
Sicherheitsvergleich österreichischer Tunnels
124 Unfälle gab es 2006 in Tunnels und Unterführungen, die sich im Verlauf von Autobahnen und Schnellstraßen befinden. Auf dieser Straßenart bedeutet das einen Unfallanteil von fünf Prozent. Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) hat in einer Studie das Unfallaufkommen und die Unfallursachen in 130 österreichischen Tunnels (ab einer Länge von 200 Metern) mit und ohne Gegenverkehr im Verlauf von Autobahnen und Schnellstraßen untersucht.
Tunnel: Wenige Unfälle, aber hohe Verletzungsschwere
Die europäische Studie SARTRE (Social Attitudes to Road Traffic Risk in Europe) hat ergeben, dass sich 25 Prozent der österreichischen Autofahrer davor fürchten, durch einen Tunnel zu fahren. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, im Tunnel zu verunglücken, wesentlich geringer als auf Autobahnen, Schnell- und Landesstraßen im Freiland. Auf Landesstraßen im Freiland ereignen sich bei gleicher Fahrleistung etwa vier Mal mehr Unfälle. Wenn in einem Tunnel ein Unfall passiert, fällt er allerdings wesentlich schwerer aus: Das Risiko, bei einem Tunnelunfall getötet zu werden, ist etwa doppelt so hoch wie auf Autobahnen. Dadurch schnellt auch die Unfallkostenrate in die Höhe: Während sie auf Autobahnen zehn Euro pro 1.000 Fahrzeugkilometern beträgt, liegt sie im Tunnel bei 15,2 Euro.
Mehr Verkehrssicherheit in Tunnels mit Richtungsverkehr
Gegenverkehr-Tunnels sind meistens vier bis fünf Mal so lang wie Röhren, durch die nur Richtungsverkehr fließt. Deshalb wurden für den Vergleich dieser zwei Arten ausschließlich Tunnels mit mehr als einem Kilometer Länge herangezogen. An den Unfällen pro 1.000 Fahrzeugkilometer gemessen liegen Gegen- und Richtungsverkehrstunnel etwa gleich auf. Ganz anders sieht es aber bei Verletzungsschwere und Unfallkosten aus. Dass Tunnels, die nur in eine Richtung verlaufen, eindeutig verkehrssicherer sind, wird vor allem an der Zahl der Getöteten deutlich: Mit rund 17 Toten pro einer Milliarde Fahrzeugkilometer ist die Getötetenrate in Tunnels mit Gegenverkehr mehr als doppelt so hoch wie in Richtungsverkehrtunnels. Dort liegt die Rate bei etwa acht Toten pro Milliarde gefahrener Kilometer.
Am gefährlichsten: Das Tunnelportal
Das Portal ist die heikelste Stelle eines Tunnels. Sowohl bei Gegen- als auch Richtungsverkehrstunnels ist die Unfallrate hier am höchsten und bei beiden Arten fällt auch der hohe Anteil der Alleinunfälle im Portalbereich auf. Zu 86 Prozent werden diese Unfälle von Pkw-Lenkern verursacht, meistens ist dabei überhöhte Geschwindigkeit im Spiel. Kritisch ist vor allem bei Tunnels mit Gegenverkehr auch der so genannte „Vor- und Nachlauf“ – damit ist der etwa 250 Meter lange Bereich vor dem Portal und nach der Tunnelausfahrt gemeint. Im Vorlauf wird der Richtungsverkehr in den Gegenverkehr übergeleitet. Die damit zusammenhängende Geschwindigkeitsreduktion scheinen viele Autofahrer nicht im Griff zu haben, da 54 Prozent der Unfälle, die an dieser Stelle passieren, Auffahrunfälle sind.
Auf geringe Abstände, Rückstaus und Missachtung der Tunnelampel ist es zurückzuführen, dass der Anteil der Auffahrunfälle in der Einfahrt – also 50 bis 150 Meter nach dem Portal – bei Gegenverkehrtunnels auf 60 Prozent steigt. Begegnungsunfälle ereignen sich in Tunnels mit Gegenverkehr hauptsächlich in der Tunnelmitte, trotzdem ist aber auch an dieser Stelle jeder zweite Unfall ein Auffahrunfall. Bei der Frage nach der Vollschuld an Auffahrunfällen zeigt sich, dass jeder fünfte Unfall von einem Lkw verursacht wurde, an Begegnungsunfällen sind Lkw – wahrscheinlich wegen ihres größeren Platzbedarfs – sogar zu etwa einem Drittel schuld.
Auch in Richtungsverkehrtunnels kommen Auffahrunfälle aufgrund zu geringer Sicherheitsabstände am häufigsten vor, wobei besonders im Einfahrtsbereich und der Tunnelmitte der höchste Anteil verzeichnet wird.
Sicherheitsrisiko Verkehrsmoral
Die Analyse der Tunnelunfälle hat gezeigt, dass nicht der Tunnel an sich, sondern die oft niedrige Verkehrsmoral das Hauptproblem ist: Jeder zweite Tunnelunfall ist auf zu geringen Sicherheitsabstand zurück zu führen und viele Unfälle ließen sich vermeiden, indem man einfach vom Gas geht. Da zu hohe Geschwindigkeiten vor allem im Vorlauf und Portalbereich ein Problem sind, würden sich etwa 250 Meter vor dem Tunnel Section Control Anlagen anbieten. Abstandsmessgeräte und Radargeräte wären eine alternative Lösung. Um die Folgen von Alleinunfällen im Portalbereich abzuschwächen, könnten Anpralldämpfer zum Einsatz kommen. Speziell bei Gütertransporten sollten das Geschwindigkeits- und Abstandsverhalten, Gewicht und Ladungssicherung vor Tunnels stärker überprüft werden.


