KFV-Forschungspreis 2015: Zukunft der Verkehrssicherheit

Unter dem Motto „Sichere Lebenswelten gestalten“ wurde der mit 10.000 Euro dotierte KFV-Forschungspreis zum zweiten Mal für herausragende wissenschaftliche Leistungen vergeben. Unter den zahlreichen Einreichungen konnte Thomas Schlegl von der TU Graz mit der Entwicklung einer Messtechnologie, die Unfälle vermeiden hilft, die internationale Fach-Jury besonders überzeugen. Anerkennungspreise gingen an Simon Zigala, Dražen Petrović und Maria Wegscheider sowie an Peter Spitzer und Sabine Distl.

© KFV/APA-Fotoservice/Krisztian Juhasz

Der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis wurde 2013 vom KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) erstmals ins Leben gerufen, um junge Forscherinnen und Forscher zur Entwicklung neuer Methoden in der Gestaltung sicherer Lebenswelten zu motivieren und ihre Ideen in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Die Siegerinnen und Sieger des diesjährigen KFV-Forschungspreises wurden gestern Abend im Technischen Museum Wien ausgezeichnet. „Eine neue Ära der Sicherheitsforschung hat begonnen. Während sich die Menschen vor drei Jahrzehnten noch vor Sicherheitsgurten fürchteten, unterstützen uns neue Technologien heute oft unbemerkt in sämtlichen Lebensbereichen. Technik soll die Folgen eines Unfalls nicht mehr nur abfedern – heute soll die Technik helfen, Unfälle überhaupt zu verhindern. Mit dem KFV-Forschungspreis wollen wir wertvollen wissenschaftlichen Impulsen die Chance auf praktische Umsetzung bieten“, erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV.

 

Zukunft der Verkehrssicherheit als Schwerpunkt der Einreichungen 2015

Die Einreichungen zum zweiten KFV-Forschungspreis waren für die Jury wie ein Blick in die Zukunft. Denn der Großteil der Arbeiten beschäftigte sich mit Technologien, die dem Menschen unauffällig helfen. Von Messtechniken war die Rede, mit denen Fahrzeuge zwischen Menschen und Objekten unterscheiden oder die Wachsamkeit ihrer Insassen erkennen. Von Maschinen, die „sehen“, ob sie mit Menschen oder Robotern arbeiten. Von Assistenzsystemen, die sich an Geschlecht und Alter der Lenkerinnen und Lenker anpassen. Von Autos, die untereinander und mit der Infrastruktur vernetzt sind, um einander rechtzeitig auszuweichen.

Beeindruckt von der Vielfalt der Themenansätze, Methoden und Disziplinen hatte die Jury eine schwere Aufgabe: Aus der Fülle engagierter und beeindruckender Diplom-, Master- und Forschungsarbeiten sowie Dissertationen eine auszuwählen, die den ausgelobten Preis erhalten sollte. Für die Bewertung wurden vor allem Kriterien herangezogen, die einerseits als Parameter für eine ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeit gelten und andererseits Indikatoren für die sicherheitssteigernde Umsetzbarkeit der Ergebnisse im realen Leben darstellen.

 

Die Gewinnerinnen und Gewinner des KFV-Forschungspreis 2015

Über den Hauptpreis in der Höhe von 10.000 Euro durfte sich Thomas Schlegl vom Institut für Elektrische Messtechnik & Messsignalverarbeitung der TU Graz freuen. In seiner Dissertation zum Thema „Open Environment Capacitive Sensing for Safety Applications“ beschäftigt sich der Wissenschaftler mit der Frage, inwiefern die Technik den Menschen vor Verletzungen schützen bzw. generell Unfälle sogar verhindern kann. Schlegl entwickelte im Rahmen seiner Forschungstätigkeit eine Messtechnologie, die weitreichende Möglichkeiten im fahrzeugtechnischen Bereich eröffnet. So wäre damit beispielsweise das Einzwicken von Fingern beim Schließen von Fenstern, Türen oder Kofferraumdeckeln vermeidbar. Bei der Anbringung des Systems außen am Fahrzeug könnten z.B. Fußgänger-Kollisionen vorzeitig erkannt und passende Schutzmaßnahmen autonom eingeleitet werden. Voraussichtlich wird die von Schlegl entwickelte Messtechnologie auch einen großen Beitrag zur sicheren Realisierung des fahrerlosen Fahrzeuges darstellen.

Simon Zigala, Dražen Petrović und Maria Wegscheider von der HTL Anichstraße in Innsbruck wurden mit dem Anerkennungspreis in der Kategorie „Innovative Nachwuchsforschung“ für ihre Diplomarbeit „Entwicklung eines innovativen technischen Verfahrens für Schnee- und Eisbefreiungsanlage für LKW-Dächer“ ausgezeichnet. Die Schüler beschäftigten sich im Zuge ihrer Diplomarbeit intensiv mit dem winterlichen Unfallrisiko auf Österreichs Straßen, das von herabfallenden Eisplatten von LKW-Dächern ausgeht. Sie entwickelten einen vollautomatischen Prototypen, das sogenannte BYT-System (Blow off Your Trailer), der es ermöglicht, Fahrzeugdächer effizient und kostengünstig von Schnee und Eisplatten zu befreien.

Ebenfalls mit einem Anerkennungspreis geehrt wurden Peter Spitzer und Sabine Distl vom Verein „Große schützen Kleine“ in der Kategorie „Erfolgreich umgesetzte Forschung“ für ihr Projekt zur „Reduktion der Kinderunfälle durch partnerschaftliche Kooperation mit allen Verantwortungsträgern in der steirischen Region Deutschlandsberg“. In der fünfjährigen Projektlaufzeit vernetzten sie alle relevanten Institutionen der Region miteinander und konnten durch Aktivitäten wie Verkehrserziehungs- und Bewegungsförderungsprojekte, Badesicherheitstage und Fachvorträgen zur Vermeidung von insgesamt 1.050 Kinderunfälle beitragen.

„Wir gratulieren allen Gewinnerinnen und Gewinnern sehr herzlich und freuen uns darauf, sie bei der weiteren Umsetzung ihrer Konzepte unterstützen zu dürfen“, so Thann abschließend.  

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