
Gefahrenstelle Autobahnbaustelle?
Auf Autobahnbaustellen müssen sich Kfz-Lenker besonders konzentrieren und schnell umdenken, um die veränderte Verkehrssituation zu meistern. 2006 passierten auf Autobahnbaustellen 121 Unfälle, bei denen 187 Personen verletzt und drei getötet wurden. Gemessen an allen 2.221 Unfällen mit Personenschäden auf österreichischen Autobahnen machten die Baustellenunfälle somit 5,45 Prozent aus. Aus subjektiver Sicht fühlen sich Autofahrer auf Autobahnbaustellen zu 58 Prozent sicher oder eher sicher, wie aus einer Befragung im Rahmen eines KFV-Projekts hervorgeht. Weitere 39 Prozent empfinden Autobahnbaustellen als nicht oder eher nicht sicher. Daher wurde das Unfallgeschehen auf Autobahnen mit und ohne Baustellen in den Jahren 2001 bis 2005 analysiert und außerdem untersucht, auf welchen Baustellenabschnitten die Gefahr lauert. Fazit: Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls auf einer Autobahnbaustelle ist um ein Zehntel höher als auf freien Autobahnabschnitten. Die Wahrscheinlichkeit, auf einer Baustelle tödlich zu verunglücken ist aber um mehr als die Hälfte niedriger als auf Autobahnen ohne Baustellen. Knackpunkte sind die Vorlauf- und Verzweigungsbereiche von Baustellen: Hier passieren die meisten Unfälle, oft ausgelöst durch zu hohe Geschwindigkeiten und zu wenig Sicherheitsabstand.
Baustellen: Unfallwahrscheinlichkeit höher, Verletzungsschwere aber deutlich geringer
Das Autobahnnetz ist in den Jahren zwischen 1985 und 2005 um rund 35 Prozent gewachsen und hat derzeit eine Länge von rund 1.700 Kilometern. Im gleichen Zeitraum ist die Fahrleistung von 8,3 Milliarden Kilometer pro Jahr auf rund 19,8 Milliarden Kilometer pro Jahr angestiegen. Mit dem hohen Anteil an Lkw-Verkehr und die entsprechende Straßenabnutzung ist klar, dass die österreichischen Autobahnen nie völlig baustellenlos sein werden. Nach einer Serie schwerer Baustellenunfälle in den Jahren 1998 bis 2000, bei denen insgesamt 46 Menschen starben (1998: 12; 1999: 17; 2000: 17), wurden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft – mit dem Effekt, dass die Verletzungsschwere in den letzten Jahren spürbar abgenommen hat, obwohl die Zahl der Unfälle selbst nicht nachhaltig verringert werden konnte. Die Wahrscheinlichkeit, auf einer Autobahnbaustelle einen Unfall zu haben, ist um rund elf Prozent höher als auf freien Autobahnen. Allerdings starben in den Jahren von 2001 bis 2005 auf baustellenfreien Autobahnen fünf Prozent der verunglückten Personen und beinahe jede dritte Person wurde schwer verletzt. Bei Unfällen auf Autobahnbaustellen verloren hingegen zwei Prozent der Verunglückten ihr Leben und jeder vierte Verunglückte wurde schwer verletzt.
In welchen Baustellenabschnitten kracht es?
Für den Sicherheitsvergleich der einzelnen Baustellenabschnitte wurden alle Baustellen von längerer Dauer in den Jahren 2004 und 2005 herangezogen und jene ausgeklammert, die kürzer als zwei Kilometer lang waren. „Organisatorisch“ gliedert sich eine Autobahnbaustelle in den Vorlaufbereich (Ankündigung der Baustelle, Geschwindigkeitsreduktion), in den Verzweigungsbereich (Fahrbahnverengung und ggf. Überleitung auf die Gegenfahrbahn), in den eigentlichen Baustellenbereich und die abschließende Entzweigung. Die Untersuchung ergab, dass die Unfallwahrscheinlichkeit im Vorlauf und im Verzweigungsbereich einer Autobahnbaustelle vier Mal höher ist als im Durchschnitt auf baustellenfreien Autobahnabschnitten. Vor allem Lkw über 3,5t weisen im Verzweigungsbereich hohe Unfallraten auf. Im eigentlichen Baustellenbereich selbst sinkt die Unfallwahrscheinlichkeit stark ab und liegt unter dem österreichischen Durchschnitt von Autobahnen ohne Baustellen. Beim Ausfahren aus der Baustelle, steigt die Unfallrate wieder an und ist knapp doppelt so hoch wie der Österreichdurchschnitt auf „freien“ Autobahnen.
Welche Unfälle passieren auf Baustellen?
Vergleicht man die Unfalltypen auf Autobahnen mit und ohne Baustellen, wird besonders deutlich, welche Rolle Geschwindigkeit und Abstand spielen. Auffahrunfälle sind sowohl auf Autobahnen ohne als auch bei Autobahnen mit Baustellen der häufigste Unfalltyp. Allerdings passieren sie mit einem Anteil von 65 Prozent auf Autobahnbaustellen weit öfter als auf baustellenfreien Autobahnabschnitten (44 %). „Meistens wird auf ein stehendes Hindernis aufgefahren, vor allem der Verzweigungsbereich ist davon betroffen. Demnach passierten diese Unfälle entweder bei Stauungen oder weil der Lenker zu schnell in den Baustellenbereich eingefahren ist“, erklärt Robatsch. Kollisionen beim Fahrstreifenwechsel ereignen sich ebenfalls hauptsächlich im Vorlauf und in der Verzweigung, kommen aber auf Abschnitten mit und ohne Baustellen anteilsmäßig ähnlich oft vor (14 % bzw. 15 %).
Empfehlungen des KFV für die Sicherheit auf Autobahnbaustelle
Grundsätzlich haben wir auf österreichischen Autobahnbaustellen bereits einen sehr hohen Sicherheitsstandard erreicht. Mit den verbindlichen Richtlinien RVS 05.05.41 und 05.05.42 gibt es bereits sehr gut ausgearbeitete Vorschriften, die auch ihre Wirksamkeit zeigen, wenn sie umfassend befolgt werden. Die Analyse hat aber gezeigt, dass die Vorlauf- und Verzweigungsbereiche Gefahrenpotenziale bergen, die noch entschärft werden können. Oberstes Ziel sollte sein, den Kfz-Lenker auf die bevorstehenden Änderungen so vorzubereiten, dass abruptes Abbremsen vermieden wird und ein homogener Verkehrsfluss im Vorlauf und Verzweigungsbereich entsteht. Folgende Maßnahmen könnten hier Wirkung zeigen:
Frühere Baustellenankündigung und Hinweise auf Staus, zum Beispiel durch
- mobile Verkehrsbeeinflussungsanlagen
- verstärkter Einsatz von Radargeräten
- Abstandsüberwachung mit Warnanzeigen
- Einsatz der Section Control auf problematischen Baustellenabschnitten
- kürzere Betriebszeiten der Baustellen
Abgesehen von baulichen Maßnahmen wird aber gerade auf Baustellen eine internationale Problematik deutlich. Ausländische Verkehrsteilnehmer halten sich oft nicht an die vorgegebenen Beschränkungen. Deswegen sollten die Strafen so weit angehoben werden, dass eine Strafverfolgung möglich ist.




