Verkehrssicherheit: Österreich im EU-Vergleich auf Platz 9

Die Europäische Kommission analysiert laufend gemeinsam mit dem KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) die Performance der EU28-Länder (Europäische Unfalldatenbank CARE). Österreich ist dabei in Sachen Verkehrssicherheit auf Platz 9 zu finden, drei Plätze hinter unserem Nachbarland Deutschland. EU-weit liegt Schweden an erster Stelle, noch sicherer ist allerdings das EFTA-Land Schweiz. Die Schweiz ist 2016 zur absoluten Europaspitze aufgestiegen und hat nun nur mehr halb so viele Verkehrstote wie Österreich.

Im Jahr 2016 starben rund 25.500 Menschen bei Verkehrsunfällen auf den Straßen der EU – der niedrigste Wert in der Geschichte. Damit ist die EU zwar die verkehrssicherste Weltregion, trotzdem sterben in den 28 EU-Staaten täglich im Durchschnitt mehr als 68 Menschen im Straßenverkehr - alle 21 Minuten einer. Die europäischen Verkehrsminister haben sich das Ziel gesetzt, zwischen 2010 und 2020 die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle zu halbieren.
Das Sicherheitsranking der Europäischen Unfalldatenbank CARE zeigt Österreich aktuell auf Platz 9 der EU28-Länder (2016, Verkehrstote pro Mio. Einwohner). Nach einem sehr schlechten Abschneiden im Jahr 2015 (Anstieg der Zahl der Getöteten um über 10% - Platz 14) konnte Österreich also wieder einige Plätze gutmachen und ist nun unter den Top 10 zu finden.

Reduktionen seit 2010

Wie die aktuellen Zahlen der Europäischen Kommission zeigen, tragen einige Länder mehr zum Erreichen des Europäischen Reduktionsziels bei als andere: Portugal, Litauen, Griechenland und Spanien haben zwischen 2010 und 2016 besonders viele Menschenleben auf den Straßen gerettet – bis zu 40 Prozent. Österreich liegt bei diesem „Reduktionsranking“ nur im EU-Mittelfeld und erreicht 23 Prozent.

Die Spitzenreiter: Schweiz, Niederlande, UK und Schweden

Österreich zählt sich gerne zu den sichersten Ländern der Welt – bei der Verkehrssicherheit ist allerdings nach wie vor Verbesserungspotenzial vorhanden. Die Zahl der jährlichen Verkehrstoten pro Mio. EW liegt in Österreich bei 49, in Deutschland bei 39 und dem EFTA-Land Schweiz bei 26 (EU-Durchschnitt: 50). Die Schweiz ist seit 2016 Europaspitze und hat mit 26 Verkehrstoten pro Mio. Einwohner nur halb so viele Todesopfer wie Österreich. Auf den vordersten Rängen finden sich auch Schweden (27), United Kingdom (28) und die Niederlande(31).

200 Verkehrstote weniger auch in Österreich möglich!

Erfolgsfaktoren sind gezielte Maßnahmenkataloge die Ziele sichtbar machen. Der Schlüssel dazu ist immer auch ein starker politischer Wille, der auch die Mittel bereitstellt, um diese Ziele zu erreichen. Die Schweiz zeigt uns vor, dass das funktionieren kann – sie war auch einmal nur Europa-Mittelfeld, heute ist sie Europaspitze. Wäre Österreich auf Schweizer Niveau, hätten wir etwa 200 Verkehrstote weniger.
Vorreiter sind auch Frankreich und Spanien: Sie haben bereits in der Mitte der 2000er Jahre die Verkehrssicherheit an die Spitze der politischen Agenda gesetzt und seither immer wieder nachgebessert – somit kamen die beiden Länder nachhaltig aus der EU-Schlusslichtposition heraus und sind heute im vorderen Feld (Spanien) bzw. im Mittelfeld (Frankreich) zu finden. Auch Österreich hat ein umfassendes Verkehrssicherheitsprogramm (2011-2020) und verfolgt die Ziele, die Zahl der Verkehrstoten um 50 Prozent, die der Schwerverletzten um 40 Prozent und der Unfälle mit Personenschaden um 20 Prozent zu reduzieren.

Österreicher unterschätzen die Gefahren im Straßenverkehr

Laut einer Eurobarometer-Umfrage stehen die Österreicher den Hauptgefahren im Straßenverkehr vergleichsweise gelassen gegenüber: so beurteilen nur 64 Prozent der Österreicher die Verwendung eines Mobiltelefons (ohne Freisprecheinrichtung) im Straßenverkehr als problematisch. Das ist europaweit die fünftschlechteste Zustimmungsquote. Dabei ist Ablenkung mit 38 Prozent die häufigste Unfallursache in Österreich. Ähnliches gilt auch für die Einstellung der Österreicher zu der Gefährlichkeit der Überschreitung von Tempolimits – hier weisen die Österreicher sogar die drittgeringste Zustimmungsquote der EU auf.

 

Getötete pro Mio. Einwohner in der EU 2016*
1.Schweden:27
2.UK:28
3.Niederlande:31
4.Dänemark:37
5.Spanien:37
6.Deutschland:39
7.Irland:40
8.Finnland:45
9.Österreich:49
10.Slowakei:50
11.Malta:51
12.Luxemburg:52
13.Estland:54
14.Frankreich:54
15.Italien:54
16.Zypern:54
17.Portugal:54
18.Belgien:56
19.Tschechien:59
20.Ungarn:62
21.Slowenien:63
22.Litauen:65
23.Kroatien:73
24.Griechenland:75
25.Polen:79
26.Lettland:80
27.Rumänien:97
28.Bulgarien:99

*In dieser Auflistung sind nur EU-Mitglieder enthalten – die Schweiz wäre hier noch vor Schweden.
Quelle: Europäische Kommission, DG-MOVE, EU Ranking 2016, vorläufige Zahlen