Rollendes Risiko

Im Jahr 2008 ereigneten sich 1.741 Unfälle in Österreich mit Beteiligung von Lkw über 3,5 t, bei denen 2.330 Menschen verletzt und 111 getötet wurden. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, wie viele Unfälle durch mangelnde Ladungssicherung verursacht werden: Die Angaben reichen von drei bis 26 Prozent. Demnach könnten in Österreich jährlich bis zu 30 Tote und rund 600 Verletzte durch mangelhaft gesicherte Ladungen auf Schwerfahrzeugen verursacht werden.

40 Prozent der Lkw: Ladungssicherung mangelhaft
Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) führte mit Unterstützung des BMVIT eine Studie durch, in der 142 Lkw auf Ladungssicherung überprüft wurden. Das erschreckende Ergebnis: Bei 40 Prozent der untersuchten Lkw wurden Mängel in der Ladungssicherung festgestellt. In jeweils einem Drittel der beanstandeten Lkw war die Ladung entweder gar nicht gesichert, falsch gesichert oder zwar richtig, aber unterdimensioniert gesichert. Häufige Fehler waren unzweckmäßige Freiräume zwischen den Ladungsstücken oder zur Stirnwand und schlechte Stapelung. Bei sechs Lkw war die Fracht sogar so unprofessionell verstaut, dass die Lenker eine Anzeige bekamen bzw. das Fahrzeug abstellen mussten. Sicherungsmittel waren in rund 20 Prozent der mangelhaft gesicherten Lkw entweder gar nicht vorhanden oder kaputt und zerschlissen – das heißt eine ordnungsgemäße Sicherung war in diesen Schwertransportern gar nicht möglich. Besonders schlecht gesichert waren große Einzelstücke, Rohre, Rollen und Fässer.

Vormerksystem bringt Bewegung
Seit 1. Juli 2005 zählt nicht ordnungsgemäß gesicherte Ladung zu den Vormerkdelikten. Zusätzlich zur Geldstrafe (bis EUR 5.000) droht auch eine Eintragung ins Führerscheinregister. Wenn die Lkw-Fahrer der Exekutive ins Netz gehen, sind die Erklärungen der Lkw-Fahrer meist lapidar: „Ich fahre ohnehin vorsichtig und habe es immer so gemacht.“ Informations- und Aufklärungsbedarf ist also gegeben, denn von falscher Sicherung bis Überladung kommt alles vor.

Seit der Einführung des Vormerksystems ist auch der Bedarf an Schulungen sprunghaft angestiegen. Ab September 2009 müssen Berufskraftfahrer der Klasse C für die Erhaltung ihrer Qualifikation alle fünf Jahre 35 Stunden Weiterbildung durchlaufen, davon sind fünf Stunden für Ladungssicherung vorgesehen. Das KFV hat aus diesem Anlass die Qualität der Schulungen untersucht. Das unbefriedigende Ergebnis: Nur drei der sieben Lehrbücher decken mehr als die Hälfte der Inhalte der „Best Practice Guidelines on Cargo Securing“ ab, kein einziges mehr als zwei Drittel. Diese Best Practice Guidelines sind ein Europäisches Ladungssicherungshandbuch, das unter Beteiligung des KFV von einer Expertengruppe der Europäischen Kommission erstellt wurde.

Zielsichere Schulungen
Die Gruppe der von Ladungssicherung betroffenen Personen ist sehr inhomogen. Sie reicht von den Lkw-Fahrern und Lagerarbeiten über Produktingenieure – diese müssen Produkte so gestalten, dass sie nach der Herstellung beim Transport angemessen verpackt, verstaut und gesichert werden können – bis zu Exekutivbeamten. Um diese Vielfalt an Wissensbedarf systematisch fassen zu können, wurde eine Liste all dessen erstellt, was man zum Thema Ladungssicherung wissen kann. Für jede Personengruppe wurde vorgeschlagen, wie genau diese bei jedem der Themen Bescheid wissen sollte. Für Schulungsanbieter genauso wie für Kunden wurde eine Checkliste geschaffen, mit der ein Vergleich zwischen Schulungsangebot und Bedarf vereinfacht möglich ist. Weil es nicht nur für die Ausbildungen kaum inhaltliche Vorschriften gibt, sondern auch nicht für Lehrende, wurden Richtlinien für die Qualifikation von Ausbildnern vorgeschlagen. Damit sollen sich auch die Kunden von Ladungssicherungsschulungen besser orientieren können, wie gut ein Schulungsangebot ist.

Organisation und Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Ähnlich wie dies bei Arbeitssicherheit, Abfallbehandlung oder Umweltaspekten der Fall ist, sollte es in den Unternehmen auch eine zentrale Ansprechperson für Ladungssicherung geben: den Ladungssicherungsbeauftragten. Dieser sollte Aufgaben der Ladungssicherung nicht nur innerbetrieblich organisieren, sondern auch nach außen. In enger Beziehung zwischen Hersteller, Transporteur und Kunde könnte z.B. vermieden werden, dass Waren für den Transport so verpackt werden, dass sie nicht vernünftig gesichert werden können, oder als Folge von Kommunikationsfehlern Fahrzeuge geschickt werden, die für eine bestimmte Ladung ungeeignet sind.

So sichert man richtig
Richtige Ladungssicherung beginnt mit dem geeigneten Fahrzeug. Wichtige Kriterien dafür sind entsprechende Festigkeiten der Laderaumbegrenzungen und Zurrpunkte in ausreichender Anzahl und Belastbarkeit. Außerdem gibt es für bestimmte Ladungstypen besonders ausgestattete Fahrzeuge. Der nächste Schritt ist eine gute Planung der Beladung und Ladungssicherung. Ein Ladeplan muss auf die Lastverteilung und Sicherungsmöglichkeiten – vor allem bei Teilentladungen – Rücksicht nehmen. Die wirtschaftlichste Sicherungsmethode (Blockieren, Niederzurren, Direktzurren) sollte gefunden und entsprechend dimensioniert werden. Schließlich müssen geeignete Zurrmittel (Zurrgurte, Zurrketten) und Hilfsmittel wie Keile und Antirutschmatten verwendet werden. Damit die Fracht gut und sicher ankommt.

Website speziell für Kleintransporter
Die Regelungen des Vormerksystems gelten für alle Kraftfahrzeuge. Darum, egal ob Botendienst, Servicefahrzeuge oder kleine Baustellenfahrzeuge, auch hier ist Ladungssicherung ein wichtiges Thema. Eine Plattform unter Beteiligung des KFV – in Kooperation mit Sortimo, Logicline, Humer, Berner, Leaseplan, Fiat, Iveco, AUVA, ÖAMTC und der NÖ Landesregierung – hat einige interessante Kurzfilme produziert und andere wertvolle Informationen zusammengetragen. Wissenswertes über Ladungssicherung wird hier auch auf unterhaltsame Weise dargestellt, wenn „Anton, der Transporteur“ einfach alles falsch macht. Lesen Sie mehr unter www.sicher-transportieren.at.

Download

Broschüre: Ladungssicherung - Erfolg durch Training und Organisation
Die Broschüre fasst die wichtigsten Regeln der Ladungssicherung zusammen und legt dabei einen Fokus auf Punkte, die häufig nicht in Ladungssicherungshandbüchern stehen - wie etwa typische Fehler rund um die Organisation eines Transports, Ausbildung und betriebliche Organisation.

Themenliste
Die Themenliste bietet u.a. einen Querschnitt der Inhaltsverzeichnisse zahlreicher Ladungssicherungshandbücher - ergänzt um Zusatzinformationen des KfV - und stellt damit umfassend die Themenfelder zur Ladungssicherung dar.

Bewertungsbogen
Eine Unterstützung für alle, die eine Schulung zum Thema Ladungssicherung besuchen wollen, um von einem Anbieter derartiger Schulungen detaillierte Informationen einholen und das vermittelte Wissen qualitativ einordnen zu können.

Research Letter
Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Ladungssicherung

Weitere Informationen
Ergebnisse sind in der "Zeitschrift für Verkehrsrecht" und der "Zeitschrift für Verkehrssicherheit" veröffentlicht. Auf Anfrage ist beim KfV außerdem ein ausführlicher technischer Bericht zum Projekt erhältlich.

Verkehr & Mobilität

Gurt

Beinahe jeder zweite aller getöteten PKW-Insassen im Straßenverkehr war zum Zeitpunkt des Unfalls ohne Gurt unterwegs.

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