Von der Werkbank ins Krankenbett

Sägen, Hämmern, Hobeln, Hausbau und Gärtnern bleiben nicht immer ohne schwerwiegende Folgen. In Österreich verletzt sich etwa alle zwölf Minuten ein Heimwerker so schwer, dass er im Spital behandelt werden muss. Etwa drei von vier Verletzten sind Männer (78%). Auf das Jahr gerechnet passieren in Österreich rund 42.000 Unfälle beim Heimwerken und bei der Gartenarbeit. Das entspricht sieben Prozent aller Freizeitunfälle. Circa 13.100 Heimwerker verletzen sich die Finger, u.a. mit einer Kreissäge, Hacke oder Axt. Solche Unfälle sind oft Folge nicht ausreichender Vorbereitung.

Probieren geht nicht über studieren!
Leider gilt bei zahlreichen Heimwerkern immer noch das Motto: Probieren geht über studieren. Zwar lesen drei Viertel der Heimwerkenden Gebrauchsanleitungen von Farben, Lacken und Lösungsmittel, aber nur die Hälfte beachtet Anleitungen von Handsägen, Lötgeräten oder elektrischen Heckenscheren. Hinzu kommt die Tatsache, dass beim Lernen der Handhabung von Geräten das Learning by Doing überwiegt: 34 Prozent ziehen das Probieren gegenüber dem Studieren vor; 29 Prozent lassen sich die Anwendung von Eltern, Großeltern oder Freunden erklären und nur ein Prozent hat sich über die Handhabung im Baumarkt informiert. Grund für mangelnde Vorbereitung sind meist Bequemlichkeit und Zeitdruck. Hinzu kommt die weit verbreitete Einstellung, dass beim Heimwerken ohnehin kein Risiko bestehe – davon ist immerhin jeder Dritte Heimwerker überzeugt.

Keine Kompromisse!
Kompromissbereitschaft und Selbstüberschätzung sind beim Heimwerken schlechte Berater. Ganze 70 Prozent, der im Krankenhaus behandelten Heimwerker schätzen sich selbst als Profiheimwerker ein. Die KFV-Unfallzahlen sprechen aber eine ganz andere Sprache. Der Grund hierfür ist meist die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und eine zu hohe Empfindlichkeit gegenüber zusätzlichem Aufwand. Im Rahmen der KFV-Studie wurden die befragten Heimwerker gebeten, sich anhand verschiedener Beschreibungen im Umgang mit Risiko und Sicherheit selbst einzuordnen. Zwar beschreiben sich 44 Prozent der Befragten als sicherheitsorientiert – jeder zweite Heimwerker gibt jedoch zu, stets einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Risiko zu suchen und auch ein Risiko einzugehen, sofern es für ihn vertretbar zu sein scheint. Grund für diese Risikobereitschaft ist die Tatsache, dass Heimwerker oft aus finanziellen oder zeitlichen Gründen nicht auf professionelle Geräte zugreifen können, die eine ausgebildete Fachkraft bei der gleichen Tätigkeit im Rahmen eines gewerblichen Auftrags verwenden würde. Deshalb wird auf altes Gerät zurückgegriffen bzw. auf die Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen verzichtet. Fast die Hälfte der Befragten gibt als Grund für das Nicht-Beachten von Sicherheitsempfehlungen an, es sei einfach zu umständlich. Als zweiter Grund wird Zeitmangel angeführt. Vor allem bei Kleinarbeiten, wie etwa das Austauschen einer kaputten Glühbirne, verzichtet ein Drittel der Heimwerkenden auf die Beachtung von Sicherheitsvorschriften. Nur elf Prozent geben an, sich immer an Sicherheitsempfehlungen zu halten.

Auf Eigenverantwortung kommt es an!
Man sollte nicht leichtfertig Kompromisse auf Kosten der Gesundheit eingehen und darauf vertrauen, dass beim Heimwerken sowieso nichts passieren kann. Eigenverantwortung und Risikobewusstsein müssen an erster Stelle stehen, damit man die Früchte seiner Arbeit unversehrt genießen kann. Im Idealfall orientieren sich Amateure an den gewerblichen Handwerkern, deren Sicherheitsbestimmungen auch auf den privaten Bereich zu übertragen sind. Wichtig ist es, auf stabile Arbeitsplätze auf festem Untergrund zu achten und modernes Werkzeug mit Schutzvorrichtung zu verwenden. Selbst wenn dem Heimwerker das Werkzeug zu teuer ist, besteht immer noch die Möglichkeit, sich entsprechendes Gerät bei Verwandten oder Freunden zu leihen oder im Fachhandel zu mieten. An die Adresse der Gerätehersteller, Volkshochschulen und Baumärkte gerichtet ist die Forderung des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit), kurze gratis Unterweisungen für den richtigen Umgang mit Heimwerkergeräten anzubieten Personen, die sich teure Geräte kaufen, sollten wissen, wie man mit ihnen arbeitet. So wird nicht nur die eigene Sicherheit erhöht, sondern auch die Lebensdauer des Gerätes.

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