Europäische Strategie für Verletzungsverhütung

Verletzungen (Unfälle, zwischenmenschliche Gewalt und Suizide) als eine der größten Todesursache in der Europäischen Union (sogar Todesursache Nummer eins in jungen Lebensjahren) verlangen nach wirksamer Prävention. Beträchtliche Unterschiede des Verletzungsrisikos zwischen den Mitgliedsstaaten und zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen innerhalb der Staaten machen deutlich, dass es ein erhebliches präventives Potenzial gibt. Deshalb hat der Gesundheitsminister-Rat der Europäischen Union im Mai 2007 eine Richtlinie zur Intensivierung und Harmonisierung der Verhütung von Verletzungen beschlossen.

Im Wesentlichen sind es fünf Empfehlungen, die der Rat seinen Mitgliedsstaaten gibt: Die Regierungen sollen

  1. Verletzungen als erhebliches Gesundheitsproblem erkennen, und dem Problem einen entsprechenden Stellenwert in der nationalen Gesundheitspolitik geben;
  2. ein statistisches Beobachtungs- und Berichtssystem über Verletzungen nach gemeinschaftlichen Standards einführen (sofern noch nicht vorhanden), und die Entwicklung des laufend Verletzungsgeschehens beobachten;
  3. nationale Aktionspläne entwickeln und umsetzen, wobei insbesondere auf eine ressortübergreifende Koordination und Abstimmung mit anderen Mitgliedsstaaten geachtet werden soll;
  4. Maßnahmenbündel vor allem zu folgenden sieben Problembereichen schnüren: Sicherheit von Kindern und Jugendlichen, Alten und Behinderten, Fußgängern und Zweirad-Fahrern (ungeschützten Verkehrsteilnehmern), Sporttreibenden, Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen, Prävention von interpersoneller Gewalt, Verhütung von Suiziden;
  5. Unfallverhütung in den Schulen und in Ausbildungen relevanter Berufsgruppen (wie Ärzte und andere Gesundheitsberufe, Pädagogen, Trainer, Architekten) verankern, damit diese Fachleute ihre Patienten, Klienten oder Kunden besser beraten können.

Gleichzeitig wird die Kommission aufgefordert, den Regierungen mit einer gemeinschaftlichen Verletzungsstatistik (European Injury Database), Information über Handlungsmodelle (z.B. Models of good practices), Unterstützung des Erfahrungsaustauschs (z.B. European Conferences on Injury Prevention) und mit Modulen für die Ausbildung von Fachleuten (z.B. Teach Violence and Injury Prevention Programme) behilflich zu sein.

Die kurzgefasste Ratsempfehlung baut im Wesentlichen auf einer etwas umfangreicheren „Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat über Maßnahmen für ein Sicheres Europa“ aus dem Jahr 2006 auf. In diesem Dokument werden die Notwendigkeit für verstärkte Prävention, die Bedingungen für Erfolg und die Begründung für die sieben Prioritäts-Bereiche ausführlicher dargestellt.

Die Europäische Union unterstützt Maßnahmen der für Prävention und Gesundheitsförderung zuständigen Regierungen der Mitgliedsstaaten, insbesondere durch Mittel aus dem Public Health Programm für

  • die Entwicklung einer gemeinschaftlichen Verletzungsdatenbank und eines Gemeinschaftlichen Verletzungsberichtssystems (insbesondere „European Injury Database“ IDB);
  • die Entwicklung und Verbreitung von Strategien, Handlungsmodellen und Netzwerken für die Sicherheit von Kindern, Jugendlichen, älteren Menschen, ungeschützten Verkehrsteilnehmern, für Gewaltprävention, Sicherheit beim Skilauf, Sicherheit im organisierten Sport usw. (verschiedene Projekte wie z.B. “European Child Safety Alliance” ECSA oder “Adolescents and Risk Taking” AdRisk);
  • die Entwicklung einer gemeinschaftlichen Datenbank für bewährte Praktiken der Verletzungsverhütung (insbesondere „Effective Measures for Injury Prevention Database“ EMIP);
  • die Entwicklung eines leistungsfähigen „Information Clearing Houses“ zur Durchführung von Europäischen Konferenzen für Verletzungsverhütung (insbesondere „European Association for Injury Prevention“ EuroSafe);
  • die Entwicklung von Ausbildungsmodulen zur Integration der Verletzungsverhütung in nationalen Lehrgängen für Führungskräfte im Bereich Public Health und andere Berufsgruppen wie Ärzte, Lehrer, Sporttrainer (insbesondere „Teach Violence and Injury Prevention“ TeachVIP)

Für das Jahr 2011 ist ein Europäischer Bericht über die Implementierung der Ratsempfehlung vorgesehen, für den voraussichtlich alle Mitgliedsstaaten zur Legung nationaler Fortschrittsberichte eingeladen werden.

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