 Grad Celsius füllen und die heiße Wärmeflasche nie in direkten Kontakt mit der Haut bringen.

Rückfragehinweis:
Pressestelle KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit)
Tel.: 05-77077-1919 I E-Mail:
pr@kfv.at I www.kfv.at