
EU-Projekt PROLOGUE
Bisherige Methoden der Fahrverhaltensbeobachtung mussten sich wegen der fehlenden technischen Möglichkeiten immer auf bestimmte Aspekte des Fahrverhaltens beschränken. Die eingesetzte, schwerfällige Technik und die Anwesenheit von Beobachtern schuf außerdem eine offensichtliche Laborsituation mit dem Nachteil, dass beobachtete Fahrzeuglenker mitunter nicht ihr alltägliches Verhalten an den Tag legten. Völlig neue Wege der wissenschaftlichen Beobachtung schlägt die Forschungsmethode des „Naturalistic Driving“ (ND) ein, die in den USA bereits erfolgreich umgesetzt wird und nun auch in Europa Fuß fassen soll. Mit dem EU-Projekt PROLOGUE (PROmoting real Life Observations for Gaining Understanding of road user behaviour in Europe) sollen zunächst einheitliche technische und methodische Voraussetzungen für ND-Forschungen geschaffen werden. Nach dieser Vorbereitungsarbeit sollen in allen Ländern der EU ND-Experimente stattfinden und die Ergebnisse in einer Datenbank zusammengeführt werden. Damit könnte die europäische Verkehrssicherheitsforschung auf eine repräsentative Datenquelle zurückgreifen und auch interkulturelle Vergleiche anstellen.
Beim Ansatz des Naturalistic Driving sind sich die teilnehmenden Testpersonen zwar bewusst, dass sie bei ihren Fahrten beobachtet werden, die Beobachtungssituation tritt aber durch den Einsatz des eigenen PKW und durch sehr unauffällig installierte Video-, Sensor- und Speichersysteme stark in den Hintergrund. Zusätzlich erstrecken sich die Beobachtungszeiträume auf bis zu sechs Monate, dadurch ist die Wahrscheinlichkeit eines unverfälschten Verhaltens der Testpersonen wesentlich größer. Der wichtigste Punkt der neuen Forschungsmethode: Es werden Gesamtsituationen aufgezeichnet. Vom Verhalten des Fahrers und den Daten der Fahrzeugbewegung bis hin zu Umgebungsfaktoren wie z.B. voranfahrenden Fahrzeugen. Durch diese umfassende Darstellung kann wesentlich detaillierter als bisher untersucht werden, welches Verhalten dem Entstehen von Konflikten, Gefahrensituationen, Beinahe-Unfällen und Unfällen vorangeht, und wie Lenker in solchen Situationen reagieren.
PROLOGUE startete am 1.8.2009 und wird zwei Jahre dauern. Die Leitung des Projekts hat die niederländische SWOV übernommen. Als österreichische Partner sind das Kuratorium für Verkehrssicherheit und Test & Training International beteiligt. Weitere Projektpartner: CERTH-HIT (GR), die Universitäten Loughborough (UK) und Valencia (ES), TNO (NL), TØI (NO), Or Yarok (Israel).
