Vom Fluchtweg zur Todesfalle

Pro Jahr sterben im Schnitt 25 bis 30 Personen bei Bränden in den eigenen vier Wänden.

Rauchwarnmelder, Feuerlöscher aber auch die richtigen Fluchtwege können im Fall eines Falles lebensrettend sein. Dass das Freihalten von Fluchtwegen in Wien nicht immer selbstverständlich ist, zeigt ein Lokalaugenschein des KFV. Durch Fahrräder verstellte Durchgänge oder festgebundene Brandschutztüren sind in Wien keine Seltenheit. Insgesamt 3.847 Brände entfielen im Jahr 2016 auf den Zivilbereich. Das sind 52,5 Prozent aller Brandgeschehen in Österreich. 30 Menschen starben 2016 an den Folgen eines Brandes. „Mit dem Herbst steht uns die Hochsaison für Brände bevor", erklärt Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Forschungsbereichs Eigentumsschutz im KFV. „Zeit um jetzt Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen."

Bevölkerung für den Ernstfall schlecht vorbereitet

Für den Ernstfall sind viele Haushalte in Österreich nicht oder nur schlecht vorbereitet: zwar ken-nen laut einer Umfrage des KFV immerhin rund 83 Prozent der Befragten die Telefonnummer der Feuerwehr, zugleich bedeutet das aber auch, dass jeder 6. bei dieser Notrufnummer nicht sattelfest ist. Und: nur in etwa jedem zweiten Haushalt befinden sich gewartete Feuerlöscher. Wie Er-hebungen des KFV seit Jahren zeigen, wird die Brandgefahr in den eigenen vier Wänden generell stark unterschätzt. Rund 86 Prozent der Befragten halten einen Brand in ihrem eigenen Haushalt für eher unwahrscheinlich. „Dementsprechend schlecht ist die Bevölkerung auf einen tatsächlichen Brandfall vorbereitet. Neben Löschmöglichkeiten ist der richtige Fluchtweg ein Lebensretter", erklärt Kaltenegger.

Lokalaugenschein zeigt: Freihalten von Fluchtwegen nicht selbstverständlich

Im Falle eines Brandes ist es wichtig, die Wohnung so schnell wie möglich zu verlassen, schwie-rig wird das, wenn Gänge und Hausflure von Gegenständen versperrt sind oder sich Fluchttüren gar nicht öffnen lassen. Ein Lokalaugenschein des KFV in verschiedenen Mehrfamilienhäusern in Wien zeigt, dass das Freihalten von Fluchtwegen in Wien nicht immer selbstverständlich ist. „Wir haben durch Fahrräder verstellte Durchgänge oder festgebundene Brandschutztüren gefunden. Ein häufiger Fehler ist auch das Verstellen von Hausfluren mit Kinderwägen oder anderer brenn-barer Gegenstände wie Möbeln oder Schuhen", erläutert Kaltenegger.

Wohnungsbrände: Mythen vs. Realität

Risiken bergen überdies auch weit verbreitete Brand-Mythen, die sich hartnäckig halten und zu gefährlichen Fehleinschätzungen führen können. Das KFV hat die gängigsten Brand-Mythen zusammengetragen und auf ihre Gültigkeit überprüft:

„Ich brauche mich nicht zu schützen, denn ich passe sowieso sehr gut auf."

Irrtum. Elektrische Defekte sind häufige Brandursachen. Auch Brände im Keller oder Hausflur sowie ein Brand in der Nachbarwohnung können gefährlich werden.

„Der Rauch wird mich schon rechtzeitig aufwecken, wenn ich schlafe."

Eine gefährliche Fehleinschätzung. Der menschliche Geruchssinn funktioniert im Schlaf nicht. Dadurch wird der Brandgeruch im Schlaf nicht wahrgenommen. Bei einem Brand bilden sich darüber hinaus geruchlose Gase, die unbemerkt im Schlaf inhaliert werden. Wenige Atem-züge davon sind bereits tödlich!

„Wenn es brennt, hat man zum Verlassen der Wohnung mehr als 10 Minuten Zeit."

Stimmt nicht. Eine Rauchgasvergiftung kann bereits nach wenigen Minuten tödlich sein. Rechtzeitig durch einen Rauchwarnmelder gewarnt zu sein ist daher besonders wichtig.

„Beton und Stein brennen nicht. Ich bin nicht gefährdet, denn ich wohne in einem Betonhaus."

Beton brennt nicht. Vorhänge, Teppiche, Möbel oder Kleidung sind allerdings brennbar. 100g brennender Schaumstoff kann ausreichen, um lebensbedrohliches Rauchgas zu produzieren.

„Meine Wohnung vor Bränden zu schützen ist sehr teuer."

Nein. Ein Rauchwarnmelder kostet nicht mehr als ein paar Euro. Geprüfte Feuerlöscher sind schon ab 20 Euro erhältlich. Die Überprüfungskosten liegen üblicherweise unter 10 Euro.

„Ich bin Raucher und kann daher keine Rauchwarnmelder installieren."

Rauchwarnmelder funktionieren fotooptisch. Zigarettenrauch und brennende Kerzen lösen bei üblichem Gebrauch keinen Alarm aus. Sobald genügend Rauchpartikel in das Innere des Melders geraten, wird ein Signalton ausgelöst. Mit rund 85 Dezibel ist er laut genug, um jeden Schlafenden zu wecken und vor der drohenden Gefahr zu warnen.

„Ein Feuerlöscher kann bei falscher Bedienung explodieren und ist kompliziert in der Bedienung."

Stimmt nicht. Einen Feuerlöscher zu bedienen ist ganz einfach. Wegen ihrer universellen Ein-setzbarkeit für alle im Haushalt relevanten Brandklassen (A, B, C) sind Pulverlöscher am ein-fachsten zu handhaben und erzielen auch bei Anwendung durch Ungeübte ausgezeichnete Löschwirkungen. Das Löschpulver ist für den Menschen unbedenklich. Die richtige Handhabung ist auf jedem Feuerlöscher beschrieben und sollte dennoch, bevor es zu einem Notfall kommt, durchgelesen werden. Praktische Löschübungen schaffen Sicherheit im Umgang.

DI Dr. Arthur Eisenbeiss, BVS-Brandverhütungsstelle für OÖ:

Brandrauch, Gefahr auf leisen Sohlen!

80 bis 90 Prozent aller Brandtoten sterben vor oder überhaupt ohne direkte Feuereinwir-kung an den Auswirkungen von Rauchgasen. Dies zeigt, wie gefährlich der Brandrauch tatsächlich ist und worin bei einem Brand die größten Gefahren liegen. Umso wichtiger ist es, für den Brandfall die Flucht vor den gefährlichen Rauchgasen zu ermöglichen. Vor allem im mehrgeschoßigen Wohnbau sind Stiegen- bzw. Treppenhäuser wichtige Fluchtwege und daher rauchfrei aber auch frei von allen Lagerungen zu halten! Offenes Licht und Feuer, Wärmegeräte und defekte technische Geräte oder Anlagen zählen in privaten Wohnbauten zu den häufigsten Brandursachen. Gerade elektrische Defekte treten unvermutet auf, sorgen für Entstehungsbrände, die oft über längere Zeit unbemerkt bleiben, und stellen somit eine besonders hohe Gefahr dar. Egal wodurch es zum Brandausbruch kommt – nicht unmittelbar das Feuer, sondern der dabei entstehende Rauch stellt die wohl größte Gefahr für den Menschen dar, wie DI Dr. Arthur Eisenbeiss, Sprecher der österreichischen Brandverhütungsstellen, erklärt: „Je größer ein Gebäude ist und je mehr Menschen sich darin befinden, umso wichtiger ist es, ihnen im Brandfall die Flucht vor den gefährlichen Rauchgasen zu ermöglichen und sie nicht nur vor der Brandausbreitung, sondern auch vor Rauchverschleppungen von einer Wohnung in die andere, von einem Geschoß in das nächste oder etwa vom Keller in die darüber liegenden Wohnetagen zu schützen."

Die Gefährlichkeit des Brandrauchs

Was macht den Brandrauch aber so gefährlich? Schon verhältnismäßig geringe Rauchkonzentrationen können zu einer Rauchgas- bzw. einer Kohlenmonoxid-Vergiftung führen und Bewusstseinsveränderungen, Bewusstlosigkeit und in weiterer Folge den Todeseintritt bewirken. Dazu kommt, dass bei jedem Gebäudebrand auch Kunststoffe mitbrennen, wodurch wiederum zahlreiche neue Verbindungen frei werden, deren Wirkungen noch nicht gänzlich erforscht sind. Das Hauptproblem besteht aber meist im Kohlenmonoxid (CO), wie Eisenbeiss weiter erklärt: „Gelangt dieses gefährliche Atemgift über die Lunge in den Blutkreislauf, behindert es den Sauerstofftransport im Blut, was zum Tod durch Ersticken führen kann. Da es farb-, geruch- und geschmacklos und nicht reizend ist, wird es allerdings kaum wahrgenommen." Genau diese Eigenschaft mache das Kohlenmonoxid als Hauptbestandteil der Rauchgase besonders heimtückisch: „Gelangt es nämlich durch Deckenöffnungen, Kabel- und Rohrleitungen oder auch durch Türspalten in die Wohnung, wird die Bedrohung oftmals zu spät bemerkt."

Sichtbehinderung, Hitze, Saustoffmangel, Toxizität und Panik

Noch dramatischer wird es, wenn die Rauchkonzentration steigt, d.h. wenn Menschen unmittelbar dem Brandrauch ausgesetzt sind. Neben dem Sauerstoffmangel und der Toxizität kommen nun auch Sichtbehinderung und Hitze zum Tragen. „Der schwarze, dicke Brandrauch ist in keiner Weise mit Disco- oder Theaternebel zu vergleichen", so Eisenbeiss: „Der Brandrauch nimmt den betroffenen Personen jegliche Sicht und obendrein auch den Atem. Beide Faktoren gemeinsam lösen sehr häufig Panik und in weiterer Folge Fehlhandlungen aus, wodurch die Situation erst recht lebensgefährlich wird." So passiere es immer wieder, dass Menschen ihr Leben verlieren, weil sie in Panik geraten und über verrauchte Stiegenhäuser zu flüchten versuchen oder sogar aus Fenstern springen.

Bei Brandrauch ist keine Zeit zu verlieren

Daher gelte es, bei Auftreten von Brandrauch Ruhe zu bewahren und sich möglichst schnell in Sicherheit zu bringen. „Befindet man sich selbst in einem verqualmten Raum, ist jede Sekunde kostbar. Zugleich ist es höchst gefährlich, ohne Atemschutz in verrauchte Räume vorzudringen", betont der BVS-Direktor.

Schutz- vor Brand- und Rauchausbreitung

Um die Gefährdung durch Brandrauch zu vermeiden, sollte jeder Haushalt mit Rauchwarnmel-dern ausgestattet sein. Zusätzlich müssen in mehrgeschoßigen Wohnbauten bauliche Maßnahmen ergriffen werden, mit denen neben der Feuer- auch die Brandweiterleitung unterbunden wird – etwa durch den Einbau von Brandschutztüren oder mithilfe von „Brandschutzklappen", „Brandschutzmanschetten" oder „Brandschutzbeschichtungen" im Durchtrittsbereich von Rohrschäch-ten, Lüftungs- und Kabelschächten.

Treppenhäuser sind wichtige Fluchtwege!

Gleichzeitig gilt es, die Flucht aus dem Gefahrenbereich zu ermöglichen. In mehrgeschoßigen Wohnbauten sind hierfür die Stiegenhäuser von besonderer Bedeutung, die einerseits als Flucht- und andererseits als Rettungswege dienen. Auch wenn sie mit Rauchabzugsöffnungen z.B. in Form von Fenstern oder Lichtkuppeln versehen sind, müssen sie so weit wie möglich von allen Gegenständen freigehalten werden, die im Brandfall zur Verrauchung der Stiegenhäuser beitra-gen können. „Daher ist jegliche Lagerung im Treppenhaus zu vermeiden!", erklärt Eisenbeiss. Zugleich steht für ihn fest, dass in mehrgeschoßigen Wohnbauten – trotz baulicher Maßnahmen zur Vermeidung der Rauchweiterleitung – auch Nebenräume wie Keller oder Müllräume ver-schlossen und nur für die Bewohner betretbar sein sollten. „Wie die Praxis zeigt, werden sowohl durch den freien Zutritt zu diesen Räumen als auch durch darin befindliche Lagerungen Brandstiftungen erleichtert", so BVS-Direktor Arthur Eisenbeiss: „Selbst kleine Brände können zur großen Gefahr werden – es entsteht Brandrauch, der insbesondere in Mehrparteien-Wohnhäusern das Leben vieler Menschen bedroht!"

Sicherheitstipps für wirksamen Schutz vor Brandrauch

Szenario 1: Brand in der eigenen Wohnung

  • Wenn möglich (z.B. bei Entstehungsbränden): Brand mithilfe eines tragbaren Feuerlöschers bekämpfen bzw. löschen!
  • Sich selbst und andere in der Wohnung befindliche Personen in Sicherheit bringen!
  • Beim Verlassen der Wohnung die Türe(n) schließen
  • Feuerwehr alarmieren (Notruf 122) und beim Verlassen des Gebäudes andere Bewohner alarmieren!

Szenario 2: Verrauchtes Stiegenhaus (Brand in anderer Wohnung oder im Keller)

  • In der Wohnung bleiben und möglichst den Türspalt abdichten (z.B. feuchte Tücher, breites Klebeband o.ä., um Rauchverschleppungen zu vermeiden)
  • Weitere Türen zum Aufenthaltsraum schließen
  • Feuerwehr alarmieren
  • Am Fenster bemerkbar machen und auf Bergung durch die Feuerwehr warten!
  • Nicht springen!

Generelle Tipps:

  • Verrauchte Räume oder Bereiche umgehend verlassen! Ohne Atemschutz in verrauchte Räume vorzudringen, um andere Menschen zu suchen oder zu retten ist höchst gefährlich.
  • Keine verqualmten Flucht- bzw. Rettungswege benützen, sondern am Fenster oder Balkon bemerkbar machen!
  • Löschversuche nur unternehmen, wenn die Situation klar beurteilt werden kann und kein Risiko besteht.
  • Auch wenn man nur kurzzeitig dem Brandrauch ausgesetzt war: Arzt oder Krankenhaus aufsuchen!

Pressefotos

stehen Ihnen unter dem folgenden Link zum Download zur Verfügung: https://www.apa-fotoservice.at/galerie/15265

Abdruck honorarfrei. Bildnachweis: © KFV/APA-Fotoservice/Schedl

im Bild anbei v.l.n.r.: Dir. DI Dr. Arthur Eisenbeiss (BVS Brandverhütungsstelle für OÖ, Sprecher der österr. Brandverhütungsstellen) und Dr. Armin Kaltenegger (Leiter des Bereichs Eigentumsschutz im KFV)

Rückfragehinweis:

Pressestelle KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit)

Tel.: 05-77077-1919 I E-Mail: pr@kfv.at I www.kfv.at

 

BVS-Pressekontakt:

Mag. Gernot Bogner, bogner Werbung | PR

Tel: 0699-18922171, E-Mail: gernotbogner@me.com