Neue Studie zu Section Control in Österreich

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Eine neue KFV-Studie beleuchtet die konkreten Vorteile dieser Überwachungsmaßnahme.

Berühmt-berüchtigt war der Gföhler Berg im malerischen Waldviertel schon über lange Jahre. Denn durch die sanfte Hügellandschaft zwischen Kamp und Donau führte eine Landesstraße, die viel zu viele Todesopfer forderte. Die Unfälle waren schwer, das gefahrene Tempo war hoch. Viel zu hoch: Trotz des Tempolimits von 100 km/h waren 15% der Lenker schneller als 127 km/h unterwegs. Die Zahlen der Statistik zeigten die traurigen Auswirkungen. Doch seit 2012 weht auf der LB 37 in Niederösterreich ein anderer Wind: Tempoüberschreitungen, Unfall-, Getöteten- und Verletztenzahlen gingen deutlich zurück. Das Erfolgsgeheimnis hinter diesem Wind of Change: Section Control – eine Sicherheitsmaßnahme, die wirkt.

Wie funktioniert Section Control?

An zwei Kontrollpunkten – am Beginn und am Ende einer unfallträchtigen Strecke – wird jedes einzelne Fahrzeug samt exaktem Zeitstempel erfasst. Das System kann dabei verschiedene Fahrzeugarten – Einspurige, Pkw, Lkw, Busse – unterscheiden und nach ihren jeweils geltenden Tempolimits beurteilen. Auf Basis der gemessenen Weg- und Zeit-Daten wird die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnet. Bei Überschreitung des gesetzlichen Limits werden Tempodaten und Kennzeichen der Behörde übermittelt.

Das Auge des Gesetzes, fix und mobil

Bereits seit 2003 wird Section Control im österreichischen Autobahn- und Schnellstraßennetz eingesetzt, seit 2012 auch im untergeordneten Straßennetz – der Gföhler Berg eröffnete den Reigen. Derzeit sind österreichweit acht fixe Section-Control-Anlagen im Einsatz: fünf im ASFINAG- und drei im Landesstraßennetz. Die meisten dieser fix überwachten Strecken sind Tunnelbereiche. In mobiler Form kommt die Kamera, der nichts entgeht, vor allem an Autobahnbaustellen zum Einsatz.

Zwölf Strecken unter der Lupe

Wie wirkt Section Control konkret in Sachen Sicherheit? Ein Expertenteam des KFV nahm fünf fixe Anlagen – A22 Kaisermühlentunnel, A2 Wechsel, A2 Ehrentalerbergtunnel, A9 Plabutschtunnel und LB 37 Gföhler Berg – sowie sieben Baustellenbereiche mit mobiler Section-Control-Überwachung näher unter die Lupe.

Die in den mittels Section Control überwachten Bereichen registrierten Unfallursachen sind jedenfalls echte Klassiker: Rund 34% der Unfälle mit Personenschaden ereigneten sich aufgrund von Ablenkung, in 26% der Fälle führte mangelhafter Sicherheitsabstand zum Crash. Rund 7% der Unfälle mit Personenschaden gingen auf das Konto nicht angepasster Geschwindigkeit.

Der Vorher-Nachher-Vergleich brachte interessante Ergebnisse: Auf den untersuchten Strecken zeigten Unfall-, Verunglückten- und Unfallkostenraten überwiegend Rückgänge. In puncto Langzeiteffekt wurde mancherorts zwar wieder ein steigender Trend registriert, die Unfallkostenraten blieben dennoch langfristig auf einem niedrigeren Niveau. Beweis dafür, dass die Unfallschwere nun tendenziell geringer ist.

Section Control macht Sinn

Die konkreten Vorteile der Section Control liegen nach Ansicht der Studienautoren klar auf der Hand: Tempodämpfung, vor allem eine Reduktion der starken Tempoüberschreitungen, und eine allgemeine Harmonisierung des Geschwindigkeitsniveaus sorgen für eine Eindämmung der schweren Unfälle und eine Senkung der Unfallkostenrate. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Section Control ist weitaus höher als die Kosten ihrer Installation und ihres laufenden Betriebs. Fazit der Experten: Section Control macht Sinn – mit Sicherheit.

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