Präventionsmonitor 2020: So denkt Österreich über Risiken, Konflikte und Delikte im Straßenverkehr

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Österreichs Verkehrsklima könnte besser sein: Aggression ist auf der Straße omnipräsent, vor allem zwischen Rad- und Autolenker*innen. Gemischtes Feedback erntet illegales Fehlverhalten: Drogenrausch am Steuer ist ein No-Go, Schnellfahren immer noch ein Kavaliersdelikt. Ein aktueller Einblick in die automobile österreichische Seele.

Wie denken Österreichs Verkehrsteilnehmer*innen über Drogen am Steuer? Welche Risiken auf der Straße werden als besonders bedrohlich empfunden? Wie oft und warum kommt es zu Spannungen und Konflikten im Straßenverkehr? Diese und viele weitere Fragen beantwortet der Präventionsmonitor, eine seit 2011 vom KFV regelmäßig durchgeführte repräsentative Umfrage, die als solide Datenbasis zur Beobachtung langfristiger Trends in Sachen Mobilität und Sicherheit dient.

Tausend per Zufallsstichprobe ausgewählte Österreicher*innen wurden auch 2020 telefonisch oder online zu ihren verkehrssicherheitsrelevanten Einstellungen, Meinungen und Verhaltensweisen befragt. Beleuchtet wurden die Themen Mobilitätsverhalten, Wahrnehmung und Akzeptanz von risikoreichem Verhalten, Verkehrsunfälle und Unfallursachen, Akzeptanz von Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, Verkehrsklima und Verkehrskonflikte sowie Einstellungen zu Überwachung, Strafen und zum automatisierten Fahren.

Die Antworten liefern tiefgründige Einblicke in die automobile österreichische Seele: So werden etwa Alkohol und Drogen am Steuer als drastische Gefahren und entsprechende Gegenmaßnahmen als durchaus sinnvoll erkannt. Schnellfahren gilt offenbar als geringeres Problem, intensivierte Kontrollen und Sanktionen werden mehrheitlich abgelehnt.

Die Ergebnisse des Präventionsmonitors 2020 im Überblick:

Verkehrsklima & Verkehrskonflikte

  • Das aktuelle Echo zeigt: Das Verkehrsklima auf Österreichs Straßen – der soziale Umgang miteinander – wird insgesamt nur als durchschnittlich empfunden, die Stimmung auf der Straße könnte besser sein.
  • Spannungen und Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmer*innen werden gefühlt im Laufe der Zeit immer mehr: 57 % der Befragten verspüren vermehrte Konfliktbereitschaft im Straßenverkehr.
  • 60 % der Befragten beschreiben die Interaktionen zwischen Straßennutzer*innen als aggressiv. Nur ein Viertel der befragten Personen empfindet das Verhalten der Verkehrsteilnehmer*innen als hilfsbereit, nur etwa ein Fünftel als rücksichtsvoll.
  • Rad- und Autofahrer*innen sorgen aus Sicht der Befragten am häufigsten für Ärger im Straßenverkehr. Diese beiden Gruppen sehen einander meist gegenseitig als Auslöser dafür.

Verkehrsunfälle: Risiken – Ursachen – Betroffenheit

  • Rund zwei Drittel der Befragten empfinden das mögliche Unfallrisiko des eigenen Kindes als größte konkrete Gefahr im Straßenverkehr.
  • Auf die Frage nach den vermuteten Hauptunfallursachen gaben 93 % der Befragten Handy-Texting am Steuer an. Für neun von zehn Befragten ist Unaufmerksamkeit bzw. Ablenkung ein maßgeblicher Risikofaktor. Weitere wesentliche Unfallursachen sind nach Ansicht der Befragten Handy-Telefonate und riskante Überholmanöver (85 % bzw. 86 %).
  • Mehr als drei Viertel der Befragten geben an, häufig durch Telefonate abgelenkte Autofahrer*innen auf der Straße zu sichten.

Subjektive Einschätzung der Entwicklung der Verkehrssicherheit

  • 43 % der Befragten meinen, die jährliche Zahl der Verkehrsunfälle hätte in Österreich in den letzten zehn Jahren stark oder eher zugenommen, für etwa ein Viertel (27 %) schien diese Entwicklung stark (5 %) oder eher abnehmend (22%) zu sein.
  • Hauptgründe für eine vermutete künftige Zunahme der Verkehrsunfallfrequenz sind erhöhtes Verkehrsaufkommen, vermehrte Rücksichtslosigkeit und Aggressivität, Rasen, Ablenkung durch Handynutzung am Steuer sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch.
  • Optimist*innen sind jedoch überzeugt, dass die Zahl der Verkehrsunfälle in den nächsten fünf Jahren aufgrund innovativer (Assistenz-)Technologien stark oder eher sinken werde.

Meinungen zu automatisiertem Fahren

  • Gesunde Skepsis zeigt sich in Österreich gegenüber dem Thema Automatisierung: Hochautomatisierte Fahrzeuge sind den Befragten grundsätzlich sympathischer als vollautomatisierte, deren Kontrolle komplett der Technik obliegt. Ein Viertel der Befragten ist an der Nutzung hochautomatisierter Fahrzeuge sehr interessiert, die Nutzung vollautomatisierter Fahrzeuge weckt dagegen nur bei 10 % der Befragten reges Interesse.
  • Männer sind grundsätzlich eher bereit, automatisierte Fahrzeuge zu nutzen.

Persönliche Einstellungen zu Kontrolle und Überwachung

  • Rund die Hälfte der Befragten (49 %) hält es für wahrscheinlich, auf einer Alltagsfahrt von der Polizei kontrolliert zu werden bzw. in eine Geschwindigkeitsmessung zu geraten. 23 % erwarten eine Alkoholkontrolle per Atemtest, 12 % rechnen mit einem Drogenschnelltest.
  • 63 % sind der Meinung, dass in puncto Alkohol am Steuer nicht ausreichend kontrolliert wird. 54 % der Befragten befürworten strengere Strafen für jenseits des Promillelimits alkoholisierte Lenker*innen. Nur 11 % halten die aktuellen Sanktionen für zu streng.
  • Das Thema Geschwindigkeit wird dagegen etwas milder bewertet: 40 % fordern restriktivere Tempolimits und -sanktionen, 18 % finden die bestehenden Strafen bereits zu streng. 48 % sind der Meinung, dass das gefahrene Tempo nicht genug kontrolliert werde.

Akzeptanz von Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit

  • 84 % der Befragten finden verpflichtendes Tragen von reflektierendem Outfit auf Radfahrten bei Dunkelheit sinnvoll. Ebenso viele sind für striktere Handy-am-Steuer-Kontrollen und -Sanktionen. 71 % befürworten eine intensivierte Fahrausbildung.
  • Die Einführung verpflichtender praktischer Fahrtrainings alle zehn Jahre nach Führerscheinerwerb und verpflichtende regelmäßige Gesundheitschecks für alle Lenker*innen treffen hingegen auf schwächeren Zuspruch.
  • 78 % der Befragten plädieren für eine generelle Helmpflicht für E-Bike-Fahrer*innen, 68 % befürworten diese für alle Radfahrer*innen, 73 % für alle E-Scooter-Lenker*innen.
  • Thema Drogen: 81 % der Befragten stimmen zu, dass polizeiliche Drogenschnelltests die Verkehrssicherheit erhöhen. 86 % der Befragten meinen, dass Menschen unmittelbar nach der Einnahme von Cannabis in ihrer Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt seien. 91 % sind der Ansicht, dass dies nach dem Konsum anderer illegaler Drogen der Fall sei.
  • Auf mittlere Zustimmung stoßen Führerscheinentzug (49 %) oder verpflichtende Nachschulungen (55 %) nach Alkoholisierung von mehr als 0,5 Promille am Steuer und eine gesetzliche 0,0-Promille-Grenze für alle motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen (50 %).
  • Unpopulär sind Tempobremsen: Zwar befürworten 57 % verpflichtende Kurse für Raser*innen nach Geschwindigkeitsübertretungen von mindestens 40 km/h, eine Reduktion des Tempolimits auf Freilandstraßen von 100 auf 80 km/h (19 %) und eine behördliche Nulltoleranz bei Temposünden (18 %) goutiert aber nur rund ein Fünftel der Befragten.
  • Frauen finden verstärkte Maßnahmen gegen Alkohol/Drogen am Steuer und überhöhte Geschwindigkeit mehrheitlich sinnvoll – Männer sind davon weit weniger begeistert.
  • Allgemein begrüßt wird verstärkter Schutz von Kindern: Jeweils zwei Drittel der Befragten halten österreichweite Tempo-30-Zonen im Umfeld von Schulen und Kindergärten und höhere Strafen für Kinder gefährdende Verkehrsdelikte für richtig und wichtig.

Hier der Download-Link zur Präventionsmonitor Verkehr 2020:
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