Neue Bodenmarkierungen gegen Motorradunfälle: Erste Pilotprojekte in Österreich erfolgreich

Jährlich ereignen sich in Österreich über 4.000 Motorradunfälle, 85 Motorradlenker starben im Jahr 2016 bei Unfällen in Österreich – umso wichtiger sind effiziente Unfall-Präventionsmaßnahmen. Ein Pilotprojekt des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) zeigt nun erste Erfolge.

Foto: Credit@ KFV

Untersuchungen zeigen, dass sich viele Unfallhergänge ähneln: In einer unübersichtlichen Linkskurve kommt ein Motorradfahrer in Schräglage gefährlich nah über die Mittellinie. Plötzlich kommt Gegenverkehr, worauf der Motorradlenker mit einem plötzlichen Ausweichmanöver reagiert und stürzt. Viele Biker lassen sich durch die Mittellinie zu einer falschen Kurvenlenkung verleiten. Studien aus den vergangenen Jahren zeigen, dass 95 Prozent der analysierten Fahrer eine zu enge Kurvenlinie wählen. In einem Pilotprojekt des KFV wurden deshalb auf beliebten Motorradstrecken in unübersichtlichen Linkskurven zusätzliche Bodenmarkierungen angebracht, welche das Kurvenfahrverhalten von Motorradfahrern sicherer gestalten sollen. Nun steht fest: Die ellipsen- und balkenförmigen Bodenmarkierungen erfüllen ihren Zweck. Nach Aufbringung der Markierungen wählten beinahe doppelt so viele Motorradlenker als bisher eine sichere Kurvenfahrlinie. Und: Während zuvor jeder Vierte ganz besonders nah an der Mittelinie fuhr, wählten nach Anbringung der Markierungen nur noch etwa 9 Prozent der Motorradlenker diese besonders gefährliche Kurvenfahrlinie.

 „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Ellipsen- als auch die Balken-Markierungen einen positiven Einfluss auf die Fahrlinienwahl haben. Bei Streckenabschnitten, in welchen bei besonders vielen Motorradlenkern ein gefährliches Kurvenfahrverhalten zu erkennen ist, kann das Kurvenverhalten durch die Anbringung der Markierungen deutlich verbessert werden“, so Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Forschungsleiter im KFV.

Sicherheitstipps für Motorradfahrer

  • Ein großes Risiko für Motorradunfälle besteht am Anfang der Motorradsaison, wenn sich der Fahrer erst wieder auf die Maschine einstellen muss. Auch die anderen Verkehrsteilnehmer müssen sich daran gewöhnen, dass wieder mehr Einspurige unterwegs sind. Selbst wenn das Freiheitsgefühl noch so verlockend ist, sollte immer der Situation, dem Können und der Übung entsprechend gefahren werden.
  • Nach einer mehrmonatigen Fahrpause muss man erst das richtige Gefühl für ein Fahrzeug wiedererlangen. Die Blicktechnik in der Kurve und das richtige „Lesen der Straße“ müssen wieder auf Motorradbetrieb umgestellt werden. Das heißt Gefahrenquellen in der Straßenbeschaffenheit, wie z.B. Rollsplitt, müssen rechtzeitig erkannt werden. Übungsfahrten auf geschütztem Gelände helfen dabei, sich wieder auf das Fahrzeug einzustellen. Durch ausreichende Sicherheitsabstände zu anderen Fahrzeugen können Motorradfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern besser wahrgenommen werden.
  • KFV-Studien zeigen: Obwohl Motorräder etwa gleich gut bremsen wie Pkw, bremst der Durchschnittsbiker aus Angst oft sogar schlechter als ein Lastauto. Richtiges Bremsen muss trainiert werden. Wer das beherzigt, hat im Ernstfall die besten Karten in der Hand, wenn es darum geht, noch möglichst viel vom Tempo loszuwerden.
  • Rund zwei Drittel der verletzten Motorradfahrer erleiden Beinverletzungen, etwa die Hälfte der Verletzungen betrifft die oberen Extremitäten. Da Biker im Fall eines Unfalls ohne Knautschzone auskommen müssen, ist eine robuste Schutzbekleidung wichtig.
  • Der Helm muss fest sitzen, so dass er gerade nicht drückt. Zu empfehlen ist ein abklappbarer Sonnenschutz. Halbschalen sind leicht und luftig, dafür schützen sie Gesicht und Gebiss kaum. Systemhelme sind im Komfort spitze, aber meist deutlich schwerer als Integralhelme. Für alle gleich: Ob Brille oder Visier, das Sichtfeld muss stimmen, Kratzer sind hinderlich, optische Verzerrungen tabu.
  • Um das Risiko zu verringern, übersehen zu werden, sollte auffällige und reflektierende Sicherheitskleidung getragen werden.