Unfallbilanz: 824.400 Verletzte in Österreichs Spitälern durch Unfälle

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Die größte Unfallgefahr in Österreich lauert im eigenen Haushalt, wie die Unfallstatistik 2025 der Präventionsinstitution KFV zeigt. Die meisten spitalsbehandelten Verletzten gibt es im Haushalt (334.500 Verletzte), gefolgt von den Bereichen Freizeit/Freizeitsport (280.700), Arbeit/Schule (111.400) und Verkehr (97.800). Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der in Österreichs Spitälern ambulant oder stationär behandelten Unfallopfer um zwei Prozent auf rund 824.400 gestiegen. Die Behandlungskosten erhöhten sich um sieben Prozent auf drei Milliarden Euro. Prävention könnte viel Leid und hohe Kosten vermeiden.

Wien, 26. Februar 2026. Besonders dramatisch ist die Entwicklung der Unfälle in Österreich im Seniorenalter: Die Zahl der spitalsbehandelten Verletzten im Alter 65plus ist im Vorjahr um fünf Prozent auf den neuen Höchststand von 266.100 gestiegen, wie die KFV-Unfalldatenbank IDB Austria zeigt. Diese Entwicklung ist zum Teil auch Ausdruck des demografischen Wandels: Die Zahl älterer Menschen in Österreich wächst stetig – und damit auch das Unfallgeschehen im höheren Lebensalter. Laut Statistik Austria leben derzeit mehr als 1,9 Millionen Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter in Österreich. Seit 2021 ist diese Zahl um 163.000 Personen bzw. um neun Prozent gestiegen.

Mag. Christian Schimanofsky, Direktor der Präventionsinstitution KFV, betont, dass Präventionsmaßnahmen noch stärker auf ältere Menschen ausgerichtet werden sollten. „Jeder Tag, den ein Mensch gesund und unfallfrei in den eigenen vier Wänden verbringen kann, bedeutet ein wertvolles Stück Lebensqualität für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Zugleich ist jede Vorsorgemaßnahme ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Pflegeeinrichtungen und des Gesundheitssystems in Österreich.“ Laut KFV-Berechnungen beliefen sich die Kosten für die im Vorjahr ambulant oder stationär behandelten Unfallopfer aller Altersgruppen in Österreich auf rund 2,975 Milliarden Euro – ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Jahr davor. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Verletzten um rund zwei Prozent auf rund 824.400, wie Daten der KFV IDB Austria zeigen.

„Jeder Tag, den ein Mensch gesund und unfallfrei in den eigenen vier Wänden verbringen kann, bedeutet ein wertvolles Stück Lebensqualität für die Betroffenen und ihre Angehörigen“

Mag. Christian Schimanofsky (KFV-Direktor)
Mag. Christian Schimanofsky (KFV-Direktor)©KFV/APA-Fotoservice/Arman Rastegar

In der Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen erhöhte sich die Zahl der spitalsbehandelten Verletzten um vier Prozent auf rund 333.100. Bei Kindern (0–14 Jahre) gab es hingegen einen leichten Rückgang von rund zwei Prozent, dennoch bleibt die Zahl mit 119.600 verletzten Kindern weiterhin hoch. Hinzu kommen noch 105.600 Jugendliche (15-24 Jahre), ebenfalls mit einem leichten Rückgang von drei Prozent. Die meisten Unfälle von Personen mit Wohnsitz in Österreich ereigneten sich in Wien (160.300 Verletzte), gefolgt von Oberösterreich (140.800) und Niederösterreich (134.100). Nach Lebensbereichen gegliedert entfielen 2025 die meisten Verletzten auf den Haushalt (334.500), gefolgt von Freizeit/Freizeitsport (280.700), Arbeit/Schule (111.400) und Verkehr (97.800).

Starker Anstieg beim Gehen, bei Reinigungsarbeiten und beim Kochen im Haushalt

Auffallend ist bei Haushaltsunfällen die starke Zunahme von Unfällen beim Gehen im Wohnbereich. Gegenüber 2024 gab es hier ein Plus von 21 Prozent auf 86.000 spitalsbehandelte Verletzte – vor allem Senioren sind davon betroffen. Deutliche Anstiege gibt es auch bei Reinigungsarbeiten (+12 Prozent auf 30.000 Verletzte), Arbeiten in Heim und Garten (+19 Prozent auf 26.400) sowie beim Kochen (+18 Prozent auf 14.400).

„Ein besonders ernstes Problem ist der hohe Anteil von Unfällen mit Fahrrädern, E-Bikes und E-Scootern am Gesamtunfallgeschehen“

Dipl.-Ing. Klaus Robatsch (Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV)©KFV/APA-Fotoservice/Arman Rastegar

Die am häufigsten verletzten Körperteile (über alle Unfallarten hinweg) sind die Finger (102.200 Fälle), gefolgt vom Knie (72.200) sowie von Fußgelenken bzw. Knöcheln (70.900). Bei Sportunfällen war das Knie am häufigsten betroffen (28.600 Fälle). Auffällig ist zudem, dass bei Sportunfällen erstmals in mehr als fünf Prozent der Fälle Kopfverletzungen vom KFV dokumentiert wurden. Kopfverletzungen bereiten dem Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, auch im Straßenverkehr zunehmend Sorgen: „Im Verkehrsbereich ist die Zahl der spitalsbehandelten Verletzten im Vorjahr um mehr als sechs Prozent auf 97.800 gestiegen. Ein besonders ernstes Problem ist der hohe Anteil von Unfällen mit Fahrrädern, E-Bikes und E-Scootern am Gesamtunfallgeschehen.“

Aufgrund der hohen Zahl an Alleinunfällen bei Fahrrädern, E-Bikes und E-Scootern gibt es eine hohe Dunkelziffer an nicht polizeilich gemeldeten Unfällen, die bei den getrennt davon laufenden Erhebungen des KFV in Österreichs Spitälern ebenfalls mitberücksichtigt werden. Das KFV bekräftigt daher neuerlich seine Forderung nach Ausweitung der Helmpflicht bei E-Scootern und E-Bikes auf alle Altersgruppen, weil mit diesen Fahrzeugen besonders viele und schwere Unfälle passieren. Eine entsprechende Umsetzung ist seitens der politischen Entscheidungsträger allerdings noch immer nicht geplant.

„Mit einem Fahrrad erreicht man ohne große Anstrengung Geschwindigkeiten von 20 bis 25 km/h. Viele Menschen glauben, einen Sturz mit den Händen abfangen zu können. Tatsächlich entspricht ein Aufprall bei diesem Tempo jedoch einem Sprung kopfüber aus dem ersten Stock“

Werner Gruber (Physiker)©KFV/APA-Fotoservice/Arman Rastegar

Der Physiker Werner Gruber hat sich dem Thema Helmtragen im Straßenverkehr auf seine bekannt lockere Art wissenschaftlich genähert. „Mit einem Fahrrad erreicht man ohne große Anstrengung Geschwindigkeiten von 20 bis 25 km/h. Viele Menschen glauben, einen Sturz mit den Händen abfangen zu können. Tatsächlich entspricht ein Aufprall bei diesem Tempo jedoch einem Sprung kopfüber aus dem ersten Stock“, wie Gruber betont. „Trägt man hingegen einen Helm, sorgt die harte Außenschale des Helms dafür, dass sich die Kräfte bei einem Unfall auf eine größere Fläche verteilen. Die weichere Innenschale absorbiert zusätzliche Energie und wandelt diese in Wärme um“, so Gruber. Anhand eines Apfels, der in seiner Konsistenz in etwa einem Kinderkopf entspricht, demonstrierte er mit einem Hammer eindrucksvoll die Wirkung dieser Schutzmechanismen – mit und ohne Helm.

Der Appell von Gruber und dem KFV richtet sich nicht nur an Kinder, sondern an alle Altersgruppen. Der Kopf eines Erwachsenen ist ebenso verletzlich. Tatsächlich sind die meisten Todesopfer und Schwerverletzten im Straßenverkehr Erwachsene. Im Vorjahr kamen laut vorläufigen Daten insgesamt 71 Menschen bei Unfällen mit Fahrrädern, E-Bikes und E-Scootern im Straßenverkehr ums Leben. Unabhängig von der gesetzlichen Regelung empfiehlt das KFV daher allen Menschen bei der Nutzung dieser Fahrzeuge unbedingt einen Helm zu tragen.

Grafik Unfallbilanz
©KFV/APA Auftragsgrafik

 

KFV-Präventionstipps nach Altersklassen

Kinder (0-14 Jahre):

Haushaltsunfälle vermeiden:

  • Kindersicherungen an Steckdosen und Schränken anbringen
  • Stolperfallen (Teppiche, Kabel) entfernen
  • Stürze vermeiden: Kanten- und Treppenschutz anbringen
  • Heiße Getränke und Putzmittel außer Reichweite aufbewahren

Sport- und Freizeitunfälle reduzieren:

  • Schutzausrüstung (Helm, Knieschützer) beim Sport tragen
  • Richtiges Verhalten in Skigebieten lernen (z. B. FIS-Regeln)
  • Auf altersgerechte Spielgeräte achten

Jugendliche (15-24 Jahre):

Verletzungen im Sport verhindern:

  • Richtige Aufwärm- und Abkühltechniken nutzen
  • Abenteuer-Sportarten (z. B. Mountainbiken, Skifahren) nur mit Schutzausrüstung ausüben
  • Pausen einhalten, um Überlastungen zu vermeiden
  • Eigene Fähigkeiten (Ausdauer, Kondition) richtig/ehrlich einschätzen

Haushaltsunfälle minimieren:

  • Sichere Verwendung von Elektrogeräten beachten
  • Brandschutzmaßnahmen in der WG/Elternhaus beachten

Senioren (65+):

Sturzprävention im Haushalt:

  • Stolperfallen entfernen, rutschfeste Matten nutzen
  • Gute Beleuchtung in Fluren und Treppenhäusern sicherstellen
  • Regelmäßige Bewegung und Gleichgewichtstraining zur Sturzprävention

Vermeidung von Freizeit- und Sportunfällen:

  • Aktivitäten an körperliche Leistungsfähigkeit anpassen
  • Gefahren beim Wandern oder Radfahren (z. B. unwegsames Gelände) beachten
  • Beim Schwimmen auf sichere Einstiege und rutschfeste Flächen achten

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