Nicht nur das Coronavirus selbst hält uns derzeit in Schach. Von vermehrten Computerviren über dubiose Schutzmasken-Deals bis zu vermeintlicher Polizei vor der Haustür: In Zeiten wie diesen ist erhöhte Achtsamkeit angebracht.

Alles neu macht dieser Frühling 2020. Doch nicht nur die gesundheitliche und wirtschaftliche Problematik fordert uns stark heraus – auch die sicherheitstechnische: Die aktuelle Situation bietet neue Angriffsflächen für kreative Cyber-Kriminalität und öffnet klassischen Betrugsarten in neuem Kleid Tür und Tor. Unser KFV-Tipp: Bleiben Sie skeptisch und sorgen Sie vor!

Sicherheitsrisiko Homeoffice
Schnell musste es gehen mit der Umstellung auf Teleworking – im neuen Homeoffice ist daher mancherorts sicherheitstechnisch noch nicht alles unter Kontrolle. Millionen von TeleworkerInnen sind österreichweit mit ihren Firmen verbunden und greifen von außen auf das firmeninterne Netzwerk zu – ihre privaten Geräte sind aber meist nicht durch Firewalls geschützt. Neue Software für Videokonferenzen und Heimarbeit wird installiert, via Passwort werden auf Webseiten neue E-Mail-Accounts aktiviert. Technische Umstellungen wie diese öffnen neuen Raum für Cybercrime.

Phishing im Vormarsch
In Zeiten der Corona-Krise kursieren auch vermehrt Computerviren – die Zahlen der Cyberangriffe steigen sowohl im privaten als auch im Teleworking-Bereich rasant an. Google verzeichnet seit Krisenbeginn weltweit einen dramatischen Vormarsch von Phishing-Webseiten. Wurden im Jänner 2020 noch 149.000 Phishing-Webseiten registriert, waren es im Februar mit 293.000 fast schon doppelt so viele – im März gab es gar bereits 522.000. Das entspricht einer Zunahme der Phishing-Webseiten mit Schlüsselwörtern rund um Corona um erschreckende 350 Prozent. Spam-Mails mit dem Betreff „Corona“ bzw. Links mit „Corona“ sind vermehrt im Umlauf, und man ist allzu schnell verleitet, diese auch zu öffnen. Also Achtung: Prüfen Sie alle E-Mails in Ihrem Posteingang immer zweimal, auch wenn sie von vermeintlich seriösen Stellen kommen!

Lug und Trug – im Netz und real: Die aktuell größten Betrugsgefahren

  • Phishing- bzw. Spam-Mails führen nach wie vor die Hitliste der Cyberkriminalität an. HackerInnen verschicken über Spam-Mails Links zu Informationsseiten (oft sogar seriös wirkenden Seiten bekannter Forschungsinstitute und Organisationen) zum Thema Coronavirus-Krise, die jedoch mit Computerviren infiziert sind – zum Beispiel Informationsmails, die vermeintlich von der WHO verschickt werden.
  • Webseiten, die mit Zugriffen auf Impfstoffe bzw. Steuerbegünstigungen werben, enthalten Links, die personenbezogene Daten, Passwörter und teilweise auch Kreditkarteninformationen freigeben.
  • Über soziale Medien und WhatsApp werden Mundhöhlenabstriche zur Überprüfung möglicher Infektionen angeboten – dies ohne jegliche medizinische Basis, dafür mit kriminellem Hintergrund.
  • Selbsternannte Natur- und Wunderheiler bieten teure, aber nutzlose Präparate an, die Covid-19 heilen oder die Infektion verhindern sollen.
  • Online-Fake-Shops ködern mit verlockenden Angeboten unter dem Deckmantel sogenannter „Corona Special Offers“.
  • Unseriöse Angebote von Schutzmasken, die man schnell noch kaufen sollte, bevor es keine mehr gibt, sind vermehrt im Umlauf. Dahinter verbirgt sich meist ein betrügerisches Angebot, bei dem man mit einem Klick nicht nur seinen Computer, sondern oft auch gleich das gesamte Heim-Netzwerk infiziert.
  • BetrügerInnen versuchen, Sie zur Teilnahme an Gewinnspielen zu überreden. Gebühren bzw. Honorare werden über Kreditkarte bezahlt. Dadurch gerät man in eine sogenannte Abo-Falle mit monatlichen Abbuchungen.
  • Von vermeintlich kostenlosen Film-Streaming-Plattformen erhält man plötzlich Rechnungen (Inkasso-Betrug).
  • Der altbekannte Neffen- oder Enkeltrick hat wieder Hochkonjunktur und wurde in dreister Weise den geänderten Rahmenbedingungen angepasst. Die TäterInnen geben sich im Telefongespräch mit hochbetagten Menschen als mit Covid-19 infizierte Angehörige aus, die dringend Geld für die Behandlung brauchen.
  • BetrügerInnen in täuschend echt wirkenden Polizeiuniformen läuten an der Haustür und verschaffen sich Zutritt zu Wohnungen und Häusern, um deren Bewohner zu bestehlen. Dieser fiese Trick funktioniert ähnlich in gefälschter Rot-Kreuz-Montur oder einfach in Zivil: unter Vorspiegelung von Sammlungen für Corona-Opfer.

So können Sie sich vor Angriffen schützen:

  • Trennen Sie berufliche und private Nutzung von Laptop, Tablet & Co.!
  • Installieren Sie die jeweils aktuellsten Spam-Filter-Versionen!
  • Achten Sie bei E-Mail- und Web-Adressen auf geringfügige Abweichungen zu offiziellen Adressen!
  • Öffnen Sie keine Links oder Anhänge in dubiosen E-Mails! Leiten Sie diese auch nicht weiter!
  • Installieren Sie nur Apps aus offiziellen App Stores!
  • Holen Sie sich Ihre Informationen direkt von offiziellen und traditionellen Informationskanälen wie Ministerien, TV-Sendern, Zeitungen und offiziellen Nachrichtenportalen!
  • Schenken Sie scheinbar sensationellen Angeboten im Internet kein Vertrauen!
  • Legen Sie bei unbekannten Anrufern und Überraschungsgästen eine gesunde Portion Skepsis an den Tag!