
Kosten und Nutzen von Verkehrssicherheitsmaßnahmen im Vergleich: ROSEBUD
Bei ROSEBUD (Road Safety and Environmental Benefit-Cost and Cost-Effectiveness Analysis for Use in Decision Making) handelt es sich um ein thematisches Netzwerk zum fünften Forschungsförderungs-Rahmenprogramm der Europäischen Union. ROSEBUD hat sich zum Ziel gesteckt, die Berücksichtigung von Kosten und Effizienz bei der Auswahl von Verkehrssicherheitsmaßnahmen zu fördern.
Die Frage, die im Vorfeld der Einführung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen am häufigsten gestellt wird, ist, wie viele Unfälle mit Verkehrstoten reduziert werden können. Bislang wird über Verletzte, Unfallraten und dergleichen gesprochen, so gut wie nie jedoch darüber, was Verkehrssicherheitsmaßnahmen wirklich kosten und bringen. Da die Budgets für Verkehrssicherheit aber begrenzt sind, stellt sich zwangsläufig auch die Frage, ob dem eingesetzten Geld auch ein entsprechender Effekt gegenüber steht. Wenn große Summen in die Lösung von einzelnen Verkehrssicherheitsproblemen investiert werden, überlegt der logisch denkende Ökonom: Könnte man um dasselbe Geld nicht auf andere Weise noch viel mehr erreichen?
Verfahren für die Effizienzbewertung:
Zwei Verfahren haben sich in den letzten Jahren für den Zweck der Effizienzbewertung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen als am praktikabelsten herausgestellt:
- Kosten-Effizienz-Analyse (Cost-Effectiveness-Analysis, CEA). Damit wird geprüft, wie viel Geld ausgegeben werden muss, um mittels einer Maßnahme ein bestimmtes Verkehrssicherheitsziel zu erreichen (z.B. Euro pro gerettetem Todesopfer)
- Kosten-Nutzen-Analyse (Cost-Benefit-Analysis, CBA). Damit werden auf volkswirtschaftlicher Basis alle Auswirkungen einer Maßnahme geldmäßig bewertet und miteinander verglichen.
Geld spielt keine Rolle?
Durch die Umsetzung von kosteneffizienten Maßnahmen könnten 53 bis 60 Prozent aller Verkehrsunfälle vermieden werden, ergab eine Erhebung in Schweden und Finnland. Die Vermeidung der restlichen Unfälle wäre zum Teil möglich aber nicht kosteneffizient. Rund 20 Prozent der Verkehrsunfälle lassen sich nach heutigem Stand der Kenntnisse leider überhaupt nicht vermeiden. Teilweise werden kosteneffiziente Verkehrssicherheitsmaßnahmen nicht umgesetzt, weil sie politisch nicht durchsetzbar sind, anderen politischen Zielen zuwider laufen oder sozial ungerecht sind.
Kosteneffizienz von Verkehrssicherheitsmaßnahmen
Verkehrssicherheitsmaßnahmen kosten Geld. Das können sein: Personalkosten bei der Überwachung, Investitionen für Infrastrukturmaßnahmen oder Sendehonorare für Verkehrssicherheits-Spots in Kino, Fernsehen oder Radio. Aber Verkehrssicherheit spart auch Geld: Sachschaden nach Unfällen und auch Verletzungen sind mit Kosten verbunden. Kosteneffizient ist eine Maßnahme dann, wenn die Summe der Kosten für die Einführung einer Maßnahme geringer ist als die Summe der Nutzen, die sich daraus ergeben. Bei den ROSEBUD-Berechnungen werden folgende Kosten berücksichtigt:
- Unfallfolgekosten
- Transportkosten
- Zeitkosten
- Schadstoffkosten
- Lärmkosten
Ein kosteneffizientes Beispiel: die Section Control im Kaisermühlentunnel
Die Section Control-Anlage im Kaisermühlentunnel wurde vom KfV einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen. In den Jahren vor der Einführung ereigneten sich dort im Schnitt sieben Unfälle mit Personenschaden pro Jahr. Die Errichtung der Anlage kostete 1,5 Millionen Euro. Im Jahresvergleich zeigte sich, dass sich die Durchschnittsgeschwindigkeit von 85 auf 75 km/h verringert hat. Der positive Effekt: Es gab in den beiden Jahren nach der Einführung bei jeweils fünf Unfällen keine Toten und auch die Verletzungsschwere wurde durch die geringere Geschwindigkeit deutlich reduziert. Vergleicht man Kosten und Nutzen miteinander, so spart die Anlage rund fünf Mal mehr an Unfall- und Umweltkosten ein, als Anschaffung und laufender Betrieb kosten.
Dies bedeutet allerdings nicht, dass jede Section Control-Anlage so erfolgreich sein muss. Jeder Standort muss hinsichtlich täglichem Verkehr, lokalem Unfallgeschehen und Fahrgeschwindigkeit geprüft werden, um die Wirkungen festzustellen bzw. vorab zu schätzen.
Die Endprodukte von ROSEBUD sind:
- ein Handbuch über bewertete Verkehrssicherheitsmaßnahmen
- eine Richtlinie über die Erstellung von Effizienzbewertungen
- eine Anleitung für Bewertungsverfahren
- ein Präsentationshilfsmittel, mit dem z.B. Entscheidungsträger mit dem Verfahren der Effizienzbewertung vertraut gemacht werden können.
