Junge Hochrisikolenker ausbremsen

Seit 1. Januar 2003 hält man nach der Fahrprüfung den begehrten rosa Schein zwar in Händen – um ihn zu behalten, müssen Führerscheinneulinge jedoch noch etwas leisten: Die Mehrphasen-Fahrausbildung umfasst neben der Ausbildung bis zur Führerscheinprüfung nämlich eine weitere Ausbildungsphase mit Fortbildungsmaßnahmen. So sollen die angelernten Fehler der ersten Monate ausgemerzt und die jungen Fahrer auf Risiken aufmerksam gemacht werden.

Die Mehrphasen-Fahrausbildung setzt sich aus Perfektionsfahrten mit einem Fahrlehrer und einem Fahrsicherheitstraining inklusive verkehrspsychologischem Gruppengespräch zusammen. Abhängig davon, welche Lenkberechtigung erworben wurde, müssen diese Ausbildungsschritte innerhalb der vorgesehen Frist absolviert werden. Nach Ablauf der letzten Frist beginnt die Behörde zu mahnen. Im schlimmsten Fall drohen dem Neuling Probezeitverlängerung und Führerscheinentzug.

Perfektionsfahrten
Perfektionsfahrten dauern etwa zwei Stunden und finden in Begleitung eines speziell geschulten Fahrlehrers im Straßenverkehr statt. Während der Fahrt (50 Minuten) und in einer Nachbesprechung (ebenfalls 50 Minuten) erhält der Kandidat eine professionelle Rückmeldung über sein Fahrverhalten. Dabei werden Selbst- und Fremdbild seines Fahrverhaltens gegenübergestellt. Die wesentlichsten Inhalte der Perfektionsfahrten sind Blicktechnik, defensive Fahrweise, Verhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern u.a. Die Perfektionsfahrten können bei einer Fahrschule nach freier Wahl absolviert werden, Fahrten mit dem eigenen Pkw sind möglich.

Fahrsicherheitstraining
Das Fahrsicherheitstraining dauert insgesamt sechs Stunden. Bei diesem Training sollen vor allem Strategien zur Gefahrenbewältigung (richtiges Reagieren) und zur Vermeidung von Gefahren im Straßenverkehr aufgezeigt werden. In speziellen Fahrsicherheitszentren werden Übungen (z.B. Bremstechnikübungen, Ausweichübungen, richtiges Kurvenfahren oder Korrigieren eines über- oder untersteuernden Pkws) geprobt. Das Fahrsicherheitstraining für Pkw gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil.

Verkehrspsychologisches Gruppengespräch
Das verkehrspsychologische Gruppengespräch findet am selben Tag wie das Fahrsicherheitstraining statt und dauert zwei Mal 50 Minuten. Hier diskutieren Führerscheinneulinge etwa über typische Unfalltypen und Themen wie Alleinunfälle, Auslebenstendenzen, soziale Verantwortungsbereitschaft oder die eigene Risikoeinschätzung. Durch das Gruppengespräch lernen die Teilnehmer mit individuellen Risiken im Straßenverkehr besser und sicherer umzugehen.

Ausbildungsmodus L 17
Nach der bestandenen Führerscheinprüfung machen L17-Lenker zwei Trainings:

1. Schritt: Fahrsicherheitstraining mit einem verkehrspsychologischen Gruppengespräch (ein Tag) innerhalb von drei bis neun Monaten nach der Prüfung.

2. Schritt: Perfektionsfahrt (2 mal 50 Minuten) innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der Prüfung.

Ausbildungsmodus Klasse B
Nach der bestandenen Prüfung für die Klasse B sind drei Fortbildungsschritte zu absolvieren:

1. Schritt: 1. Perfektionsfahrt (2 mal 50 Minuten) innerhalb von zwei bis vier Monaten nach der Prüfung.

2. Schritt: Fahrsicherheitstraining mit verkehrspsychologischem Gruppengespräch (ein Tag) innerhalb von drei bis neun Monaten nach der Prüfung.

3. Schritt: 2. Perfektionsfahrt (2 mal 50 Minuten) innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der Prüfung; mindestens drei Monate nach der 1. Perfektionsfahrt.

Ausbildungsmodus Klasse A
Nach der bestandenen Prüfung ist für alle Motorradfahrer Folgendes Pflicht:

1. Schritt: Fahrsicherheitstraining mit verkehrspsychologischem Gruppengespräch (ein Tag) innerhalb von drei bis neun Monaten nach der Prüfung.

Lenkberechtigung A und B
Auch wenn die Lenkberechtigungen der Klassen A und B gleichzeitig erworben wurden, so müssen die einzelnen Ausbildungsschritte für beide Führerscheinklassen getrennt voneinander besucht werden.

Keine Prüfungen
Die Teilnahme an diesen Ausbildungsschritten ist zwar verpflichtend, allerdings gibt es keine Prüfungen oder Leistungsbeurteilungen, die eine Auswirkung auf die erteilte Lenkberechtigung haben. Im Rahmen des Fahrsicherheitstrainings und der Perfektionsfahrten steht Feedback und die gemeinsame Besprechung von Verhaltensweisen im Straßenverkehr im Vordergrund. Diese Ausbildungsform bietet Führerscheinneulingen die Chance, etwas dazu zu lernen.

Rechtliche Grundlagen
Die rechtlichen Grundlagen der Mehrphasen-Fahrausbildung finden sich im Führerscheingesetz und in der Führerscheingesetz-Durchführungsverordnung.

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