
Intelligente Verkehrssysteme und Telematik Systeme & Services
Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) beschäftigt sich aktiv mit der Evaluierung, Anwendung und Verbreitung intelligenter Verkehrssysteme. Der Fokus unserer Expertise liegt dabei auf der Frage, welchen Beitrag diese Systeme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit leisten können.
Im Rahmen der Verkehrssicherheitsarbeit können intelligente Verkehrssysteme (IVS, auch Intelligent Transport Systems (ITS) genannt) und Telematik Systeme und Services (Telematik = Telekommunikation, Automation und Informatik) beispielsweise innerhalb folgender Themenbereiche eingesetzt werden:
Unfallforschung
- Mobilitätsverhalten (Reisemittelwahl, Routenwahl, Fahrthäufigkeit …) und Unfallursachen
- Fahrverhalten und Unfallursachen
Unfallvermeidung
- Straßen- und Schienenzustandsüberwachung
Beispiel „Dynamische Warnungen“
Wo sich klassische Maßnahmen als wirkungslos erwiesen haben, werden im Rahmen der Sanierung von Unfallhäufungsstellen vermehrt Intelligente Warnanlagen (Dynamic Messaging) eingesetzt. Damit können an unfallträchtigen Stellen (z.B. Kurvenbereiche im Freiland) geschwindigkeitsabhängige oder eventuell fahrzeugspezifische Warnungen angezeigt werden (Lkw-Fahrer: einen Gang runterschalten!). - Fahrerassistenzsysteme
Beispiel „Intelligente Geschwindigkeitsadaption“
Während sich die meisten "intelligenten" Applikationen heute auf die Autobahn konzentrieren, gibt es für Ortsgebiete, wo über die Hälfte aller Unfälle passieren, kaum entsprechende Lösungsansätze.
Die Ausnahme bildet die "Intelligente Geschwindigkeitsadaption" (Intelligent Speed Adaptation – ISA), die innerorts eine Unfallreduktion von bis zu 25 Prozent erzielen kann. Durch Ton- oder Lichtsignale wird der Fahrer über das lokal verordnete Tempolimit informiert und bei Überschreitungen – zum Beispiel durch einen erhöhten Widerstand des Gaspedals – gewarnt. Es handelt sich dabei um ein freiwilliges Fahrer-Assistenzsystem und keinen Geschwindigkeitsbegrenzer. Im Notfall ist die Beschleunigung über das Tempolimit hinaus jederzeit möglich.
Die ersten Versuche fanden in Schweden, Holland und Großbritannien statt. Die Resultate waren nicht nur Sicherheitsgewinne, sondern die überraschend hohe Zustimmung bei den Testfahrern. ISA ist eine vergleichsweise kostengünstige Ergänzung zu den klassischen Methoden der Straßenraumgestaltung. - Intelligent Car & Infrastructure (Car2Car & Car2Infrastructure Communication)
Notfallsysteme
- eCall – automatisierte Hilfe und schnellere Rettungskette
- Personal Safety Systems
Verkehrsmanagement und Verkehrssteuerung
- Verkehrsinformation
Beispiel „Verkehrsbeeinflussungsanlagen“
In einigen Ländern der EU wird seit Jahren erfolgreich auf problematischen Autobahnabschnitten Streckensteuerung betrieben. Das Tempolimit wird dabei in Abhängigkeit von Verkehrsmenge, Verkehrsablauf und Wetterlage adaptiert. Die Anzeige mittels Wechselverkehrszeichen wird mit Zusatzinformationen (z.B. Stau) erweitert, um bessere Akzeptanz zu erreichen. Die Erfahrungen zeigen Unfallreduktionen zwischen 25 und 40 Prozent. Bei der Staubildung zeigen sich ebenfalls positive Effekte. - Verkehrsmonitoring
Beispiel „Section Control“
Als besonders erfolgreich hat sich die abschnittsweise Tempoüberwachung herausgestellt. Auf bestimmten Streckenabschnitten wird die Durchschnittsgeschwindigkeit einzelner Fahrzeuge errechnet. Bei Überschreitungen wird das Kennzeichen automatisch entziffert, Strafen werden ebenso automatisch verschickt. Im Wiener Kaisermühlentunnel wurde um rund 1,5 Millionen Euro Österreichs erste Section Control-Anlage errichtet.
Im Vorher-Nachher-Vergleich zeigte sich, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit durch diese Maßnahmen von 85 auf 75 km/h gesunken war. Und der besonders positive Effekt: Im ersten Jahr nach Inbetriebnahme der Section Control gab es bei fünf Unfällen keine Toten, und auch die Verletzungsschwere wurde durch die geringere Geschwindigkeit deutlich reduziert (sieben Leichtverletzte). Die volkswirtschaftlichen Unfallkosten betrugen in dieser Zeit lediglich 60.000 Euro. Vergleicht man Kosten und Nutzen miteinander, so spart die Anlage rund fünf Mal mehr an Unfall- und Umweltkosten ein, als sie letztendlich gekostet hat.
Die Section Control-Anlage im Wechselgebiet der A2 überwacht bei trockener Fahrbahn die erlaubten 130 km/h für Pkw, 100 km/h bei Bussen und 80 km/h bei Lkw. Setzt Schneefall oder Regen ein, werden die Tempolimits durch Wechselverkehrszeichen auf 80 km/h reduziert und überwacht.
Mittlerweile ist auch eine mobile Section Control zur Überwachung von Autobahnbaustellen im Einsatz.
Kosten-Nutzen-Verhältnis
- Kollektive vs. individuelle Systeme
- Wirtschaftlicher Nutzen durch Erhöhung der Verkehrssicherheit
Dienstleistungen des KFV in den Bereichen IVS & Telematik
Telematiksysteme in vielfältigen Ausprägungen gibt es bereits seit Jahrzehnten, die Potenziale im Hinblick auf eine höhere Verkehrssicherheit sind jedoch noch nicht ausgeschöpft. Die Beurteilung der Wirksamkeit und des tatsächlichen Nutzens von IVS und Telematiksystemen sind oftmals schwierig; häufig sind nur unzureichende Informationen über die Funktionen, Kosten und Effekte bekannt.
Das KFV bietet Beratungsdienstleistungen an, die Systemanbietern, Endnutzern und Behörden helfen können, geeignete Systeme und Services zielgerichtet einzusetzen oder zu optimieren. Neben rein technischer Beratung ist auch die Entwicklung von Einsatzkonzepten möglich.
Durch die Anwendung von Telematiksystemen kann der Anwender seine Transportprozesse sicherer und effizienter gestalten, seine persönliche Sicherheit und die seiner Familie und Mitarbeiter erhöhen sowie einen aktiven Beitrag zur allgemeinen Erhöhung der Verkehrssicherheit leisten.
Sowohl die EU als auch das österreichische Verkehrsministerium haben Initiativen zur Förderung von IVS und Telematikanwendungen gestartet (IVS-Actionplan, IVS-Richtlinie), um die Effekte von IVS-Systemen besser nutzen zu können – für den Einzelnen und für die Gesellschaft.

