Live-Vorführung: So schnell fängt der Adventkranz Feuer

147

Jedes Jahr nimmt zur Adventszeit nicht nur Lichterglanz und Vorfreude zu, sondern auch das Risiko von Wohnungsbränden. In einer gemeinsamen Pressekonferenz der BVS – Brandverhütungsstelle für Oö. (BVS Oö.) und dem Fachbereich Eigentumsschutz im KFV demonstrierten die Experten in einem Live-Versuch, wie leicht ein Brand entstehen kann und geben wertvolle Tipps zur Brandvermeidung. 

Linz, 25.11.2025. Jahr für Jahr kommt es in der Vorweihnachtszeit zu zahlreichen Bränden, die durch offene Flammen, Kerzen oder glimmende Dekoration ausgelöst werden. Besonders betroffen sind Adventkränze, Weihnachtsgestecke und Christbäume – sie stehen symbolisch für die festliche Zeit, sind aber zugleich potenzielle Brandquellen. Die Kombination aus trockenen Materialien, Wärmequellen und menschlicher Unachtsamkeit ist brandgefährlich.

Allein in Oberösterreich sind jährlich rund 100 Brandereignisse auf den unsachgemäßen Umgang mit Kerzen – etwa Adventkranzkerzen, Christbaumkerzen, Gedenklichter und Teelichter zurückzuführen. Mehr als die Hälfte dieser Brände ereignet sich in den Monaten November, Dezember und Jänner. Statistischen Aufzeichnungen der österreichischen Brandverhütungsstellen zufolge, entfallen rund 10 Prozent der durchschnittlich 48 Brandtoten pro Jahr in Österreich auf ein Brandereignis ausgelöst durch Kerzen und Teelichter – die Altersgruppe der über 65-jährigen ist besonders gefährdet.

„Letztlich sind es mangelnde Vorsicht, Unachtsamkeit und der sorglose Umgang mit offenem Licht und Feuer, die für die Vielzahl dieser Vorfälle verantwortlich sind“

Dr. Günther Schwabegger, Pressesprecher der BVS OÖ © KFV/Haider

Hauptursache: Unachtsamkeit!

So deutlich sich die Häufung von Bränden durch Kerzen rund um Weihnachten zeigt, so klar lassen sich auch deren Hauptursachen benennen: Häufige Fehler sind das unbeaufsichtigte Brennen lassen sowie ein zu geringer Abstand zu leicht entflammbaren Materialien.

„Letztlich sind es mangelnde Vorsicht, Unachtsamkeit und der sorglose Umgang mit offenem Licht und Feuer, die für die Vielzahl dieser Vorfälle verantwortlich sind“, erklärt DI Dr. Günther Schwabegger, Pressesprecher der BVS – Brandverhütungsstelle für Oberösterreich (BVS Oö.).

„Die stillste Zeit des Jahres ist nach wie vor eine der gefährlichsten“, BVS Oö.

Kerzen und festliche Dekoration sorgen für stimmungsvolle Atmosphäre in der Vorweihnachtszeit. Doch genau hier lauert die Gefahr: Werden Kerzen unbeaufsichtigt gelassen oder in der Nähe brennbarer Materialien platziert, kann es schnell kritisch werden. Besonders riskant sind Adventkränze, die schon mehrere Wochen alt sind – das trockene Reisig ist leicht entzündbar, die Kerzen oft fast niedergebrannt. Ein einziger Funke genügt, und die Dekoration steht in Flammen.

Was viele nicht wissen: Die Temperaturen, die bei einem solchen Brand entstehen, können in Sekunden gefährliche Ausmaße erreichen. Fängt ein Adventkranz Feuer, kann dieses auf Möbel, Vorhänge und andere Einrichtungsgegenstände übergreifen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

In diesem Video-Zusammenschnitt der Pressekonferenz sieht man wie schnell ein trockener Adventkranz Feuer fangen kann – und wie man ihn richtig löscht © KFV

Gefahr in der Küche durch Ablenkung an den Festtagen

In der mitunter hektischen Adventszeit kommt ein weiterer Risikofaktor hinzu: Wir freuen uns auf den Besuch von Familie und Freunden, backen Kekse, bereiten Speisen vor und möchten gleichzeitig Gastgeber sein. Doch ein kurzer Moment der Ablenkung reicht – und das Essen auf dem Herd gerät in Vergessenheit. Herdplatten bleiben eingeschaltet, Pfannen mit Fett überhitzen. Unachtsamkeit und Ablenkung beim Kochen sind brandgefährlich – im schlimmsten Fall steht die gesamte Wohnung in Flammen.

Prävention schützt

Die folgenden Sicherheitstipps tragen zur Vermeidung von Bränden und Unfällen bei:

  • Kerzen sollten nicht unbeaufsichtigt gelassen werden – besondere Vorsicht gilt, wenn sich Kinder oder Haustiere im Haushalt befinden!
  • Auf ausreichend Abstand zu brennbaren Materialien ist jedenfalls zu achten und auch das regelmäßige Austauschen von trockenen Gestecken und das rechtzeitige Entfernen abgebrannter Kerzen sind wichtige Schritte zur Sicherheit.
  • Besondere Vorsicht aufgrund erhöhter Brandgefahr ist bei trockenem Reisig geboten – beim Adventkranz ab der zweiten Dezemberhälfte, sowie bei Christbäumen rund um den Dreikönigstag.
  • Lichterketten mit Leuchtdioden (LED) sind eine Alternative zu Kerzen.
  • Löschmittel sollten immer griffbereit sein: Ein Krug Wasser kann bei einem kleinen Brand helfen, besser noch sind Löschdecken oder Feuerlöscher. Rauchmelder bieten zusätzlichen Schutz und können im Notfall Leben retten.

Rauchwarnmelder retten Leben! Ein funktionstüchtiger Rauchwarnmelder kann im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen. Gerade in der Advent- bzw. Weihnachtszeit, wenn viele Kerzen brennen, warnt er rechtzeitig vor gefährlichem Rauch. Besonders nachts, wenn Menschen schlafen, bleibt ein Feuer oft unbemerkt – der schrille Alarm des Melders weckt frühzeitig und ermöglicht lebensrettende Sekunden zur Flucht oder zum Eingreifen.

Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zu brennen beginnen gilt: ALARMIEREN – RETTEN – LÖSCHEN!

Gerade in der besinnlichsten Zeit des Jahres sollten wir auch die Sicherheit im Blick behalten. Wer sich der Risiken bewusst ist und einfache Vorsichtsmaßnahmen trifft, trägt maßgeblich zu einem schönen und vor allem sicheren Weihnachtsfest im Kreis der Familie bei.

Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Fachbereichs Eigentumsschutz im KFV:

Im bisherigen Jahresverlauf 2025 hat der Fachbereich Eigentumsschutz in der Präventionsinstitution KFV bereits 32 Todesfälle (per 1.1.2025 bis inkl. 17.11.2025) in Zusammenhang mit Wohnungsbränden in Österreich gezählt – die tatsächliche Zahl dürfte sogar noch höher liegen. Neben diesen, auf Medienberichten basierenden Erhebungen, interviewt das KFV jährlich mehr als 15.000 Personen in österreichischen Spitälern, die sich bei Unfällen verletzt haben – darunter auch Unfallopfer, die sich rund um die Weihnachtszeit durch den falschen Umgang mit Kerzen Verbrennungen zugezogen haben. Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Fachbereichs Eigentumsschutz im KFV erklärt dazu: „In einem Fall verbrannte sich ein Kind beispielsweise den Unterarm an einer Adventkranzkerze, als es nach dem dahinter stehenden Salzstreuer greifen wollte. In einem anderen Fall fingen die langen, offen getragenen Haare einer Frau Feuer, als sie eine Kerze ausblasen wollte.“

„Brennende Kerzen sollten daher niemals unbeaufsichtigt bleiben und stets von brennbaren Materialien wie beispielsweise Vorhängen und Tischtüchern ferngehalten werden“

Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Fachbereichs Eigentumsschutz im KFV

Neben solchen und ähnlichen Fällen, bei denen Menschen direkt durch Kerzenflammen verletzt werden, greifen die Flammen in anderen Fällen auch auf die Wohnung über. „In einem Fall ist ein Brandopfer im Schlafzimmer eingeschlafen, während eine auf der Holzkrippe brennende Kerze die Wohnung in Brand setzte. Die Person erlitt in weiterer Folge nicht nur schwere Verbrennungen, sondern auch eine Rauchgasvergiftung“, so Dr. Kaltenegger.

Ältere Menschen sollten besonders achtsam sein

Nicht nur Kinder freuen sich auf das Anzünden von Kerzen auf Adventkränzen – auch ältere Menschen schätzen das besinnlich flackernde Licht im Advent. Ältere Personen sind allerdings auch besonders gefährdet: Laut einer KFV-Studie stellen Menschen ab 65 Jahren im Schnitt rund die Hälfte aller Brandtoten in Österreich, obwohl sie nur knapp 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Dies zeigt sich auch in den Statistiken der Brandverhütungsstellen: Im Jahr 2023 sind mit 60 Getöteten überdurchschnittlich viele Menschen bei Bränden in Österreich ums Leben gekommen, wobei das Durchschnittsalter der Opfer bei knapp 67 Jahren lag.

Der KFV-Experte betont: „Mit zunehmendem Alter lassen Geruchssinn, Sehkraft und Hörfähigkeit naturgemäß nach. Dadurch kann ein Feuer zu spät bemerkt werden. Brennende Kerzen sollten daher niemals unbeaufsichtigt bleiben und stets von brennbaren Materialien wie beispielsweise Vorhängen und Tischtüchern ferngehalten werden.“ Doch auch wenn man ständig im Raum bleibt, während Kerzen brennen, besteht natürlich immer die Gefahr einzuschlafen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man daher statt auf Kerzen lieber auf LED-Lichter setzen. Diese empfiehlt der Experte nicht nur für Kerzen auf Adventkränzen, sondern auch auf Christbäumen – denn trockene Nadeln können sich bei Kontakt mit offenen Flammen binnen weniger Sekunden entzünden.

In den zumeist gut geheizten Wohnzimmern trocknen Christbäume im Winter sehr rasch aus. Daher kann bereits ein kleiner Funke ein verheerendes Feuer auslösen. LED-Lichterketten und batteriebetriebene Kerzen mit Flackereffekt schaffen eine ebenso stimmungsvolle, aber wesentlich sicherere Atmosphäre. Falls man aber dennoch auf brennende Kerzen nicht verzichten will, sollten Rauchwarnmelder, Löschdecke, Feuerlöscher und Erste Hilfe Kasten in keinem Haushalt fehlen.

Nummer der Feuerwehr wird häufig verwechselt

Ganz wichtig ist es aber auch die Nummer der Feuerwehr ins Mobiltelefon einzuspeichern oder diese zumindest zu kennen. Wie eine KFV-Erhebung nämlich zeigt, gaben 96 Prozent der Befragten zwar an diese zu kennen, tatsächlich konnten aber nur 81 Prozent die richtige Nummer (122) nennen. Häufig wird diese mit der Nummer von Polizei (133) oder Rettung (144) verwechselt. Diese Nummern sollte man natürlich ebenso wissen.

Presseaussendung .pdf