So einfach ist es, in Österreich ein Fahrrad zu stehlen

Mehr als 75 Fahrräder werden durchschnittlich pro Tag in Österreich gestohlen. Eine aktuelle Erhebung des österreichischen Versicherungsverbandes VVO und des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) zeigt die Gründe für die hohen Zahlen: Falsch gesicherte Fahrräder machen es Dieben in Österreich zu einfach.

Das Fahrrad hat als Verkehrsmittel im Alltag und als Sportgerät in der Freizeit in Österreich zunehmend an Bedeutung gewonnen. „Mit der gestiegenen Anzahl an Radfahrern hat aber auch die Problematik der Fahrraddiebstähle kontinuierlich zugenommen. Die Fahrradbesitzer haben jedoch die Möglichkeit mit geringem Aufwand das Risiko eines Diebstahls selbst erheblich zu reduzieren“, weiß man im österreichischen Versicherungsverband VVO.

Jedes 20. Fahrrad ungesichert

28.018 Fälle von Fahrraddiebstahl wurden im Jahr 2015 in Österreich bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Wie eine aktuelle Erhebung des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) in den Landeshauptstädten Wien, Graz, Salzburg und St. Pölten zeigt, wird ein Großteil der Fahrräder oft nur sehr unzureichend gesichert (rund 65 %) und jedes 20. Fahrrad sogar gänzlich ohne Sicherung abgestellt. Mehr als die Hälfte der Fahrräder war dabei nur durch einfache Spiral- oder Kabelschlösser gesichert. „Diese simple Art von Schlössern kann von Dieben innerhalb weniger Sekunden unauffällig geknackt werden. Auch das beste Fahrradschloss kann einen Diebstahl nicht verhindern, wenn das Rad ohne feste Verankerung an einer Abstellanlage oder einem anderen ortsfesten Objekt einfach weggetragen werden kann“, erklärt KFV-Direktor Dr. Othmar Thann. „Rund jedes sechste Fahrrad wurde auf diese Weise abgestellt. Häufig werden Fahrräder zudem auch nur an dem Vorderrad abgesperrt. Durch ein Öffnen des Schnellspanners können Diebe in solchen Fällen ein Rad ohne jegliches Werkzeug mit einem Handgriff problemlos entwenden.“

Gut gesicherte Fahrräder: Wien holt auf

Die Erhebungsergebnisse zeigen hinsichtlich der Sicherungsart jedoch auch deutliche regionale Unterschiede. Der Anteil, der gut gesicherten Räder, die mit einem hochwertigen Schloss (Bügelschloss, Faltschloss, Panzerkabel) fest am Rahmen des Fahrrades und an einer Abstellanlage oder einem anderen festen Objekt gesichert waren, war in Wien am höchsten (rund 67 %), in St. Pölten und Graz deutlich niedriger (rund 26 % bzw. 18 %) und in Salzburg am niedrigsten (rund 10 %).

Diebe auf Schlosstypen spezialisiert

Das Diebstahlrisiko ist bei teuren Rädern wesentlich höher, weshalb Fahrräder mit einem Wert von über 600 Euro mit besonders hochwertigen Schlössern gesichert werden sollten. Die Erhebung zeigte auch, dass dieses Risiko den Fahrradbesitzern durchaus bewusst ist und Fahrräder in dieser Preiskategorie durchschnittlich deutlich besser gesichert werden. Da Diebe immer häufiger auch professionell vorgehen und mit entsprechenden Werkzeugen auch die besten Schlösser knacken können, sollte man Fahrräder jedoch grundsätzlich nicht über längere Zeit im Freien abgestellt lassen. Da sich manche Diebe auf bestimmte Schlosstypen spezialisieren, hilft auch der Einsatz von zwei unterschiedlichen Schlössern. Bei höherwertigen Rädern werden häufig auch nur einzelne Komponenten gestohlen, da die Teile mittels Schnellspanner in wenigen Sekunden abmontiert werden können. Hierbei können zusätzliche Komponentensicherungen Abhilfe schaffen, mit denen das Vorder- und Hinterrad bzw. die Sattelstütze oder auch andere Teile fixiert werden können.

Zunehmende Probleme ergeben sich auch durch von Dieben manipulierten Fahrradabstellanlagen. „Das wichtigste ist, dass das Fahrrad gesichert wird. Abschreckung schützt oft vor Diebstahl. Besonders hilfreich sind stabile und massive Bügelschlösser oder Panzerkabel. Je teurer ein Rad ist, umso besser muss es geschützt werden. Die Sicherungsmaßnahmen sollten ca. 10 Prozent des Kaufpreises ausmachen! Wenn nötig, muss man es auch mit in die Wohnräumlichkeiten oder Garage nehmen“, erläutert Mag. Herwig Lenz von der Kriminalprävention des Bundeskriminalamtes (.BK). Auch das Absperren des Fahrrades an anderen Objekten, wie Verkehrszeichenstehern ist nicht immer sicher, wenn diese mit wenigen Handgriffen abmontiert werden können. Bei Standorten mit längerer Abstelldauer, wie z. B. an Bahnhöfen, werden dafür zunehmend besonders sichere und überwachte Bike & Ride Stationen angeboten. Die Nutzung dieses Angebots wird grundsätzlich allen Radfahrern empfohlen, insbesondere aber Besitzern von teuren Rädern oder Personen, die ihr Rad über längere Zeit abstellen möchten. „Legen Sie sich einen Fahrradpass zu. Der Fahrradpass der Polizei, in dem die wichtigsten Daten – vor allem Seriennummer, Marke und Farbe ihres Fahrrades eingetragen werden, ist sehr praktisch! Falls etwas passiert, haben Sie zumindest die, für eine Anzeige notwendigen, Informationen gleich zur Hand! Der Fahrradpass ist auf der Homepage des Bundeskriminalamtes kostenlos downloadbar“, schließt Lenz.

 

Diebstahl von Fahrrädern/angezeigte Fälle

Bundesland20142015Veränderung absolutVeränderung %
Burgenland39047383+ 21,3%
Kärnten1520160888+ 5,8%
Niederösterreich41144107-7- 0,2%
Oberösterreich39923536-456- 11,4%
Salzburg20721918-154- 7,4%
Steiermark39374149212+ 5,4%
Tirol2196225357+ 2,6%
Vorarlberg983104562+ 6,3%
Wien94318929-502- 5,3%
Österreich
28635
28018
-617
- 2,2%

Quelle: .BK/Polizeiliche Kriminalstatistik

 

Rückfragehinweis:

VVO Versicherungsverband Österreich     
Mag. Dagmar STRAIF
T.: 01/711 56/289
F.: 01/711 56/270               
E.: dagmar.straif@vvo.at               
www.vvo.at

Bundeskriminalamt
Mario HEJL, MA  Pressesprecher
T.: 0664/614 37 44
E.: mario.hejl@bmi.gv.at
www.bundeskriminalamt.at