
Der Berg ruft!
Keine Frage – neben zahlreichen Seen sind vor allem Österreichs Berge Anziehungspunkt Nummer eins. Ende April, Anfang Mai beginnt die Saison der Bergsteiger und Wanderer. Dass dieser Freizeitspaß Unfallrisiken mit sich bringt, zeigt die Statistik: Allein im Jahr 2007 haben sich rund 7.800 Menschen beim Wandern oder Bergsteigen so schwer verletzt, dass sie im Spital behandelt werden mussten. Jährlich gibt es etwa 100 Todesfälle beim Bergwandern.
Stürze als häufigste Unfallursache
Betrachtet man die Unfallursache, so nimmt der Sturz auf Wegen und Steigen, etwa durch Ausrutschen oder Stolpern, mit 50 Prozent den ersten Platz ein – gefolgt von Überstrapazierung mit 10 Prozent; sieben Prozent verletzen sich bei Abstürzen. Vor allem Senioren ab 60 Jahre sind überproportional von Unfällen betroffen. Obwohl diese Gruppe nur rund 22 Prozent der Bevölkerung ausmacht, sind 37 Prozent der Verunfallten in Österreichs Bergen 60 Jahre und älter.
Auf die Ausrüstung kommt es an
Die richtige Ausrüstung – vor allem angemessenes Schuhwerk - sind für Bergsteiger und Wanderer entscheidende Faktoren, um die Risiken eines Sturzes zu minimieren. Mit dem „Schichtprinzip“ ist man in der Bergwelt für alle Witterungsverhältnisse gewappnet: mehrere dünne Kleidungsstücke übereinander ermöglichen, dass man sich jederzeit an das Wetter anpassen kann. Professionelle Wanderschuhe mit entsprechendem Profil verkleinern die Gefahr auszurutschen. Wie bei allen anderen Sportarten auch, muss ausreichend Flüssigkeit und Energie aufgenommen werden. Für das Proviant-Paket eignen sich Wasser oder gespritzter Apfelsaft und kleine Häppchen an energiereicher Nahrung, etwa Müsli-Riegel oder Obst. Auch ein Erste Hilfe - Paket sollte Teil der Ausrüstung sein, ebenso ein Mobiltelefon, damit man im Notfall Hilfe anfordern kann (Euro-Notruf: 112 Alpinnotruf: 140).
Gute Vorbereitung schützt vor bösen Überraschungen
Gute Vorbereitung beim Wandern schützt vor Überraschungen. Die Planung der Wanderroute und ausreichende Informationen über die Beschaffenheit und den Schwierigkeitsgrad der Wege sind unabdingbar, sonst besteht die Gefahr, dass der Schwierigkeitsgrad den Wanderer überfordert. Am besten ist es, mit allen Teilnehmern die geplante Tour im Vorfeld zu besprechen.
Selbstverständlich muss Rücksicht auf den körperlichen Zustand der einzelnen Wanderer genommen werden und auch die eigene Konstitution sollte man kennen. Die Anforderungen durch eine längere Wanderung an die Kondition sind nicht zu unterschätzen.
Einem „im Tal Gebliebenen“ das eigene Wanderziel mitzuteilen und Informationen über den aktuellen Wetterbericht einzuholen, ist ebenso wichtig wie zu wissen, wo sich die nächsten Schutzhütten befinden.
Zieht trotzdem schlechtes Wetter auf, sollte die Tour sofort abgebrochen und eine Hütte aufgesucht werden. Ist es nicht mehr möglich, einem Gewitter zu entkommen, müssen allein stehende Bäume, Drahtseile, Liftstützen und Wasserläufe auf jeden Fall gemieden werden. Befindet man sich als Wanderer mitten im Gewitter ist man auf der sicheren Seite, wenn man sich einen Platz in einer Mulde sucht, eine möglichst kleine Bodenfläche berührt und die Füße eng geschlossen hält. Neben dem Blitzschlag stellen dichter Nebel oder Regen eine weitere alpine Gefahr dar.
Heimtückisch ist auch die Situation bei Schneefall, da die Landschaft schon nach wenigen Zentimetern Neuschnee völlig anders aussehen kann.
Apropos Orientierung: Die zuverlässige Bestimmung der eigenen Position, das richtige Lesen der Wanderkarten oder auch die Verwendung eines Kompass kann gelernt und geübt werden. Alpinvereine bieten Basiskurse zum Bergwandern an. Auch andere wichtige Aspekte wie richtiges Schuhwerk, alpine Gefahren (alpines Notsignal), Verhalten bei Schlechtwetter, auf Klettersteigen oder Geröllhalden und vieles mehr ist, wenn man damit bewusst konfrontiert wird, im Ernstfall keine Überraschung mehr.
Grundsätzlich gilt beim Wandern: Immer zeitliche Reserven einplanen, um mit Überanstrengung, Verletzungen oder Umwegen zurechtzukommen. Vor allem übermüdet kann man beim Bergabgehen leicht stolpern und stürzen. Nur markierte Wege benutzen und regelmäßige Pausen einlegen, so bleibt der Wanderspaß ungetrübt.
Die wichtigsten Tipps für den Berg:
1. Die Tour muss geplant werden!
Sprechen Sie mit allen Teilnehmern die Bergtour durch, nehmen Sie auf die Wünsche und vor allem auf den körperlichen Zustand der einzelnen Teilnehmer (speziell von Kindern) Rücksicht.
2. Infos sind wichtig!
Besorgen Sie sich ausreichende Informationen, was Sie auf der geplanten Tour erwartet. Also Wegbeschaffenheit, Schwierigkeiten, Schutzhütten, Attraktionen, Seen, etc.
3. Prüfen Sie Ihre Fitness!
Wie ist Ihre körperliche Verfassung? Reicht sie aus, um die geplante Tour wirklich zu bewältigen? Schließlich gilt das Motto: „Nur fit in die Berge“ – und nicht erst „fit durch die Berge“ – Überschätzen Sie sich also nicht!
4. Wählen Sie Ihre Ausrüstung genau!
Verzichten Sie auf Unnötiges, aber lassen Sie nichts zu Hause, was Sie im Notfall unbedingt brauchen.
5. Selbstverantwortung!
Jeder Teilnehmer ist selbst verantwortlich dafür, dass er eine gute und komplette Ausrüstung auf die Tour mitnimmt.
6. Achten Sie auf das Wetter!
Aktuelle Wetterinformationen (TW 1, Internet, TV-Teletext, Radio) vor dem Aufbruch zur Tour sind unerlässlich. Hören Sie vor allem auch auf die Ratschläge der Einheimischen vor Ort. Ihre Erfahrung ist viel wert.
7. Tempokontrolle!
Das Gehtempo in der Gruppe orientiert sich an den Langsamsten. Bei Pausen nicht gleich weiter marschieren, wenn ein Nachzügler gerade eingetroffen ist. Er braucht die Rast mehr als die vorne weg Laufenden.
8. Pausen geben Kraft!
Vergessen Sie nicht aus lauter Eifer und Begeisterung auf regelmäßige Pausen. Trinken ist wichtiger als Essen.
9. Bleiben Sie auf markierten Wegen!
Verlassen Sie auf der Tour nach Möglichkeit nie die markierten Wege, achten und respektieren Sie den Lebensraum der Tiere und der Pflanzen.
10. Vorsicht, Wetterumschwung!
Brechen Sie eine Tour ab, wenn schlechtes Wetter aufzieht. Spielen Sie nicht den Helden, kehren Sie um – oder suchen Sie in einer Hütte Schutz.
11. Für den Notfall!
Selbst bei einer einfachen Wanderung ist eine Notfallausrüstung (Handy, Erste Hilfe-Box etc.) dabei.
12. Geben Sie Ihr Ziel bekannt!
Ob mit Gruppe oder im Alleingang: Vor dem Weggehen zu Hause oder bei Freunden unbedingt die geplante Route und den voraussichtlichen Zeitpunkt der Rückkehr bekannt geben.
13. Bergrettungs-Notruf 140!
Bleiben Sie ruhig, wenn wirklich etwas passiert, handeln Sie überlegt. Über Notruf 140 (Bergrettung) oder Euro-Notruf 112 können Sie Hilfe herbeiholen.
14. Basiskurse bei Alpinvereinen zum Bergwandern!
Richtiges Verhalten auch bei schwierigen Verhältnissen und schlechtem Wetter, Orientierung, richtige Ausrüstung, Gehen auf Wegen und im weglosen Gelände, Gefahrenbewusstsein beim Begehen von Schneefeldern, einfache Klettertechniken, Orientierung, Wetterkunde, Erste Hilfe und vieles mehr kann bei Kursen von Alpinvereinen gelernt und geübt werden.


