Noch ist es nicht im Parlament beschlossen, aber die Zeit drängt. Bereits ab 1. Mai 2026 soll laut dem Entwurf der 36. StVO-Novelle in Österreich eine Helmpflicht für unter 14-Jährige beim Fahren mit E-Bikes und für unter 16-Jährige bei E-Scootern gelten. Doch Schädel-Hirn-Verletzungen können in jedem Alter tödlich enden. Laut Unfallstatistiken waren die meisten Getöteten und Verletzten bereits im Erwachsenenalter. Wichtige Akteure haben sich daher im Zuge der Begutachtung klar für eine altersunabhängige Helmpflicht ausgesprochen, wie eine KFV-Auswertung zeigt. Doch bislang leider ohne Erfolg.
Wien, 26. Jänner. 2026. Ab 1. Mai 2026 wird es für Österreichs Kinder und Jugendliche kompliziert. Beim Fahren mit Fahrrädern müssen sie, bis sie zwölf Jahre alt sind, einen Helm tragen, bei E-Bikes bis 14 Jahre und bei E-Scootern bis 16 Jahre. Für den Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit, Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, ist die geplante Regelung nicht nachvollziehbar: „Schädel-Hirn-Verletzungen können in jedem Alter tödlich sein. Die bei E-Scooter-Unfällen Getöteten in den Jahren 2023 und 2024 waren sogar alle über 16 Jahre alt und bei tödlichen E-Bike-Unfällen waren alle über 14 Jahre alt. Zudem ist es bei Gesetzen besonders wichtig, dass sie klar und verständlich sind, damit sie von möglichst vielen Menschen eingehalten werden. Das ist bei derart uneinheitlichen Regelungen leider nicht der Fall.“
Ein Gesetz für drei Prozent – statt für 100 Prozent der Betroffenen
Wie KFV-Erhebungen aus dem Jahr 2025 zeigen, tragen beim Fahren mit E-Bikes erst 67 Prozent einen Helm – bei E-Scootern sind es sogar nur zehn Prozent. Im Bereich der E-Bikes spielt sich das Unfallgeschehen zu einem großen Teil im Alter von 50-plus ab. Kinder und Jugendliche nutzen diese Fahrzeuge kaum. 97 Prozent der Verletzten waren sogar älter als 14 Jahre, wobei aber nur 43 Prozent von ihnen einen Helm getragen haben. Sie werden leider auch künftig nicht verpflichtet sein einen zu tragen, falls die StVO-Novelle wie angekündigt beschlossen wird. Gleiches gilt ab 16 Jahren bei E-Scootern. Dabei ist das Risiko für eine Schädel-Hirn-Verletzung ohne Helm mehr als sechsmal höher als mit Helm, wie das KFV errechnet hat. „Wenn alle Menschen beim Fahren mit E-Bikes und E-Scootern einen Helm tragen würden, gäbe es in Österreich um mehr als 1.000 Schädel-Hirn-Verletzungen pro Jahr weniger“, betont Dipl.-Ing. Robatsch.
Neben Verkehrssicherheitsexperten sehen vor allem auch Notfall- und Intensivmediziner unbedingten Handlungsbedarf. So haben sich neben dem KFV die Berufsrettung Wien, die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), Fachgremien der MedUni Wien, die Martin Flugrettung, die ÖNK – Österreichische Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin, die ÖGNC – Österreichische Gesellschaft für Neurochirurgie, die Arbeitskreise Polytrauma und Schädel Hirn Trauma der ÖGU, AUVA, ÖAMTC und die Österreichische Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr ganz klar für eine altersunabhängige Helmpflicht beim Fahren mit E-Scootern und E-Bikes ausgesprochen. Auch Österreichs führender Essenslieferant Lieferando und der E-Scooter-Händler Digishop haben sich unmissverständlich dafür ausgesprochen (s. Statements).
Auszüge aus den Stellungnahmen zum Entwurf der 36. StVO-Novelle