KFV warnt: Täglich mehr als 40 Verletzte bei Gartenarbeiten

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Mehr als 16.000 Verletzte pro Jahr bei der Gartenarbeit verzeichnet die Unfalldatenbank des KFV und rät zu Schutzausrüstung & Co: Die meisten Unfälle passieren durch Stürze, besonders schwere Verletzungen resultieren aus der unsachgemäßen Handhabung von Gartengeräten und Maschinen. Gerade Rasenmähroboter werden oft unterschätzt.

 Wien, 3. Juni 2024. Ob gemütlich unter einem Sonnenschirm oder ambitioniert beim Garteln – an warmen Tagen und lauen Abenden ist der eigene Garten oder die Terrasse für viele Menschen in Österreich ein beliebter Erholungsort. Gemäß einer KFV-Studie verrichten jedes Jahr mehr als fünf Millionen Menschen in Österreich Gartenarbeit.[1] Wie die KFV-Unfalldatenbank IDB Austria aber zeigt, ist diese beliebte Freiluft-Tätigkeit nicht zu unterschätzen: „Pro Jahr verletzen sich im Schnitt über 16.000 Personen* bei der Gartenarbeit so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Dabei sind Knochenbrüche (46%), offene Wunden (25%) und Sehnen- sowie Muskelverletzungen (11%) die häufigsten Verletzungsarten beim Garteln,“ erklärt Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV.

Äste stutzen, Hecke schneiden, Rasenmähen – auch bei diesen vermeintlich ungefährlichen Tätigkeiten ist Vorsicht geboten, denn nicht bei allen bleibt der grüne Daumen unversehrt: Gerade die Hände sind von Verletzungen am häufigsten betroffen. Rund ein Drittel der Verletzungen betreffen gerade die Hände. Die oberen Extremitäten – von Hand bis zur Schulter – sind sogar bei mehr als der Hälfte aller Fälle (52%) betroffen. Die unteren Extremitäten, vor allem Fußgelenk, Unterschenkel, Fuß und Knie, werden bei 32 Prozent aller Verletzungen behandelt.

Mähroboter – die unterschätzte Gefahr
Wenn man von Fuß- und Handverletzungen spricht, muss man die unterschätze Gefahr in Form von Rasenmährobotern erwähnen. Denn die „Selbstständigkeit“ eines Mähroboters ist gleichzeitig die Gefahr für viele Lebewesen – für Tiere und für Kinder. Gerade bei krabbelnden Säuglingen und Kleinkindern kann es schnell zu Verletzungen kommen, denn die Mähroboter haben zwar eingebaute Sensoren, die vor größeren Hindernissen stehen bleiben, aber bei kleinen Unebenheiten fahren sie einfach drüber. Das kann zu schweren Verletzungen führen, wie einige Fälle in der Vergangenheit zeigen.

Doch auch größere Kinder können verunfallen, wenn sie beispielsweise ausrutschen und so unter die scharfen Messer des Robotes gelangen. Außerdem können kleine Steine oder Splitter durch den Mähroboter verwirbelt werden, was auch zu Verletzungen führen kann. Deshalb – zur Sicherheit der Kinder und Haustiere sollten Mähroboter nur dann eingeschaltet werden, wenn sich niemand im Garten befindet. Aber nie nachts oder bei Dämmerung, denn das bedeutet besondere Gefahr für Kleintiere wie Igel, Eidechsen usw.

Gartenarbeit, Mann schneidet Pflanzen Foto: Anna Shvets via Pexels
Foto: Anna Shvets via Pexels

6 von 10 Hobbygärtner*innen verletzen sich bei einem Sturz
Die meisten Unfälle bei der Gartenarbeit passieren durch Ablenkung, Hektik und Unachtsamkeit. Dabei kommt es in 60 Prozent der Fälle zu einem Sturz: „Stürze bei der Gartenarbeit werden vor allem durch Ausrutschen oder Stolpern über Werkzeug, ausgerollte Gartenschläuche oder geschnittenes Astwerk verursacht. Gerade solche Unfälle lassen sich allerdings mit wenig Aufwand leicht verhindern. Werden Stolperfallen, wie Geäst und Gerätschaften, nach getaner Arbeit sofort weggeräumt und verstaut, kann die Sturzgefahr schon maßgeblich verringert werden,“ so Dr. Trauner-Karner. Doch auch das konsequente Wegräumen von Stolperfallen garantiert keine Vermeidung von Stürzen, denn etwa jeder Zehnte (12%) der spitalsbehandelten Freizeitgärtner*innen verletzt sich bei einem Sturz aus der Höhe, wie von Leitern und Bäumen.

„Bei Arbeiten in der Höhe ist es wichtig, dass die Leiter einen sicheren Stand hat und Sie konzentriert arbeiten. Festes Schuhwerk sorgt für Halt. Balanceakte sollten vermieden werden, lieber absteigen und die Leiter umstellen“, empfiehlt Trauner-Karner. Auch die Umgebung der Leiter ist stets im Auge zu behalten, denn bei einem Sturz können darunterliegende Gegenstände zusätzlich zu schweren Verletzungen führen.

Besonders schwere Unfälle mit Maschinen und Geräten
Zu besonders schmerzhaften Verletzungen können Unfälle mit Gartengeräten führen. Bei 7 Prozent der Gartenunfälle sind motorisierte bzw. elektrisch angetriebene Geräte wie Rasenmäher, Motorsägen oder Hecken- und Baumscheren involviert. „Die Schwere der Verletzungen kann bei falscher Handhabung von motorisierten Geräten besonders groß sein. Daher gilt: Elektrische Gartengeräte sollten immer abgesteckt sein, bevor scharfe Messer gereinigt werden. Reparaturen und die regelmäßige Überprüfung der Geräte überlässt man am besten dem Fachpersonal. Vorsicht auch bei Mährobotern! Gerade bei Kindern und Tieren sollte man das Gerät nur dann einschalten, wenn man in der Nähe bleibt, denn es kann passieren, dass die Sensoren des Roboters nicht sachgemäß reagieren. Und ganz wichtig: Tragen Sie bei Gartenarbeiten wirklich immer eine entsprechende Schutzausrüstung,“ so TraunerKarner abschließend.

Tipps für den Start in eine sichere Gartensaison:

  • Funktionelle Kleidung, Handschuhe und festes Schuhwerk gehören zur Basisausstattung eines jeden Hobbygärtners.
  • Tragen Sie eine Schutzbrille, wenn die Gefahr besteht, von herumfliegenden Teilen getroffen zu werden – beispielsweise beim Heckenschneiden.
  • Beim Hantieren mit einer Motorsäge ist große Vorsicht angebracht. Verwenden Sie am besten eine Schnittschutzhose.
  • Kräfte einsparen, regelmäßige Pausen einlegen und das Trinken nicht vergessen.
  • Entfernen Sie potenzielle Stolperfallen im Arbeitsbereich.
  • Unterstützen Sie ältere Menschen in Ihrem Umfeld bei Tätigkeiten im Garten.
  • Sorgen Sie bei der Verwendung von Leitern für einen sicheren Stand und achten Sie auf feste und rutschfeste Tritte. Idealerweise sollte die Leiter von einer zweiten Person festgehalten werden. Vermeiden sie Balanceakte – stellen Sie die Leiter besser um, wenn Sie einen bestimmten Punkt nicht erreichen können.
  • Vermeiden Sie Hektik – planen Sie ausreichend Zeit für die Gartenarbeit und das anschließende Aufräumen der Geräte und Gartenabfälle ein.
  • Lesen Sie vor dem Einsatz neuer Gartengeräte die Überprüfen Sie alle Geräte vor jedem Einsatz auf Funktionsfähigkeit und Sicherheit.
  • Sichern Sie Ihren Arbeitsbereich ab, um andere Personen zu schützen. Reinigen und verstauen Sie Ihre Arbeitsgeräte nach getaner Arbeit. Achten Sie auf eine sorgfältige Aufbewahrung, um Schäden zu vermeiden.
  • Beim Rasenmähen ist auf eine sachgerechte Handhabung zu achten. Das Gerät sollte in einwandfreiem Zustand sein. Achten Sie auf die Kabel. Den Rasenmäher niemals bei laufendem Motor anheben oder bei angestecktem Elektromäher an den Messern hantieren!
  • Mähroboter werden immer sicherer. Trotzdem besteht eine Gefahr für Kinder und Tiere. Es kann sein, dass die Sensoren des Roboters nicht sachgemäß reagieren. Deshalb die Geräte nur unter Aufsicht benutzen, und wenn sich keine Kinder und Tiere im Arbeitsbereich des Mähroboters aufhalten – dies gilt auch in der Nacht (Zum Schutz der Igel).
  • Bewahren Sie einen vollständigen Erste-Hilfe-Koffer in greifbarer Nähe auf.

Presseaussendung .pdf

*Quelle: KFV, IDB Austria 2021-2023, Verletzte mit Hauptwohnsitz in Österreich, deren Verletzung in der Unfallambulanz nachversorgt wurde. Hochrechnung.

[1] Quelle: KFV, Exposure 2021