Vorsicht, Erstickungsgefahr! 200 Kleinkinder pro Jahr wegen eingeatmeter Fremdkörper in Spitalsbehandlung

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Lebensmittel wie Weintrauben, Erdnüsse oder Würstel sind bei Kindern beliebt – verlegen diese aber die Luftröhre, wird ein vermeintlich harmloser Snack schnell zur lebensbedrohlichen Gefahr. Denn: Die Luftröhre eines Kindes ist kaum breiter als ein Trinkhalm. Kenntnisse über die gefährlichsten Lebensmittel oder Kleinteile und schnelle Erste-Hilfe-Maßnahmen sind besonders wichtig, um Unfälle zu vermeiden, empfiehlt das KFV.

Wien, 17. Juni 2021. Kleinkinder erkunden ihre Umwelt über den Mund. Werden Kleinteile oder Lebensmitteln jedoch versehentlich verschluckt und gelangen in die Luftröhre, können sie schnell zur großen Gefahr für Kinder werden. Ein Blick auf die Unfallzahlen zeigt: Zwischen 2010 und 2019 mussten in Österreich fast 2.000 Kinder unter fünf Jahren wegen eines Fremdkörpers in den Atemwegen stationär in einem Krankenhaus behandelt werden – durchschnittlich 200 Kleinkinder pro Jahr. Jedes fünfte betroffene Kind (21 Prozent) war dabei unter einem Jahr alt. Im selben Zeitraum starben vier Kinder unter fünf Jahren durch Obstruktion der Atemwege aufgrund von Nahrungsmitteln oder sonstigem Material.

Die Luftröhre eines Kleinkindes ist wie ein Trinkhalm

Ein Blick auf die Anatomie zeigt deutlich warum: Die Luftröhre eines Kleinkindes hat in etwa den Durchmesser eines Trinkhalms. Aufgrund ihrer Beschaffenheit ist die Luftröhre zwar sehr elastisch und kann sich bei der Atmung ausdehnen und zusammenziehen. „Landet jedoch unabsichtlich ein Gegenstand oder Nahrungsmittel in der Luftröhre, droht Erstickungsgefahrt. Gerade z.B. die beliebten Würstel, Erdnüsse oder Weintrauben haben aufgrund ihrer rundlichen Form das Potential die Luftröhre zu verschließen. Zerkleinert bzw. auseinander geschnitten verringert sich das Risiko“, so KFV-Präventionsexpertin Dr. Johanna Trauner-Karner.

Tipps, um Verschlucken und Ersticken vorzubeugen

Mehr Sicherheit mit Lebensmitteln

Kleine Kinder beim Essen stets beaufsichtigen.

Auf kindsgerechte Speisen und Lebensmittel achten:

Kinder bis 1 Jahr sollten nur Lebensmittel zu sich nehmen, die im Mund weich werden

Kindern bis 2 Jahre sollten nur einfach zu kauende Lebensmittel zu sich nehmenRunde Nahrungsmittel klein schneiden, harte Nahrungsmittel weichkochen, mahlen oder reiben

Besondere Vorsicht bei harten Lebensmitteln wie Nüssen oder Karotten und runden, leicht zu verschluckenden Lebensmitteln wie Würstel, Cherrytomaten oder Trauben. Kinder sollten in Ruhe und im Sitzen essen.

Mehr Sicherheit beim Spielen

Achten Sie darauf, dass sich kleine Gegenstände und Materialien außerhalb der Reichweiter des Kindes befinden.

Gegenstände entfernen, die kleiner als ein Tischtennisball sind oder durch eine WC- Papierrolle passen. Diese Gegenstände sind für Kinder unter 3 Jahren zu klein.

Spielzeug auf scharfe Kanten, abnehmbare oder sich lösende Kleinteile kontrollieren. Spielzeug soll keine herausnehmbaren Batterien enthalten.

Beim Kauf von Spielzeug auf den Warnhinweis “Nicht geeignet für Kinder unter drei Jahren“ achten.Spielzeug und kleine Gegenstände beim Schlafen aus dem Kinderbett entfernen.

Älteren Geschwistern erklären, warum die kleineren Geschwisterkinder mit manche Spielsachen nicht spielen dürfen.

Was tun bei einem Notfall

Trotz größter Vorsicht kann es zu einem Unfall durch Verschlucken kommen. Eltern und Erziehungsberechtigte sollten daher mit Erste Hilfe Maßnahmen bei Kindernotfällen vertraut sein.

    • Oberkörper nach vorne beugen und mit der flachen Hand kräftig auf den Rücken zwischen die Schulterblätter klopfen.
    • Nicht versuchen, den Gegenstand mit den Fingern aus dem Rachen zu entfernen.
    • Wird der Fremdkörper nicht wieder ausgespuckt, sofort den Notruf absetzen (Rettung 144)
    • Wenn das Kind nicht mehr atmet, sofort mit der Reanimation beginnen.Das Rote Kreuz bietet spezielle Kurse zum Thema „Erste Hilfe bei Kindern“ an: Erste Hilfe bei Kindern – Rotes Kreuz