Die richtige Bereifung

Jedes Jahr zu Winterbeginn zeigte sich bisher auf Österreichs Straßen dasselbe Bild: Es herrschte Chaos, denn viele Autofahrer werden von der weißen Pracht überrascht. Lenker mit Sommerbereifung verursachen zahlreiche Unfälle und Staus, die eigentlich vermeidbar wären. Plötzliche Wintereinbrüche verursachen besonders am ersten Tag deutlich mehr Unfälle mit Verletzten oder Toten. Durchschnittlich erhöht sich das Unfallgeschehen an diesen Tagen um mehr als das Doppelte. Winterreifen schalten in dieser Extremsituation wesentliche Risikofaktoren aus und geben dem Autofahrer mehr Sicherheit. Die mit 1. Jänner 2008 eingeführte Winterreifenpflicht bringt für alle Vorteile: Jene, die ohnehin bereits Winterreifen verwenden, tun dies auch weiterhin und jene, die bis heute als „schwarze Schafe“ galten, werden andere nicht mehr gefährden. Ein weiteres Argument für die Winterreifenpflicht ist die enorme Kostenersparnis der Gemeinden für die Schneeräumungsdienste, da diese nicht schon bei geringen Mengen an Neuschnee ausrücken müssen.

Derzeit gilt in Österreich: Lkw müssen in der Zeit von 1. November bis 15. April, Busse in der Zeit von 1. November bis 15. März zumindest an einer Antriebsachse Winterreifen angebracht haben.
Pkw müssen zwischen 1. November und 15. April bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen an allen Rädern Winterreifen angebracht haben. Bei einer zusammenhängenden oder nicht nennenswert unterbrochenen Schnee- oder Eisdecke können statt Winterreifen auch Schneeketten auf mindestens zwei Antriebsrädern verwendet werden.

Winterreifenpflicht international bewährt
Eine schwedische Studie hat einen Unfallrückgang von zwölf Prozent nach Einführung der Winterreifenpflicht erwiesen. Neben Slowenien, Estland, Lettland, Finnland, Norwegen und Schweden besteht auch in  Deutschland seit 1. Mai 2006 eine Pflicht zur „geeigneten Bereifung“.

Sommerreifen auf Schnee: deutlich längerer Bremsweg
Wie entscheidend die richtige Bereifung ist, verdeutlicht folgendes Beispiel: Bei 80 km/h verlängert sich der Bremsweg mit Sommerreifen auf verschneiter Fahrbahn trotz ABS um 42 Meter - mit Winterreifen kommt man nach 70 Metern zum Stillstand, mit Sommerreifen erst nach 112 Metern. An jenem Punkt, an dem das Fahrzeug mit Winterreifen bereits steht, ist jenes mit Sommerreifen noch mit 48,8 km/h unterwegs!

Auf diese Reifen setzen die Österreicher
Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) hat Ende Oktober 2007 österreichweit an mehr als 2.700 Pkw erhoben, wie viele Autofahrer bereits auf das Winterequipment (Kennzeichnung mit M+S) umgesattelt haben. 48 Prozent hatten sich noch nicht vom Sommer verabschiedet und waren nach wie vor mit Sommerreifen unterwegs. Die andere Hälfte der Republik hatte bereits die „Winterpatschen“ angezogen. 239 Fahrzeuge hatten ein ausländisches Kennzeichen. Von diesen Fahrzeugen hatte mehr als die Hälfte noch keine Winterbereifung. Am vorausschauendsten waren Ende Oktober die Oberösterreicher unterwegs: Zwei Drittel hatten bereits umgesteckt. Die Burgenländer lagen mit nur einem Drittel Winterreifenanteil an der letzten Stelle.

Qualitätssymbol Schneeflocke
Winterreifen brauchen mindestens 4 mm (Radialreifen, bei Diagonalreifen sind es 5 mm) Profiltiefe, um als solche zu gelten. Für die bekannte M+S-Kennzeichnung (Mud & Snow) gibt es keine einheitliche Definition oder ein Testverfahren, das festlegt, welche Eigenschaften ein Reifen aufweisen muss, damit er als M+S-Reifen gekennzeichnet werden darf. Auch in Österreich können Reifen mit M+S-Kennzeichnung am Markt sein, die über ungenügende bis gar keine Wintergriff-Eigenschaften verfügen. In den USA gibt es seit 1999 ein standardisiertes Testverfahren (Traktionstest) für Winterreifen. Reifen, die dieser Prüfung standhalten sind mit dem "Schneeflocken-Symbol" (oder 'Three Peak Mountain Symbol') gekennzeichnet, das auch von der europäischen Reifenindustrie zur Kennzeichnung von absolut wintertauglichen Pneus verwendet wird. Es handelt sich dabei zwar um kein gesetzlich anerkanntes oder vorgeschriebenes Qualitätssymbol, bei Reifen mit der Schneeflocke ist man aber auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

In der Erhebung vom Oktober 2007 hat sich gezeigt, dass die Winterreifen der in Österreich gemeldeten Kraftfahrzeugen zu mehr als zwei Drittel (69 %) das Schneeflocken-Symbol trugen. Bei den ausländischen Fahrzeugen war der Anteil mit 73 Prozent sogar noch höher.

Ohne Winterreifen: Verlust des Versicherungsschutzes droht
Wer bei Schnee mit Sommerreifen unterwegs ist, riskiert nicht nur Leib und Leben, sondern auch seinen Versicherungsschutz. Wäre ein Verkehrsunfall durch die Verwendung von Winter- statt Sommerreifen vermeidbar gewesen, droht ein Mitverschulden oder der teilweise bis gänzliche Verlust des Kasko-Schutzes.

Gemäß einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main stellt die Nichtverwendung von Winterreifen bei einer Fahrt in ein Skigebiet grobe Fahrlässigkeit dar, die zur vollständigen Leistungsfreiheit der Kfz-Kaskoversicherung führt. Es müssen daher keine weiteren Übertretungen, wie etwa Unachtsamkeit oder überhöhte Geschwindigkeit, vorliegen, um als Geschädigter im Schadensfall leer auszugehen.

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