Initiative gegen Kinderunfälle: VISION ZERO 2020: Kinderunfälle sind vermeidbar!

Kein getötetes oder schwerverletztes Kind mehr in Österreich! Dieses ehrgeizige Ziel präsentierten das KFV, die AUVA und der Verein „Große schützen Kleine“ bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien. Gemäß dem Motto „Volle Aufmerksamkeit - Null Unfälle!“ sollen mit kreativen Aktionen und gezielten Informationen das Bewusstsein für den Schutz der Kleinsten in Österreich gesteigert und Kinderunfälle durch praktische Präventionsmaßnahmen verhindert werden.

Wien; „Ziele sollte man sich immer so hoch wie möglich stecken – vor allem, wenn es um die Sicherheit unserer Kinder geht“, präsentiert Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV, Donnerstagvormittag im Rahmen einer Pressekonferenz die Initiative „Vision Zero 2020“. Gemeinsam mit Univ. Prof. Michael E. Höllwarth, Präsident des Vereins „Große schützen Kleine“ und KommR Renate Römer, Obfrau der AUVA, erläutert Thann das ehrgeizige Ziel, mit dem ab 2014 das ganze Land mehr und mehr zur kindersicheren Zone erklärt wird. Praktische Präventionstipps für den Alltag, Kreativwettbewerbe, monatliche Themenschwerpunkte und aufmerksamkeitsstarke Aktionen sollen Erwachsene und Kinder gleichermaßen ansprechen und sie dazu motivieren, Risiken zu erkennen und diese – oft durch einfache Präventionsmaßnahmen – auszuschalten.

„Erwachsene müssen für Risikosituationen sensibilisiert werden und Kinder müssen spielerisch an einen sicheren Alltag herangeführt werden. Gemeinsam ist die ‚Vision Zero 2020‘ realisierbar!“, bekräftigt Römer.

Volle Aufmerksamkeit - Null Unfälle!

Wie wichtig gezielte Maßnahmen zur Unfallprävention in Österreich sind, zeigen die zahlreichen positiven Beispiele zum Schutz der Kleinsten. Wurde z.B. die Gurtanlegepflicht für Kinder vor Jahrzehnten noch kontrovers diskutiert, so ist es heute laut dem KFV-Präventionsmonitor für 96 Prozent der Österreicher selbstverständlich ihre Kinder im Auto immer zu sichern.

Auch die Einführung der Radhelmpflicht für Kinder unter 12 Jahren trug zur Erhöhung der Helmtragequote bei: bereits ein Jahr nach Einführung trugen 86 Prozent der unter 12 Jährigen beim Radfahren einen Helm – durch diese Steigerung der Tragequote um rund ein Drittel wurden rund 100 Kopfverletzungen verhindert.

„Trotz positiver Erfolge sind noch viele Anstrengungen notwendig“, erläutert Thann. So verunglückt in Österreich alle drei Minuten ein Kind. Das bedeutet jährlich etwa 164.000 verunfallte Kinder unter 15 Jahren (Jahresdurchschnitt 2010-2012). Durchschnittlich alle zwei Wochen stirbt ein Kind an den Folgen eines Unfalles. „Kinderunfälle passieren oft in Bruchteilen einer Sekunde. Wir wissen: kleine Verletzungen gehören zur Entwicklung eines Kindes dazu und verheilen meist schnell. Nicht akzeptabel sind hingegen jene Unfälle, bei denen Kinder aufgrund fehlender Schutz- oder Sicherheitsmaßnahmen sterben oder bleibende Schäden davontragen. Mit Aufklärung, Sensibilisierung und einfachen Tipps und Tricks zur Prävention wollen wir erreichen, dass auch das Umfeld so gestaltet ist, dass Kinder in Österreich optimal geschützt sind.“, bekräftigt Thann.

Unfälle gehören zu den höchsten Gesundheitsrisiken für Kinder

Unfälle sind keine Zufälle – sie haben Ursachen. Bei Kenntnis dieser Ursachen (Gefahrenquellen und Unfallsituationen) könnten viele Unfälle vermieden werden. „Gezielte Unfallanalysen zeigen die speziellen Risikobereiche für Kinder im täglichen Leben. So passieren etwa 75 Prozent der Kinderunfälle zu Hause oder in der Freizeit; das entspricht im Durchschnitt rund 121.000 Kindern pro Jahr“ (Jahresdurchschnitt 2010-2012), erklärt Höllwarth. Viele dieser Unfälle ereignen sich in einem Bereich, auf den Eltern einen direkten Einfluss haben: in der Wohnung. Durch das Anbringen von passiven Schutzeinrichtungen wie Treppenschutzgitter, Fenstersicherung oder Herdschutzgitter könnten viele Unfälle vermieden werden.
 

Unfälle sind keine Zufälle – erfolgreiche Gegenstrategien

In der BÄRENBURG, dem Kindersicherheitshaus Graz, erfahren Eltern und auch Kinder, wie einfach es ist, Unfallgefahren zu Hause auszuschalten. Über www.baerenburg.at kann man die BÄRENBURG  auch online besuchen. „Das Bewusstmachen potentiell gefährlicher Umstände ist der erste Schritt zur wirkungsvollen Prävention von Unfällen“, berichtet Kindersicherheitsexperte Höllwarth von dem erfolgreichen Informationsprojekt BÄRENBURG, bei dem in den letzten 5 Jahren über 12.000 Kinder im sicheren Verhalten zu Hause und im Verkehr geschult wurden.

Wie Unfallzahlen bei Kindern gesenkt werden können, zeigt auch ein anderes, erfolgreiches Präventionsprojekt von GROSSE SCHÜTZEN KLEINE. Im mehrjährigen Projekt KinderSicherer Bezirk Deutschlandsberg konnten innerhalb von 4 Jahren 16 Prozent der Kinderunfälle, die einer Krankenhausbehandlung bedurft hätten, verhindert werden. Möglich wurde dies durch intensive Informationsverbreitung und lokale Projekte mit Kindern, Jugendlichen  und Erwachsenen.
 

Kinder werden oft überschätzt

Die Fähigkeiten von Kindern als aktive Teilnehmer im Verkehr - sei es als Fußgänger, sei es als Radfahrer - wird sehr oft falsch eingeschätzt, d.h. überschätzt. Eine wissenschaftliche Studie von GROSSE SCHÜTZEN KLEINE ergab, dass Kinder auf Grund der noch nicht abgeschlossenen psycho-motorischen Entwicklung erst mit 10–12 Jahren eine Verkehrssituation – gefährlich oder ungefährlich – richtig einschätzen können. Eine weitere Studie zur freiwilligen Radfahrprüfung zeigte, dass bereits nach einem halben Jahr die Hälfte der Kinder die Verkehrsregeln nicht mehr beherrschte. Diese Erkenntnisse zu Kindern im Verkehr sollten einerseits in den Fahrschulen verbreitet werden und andererseits sollten sich Eltern auch bewusst sein, dass Kinder trotz Bestehen der freiwilligen Fahrradprüfung auf die Realsituation im Verkehr nicht ausreichend vorbereitet sind und man  daher noch oft mit ihnen gemeinsam Rad fahren sollte.
 

Unfallprävention beginnt bei den Kleinsten

„Seit dem Jahr 2002 ist die Anzahl der tödlichen Kinderunfälle in Österreich beinahe um die Hälfte zurückgegangen. Das zeigt, welche hervorragenden Erfolge durch gezielte Präventionsarbeit möglich sind“, erklärt KommR Renate Römer, Obfrau der AUVA. Besonders wichtig ist, bereits kleinen Kinder die Gefahren des Alltags aufzuzeigen und sie dem Alter und den Fähigkeiten entsprechend spielerisch zu sensibilisieren: „Unfallprävention beginnt schon bei den Jüngsten. Kindern ein Gefühl für Sicherheit zu vermitteln heißt, sie zu stärken! Das ist der effektivste Weg der Vorsorge, denn wer bereits als Kind ein gutes Sicherheitsempfinden erlernt, behält es ein Leben lang“ schließt Römer.   „Wenn wir wissen wo, wem und warum Unfälle passieren, kann man gegensteuern“, erklärt Thann das Konzept hinter dem Kinder-Jahresschwerpunkt. 2014 ist jeder Monat einem speziellen Unfallschwerpunkt gewidmet, in welchem intensiv über Risiken und Sicherheitsmaßnahmen aufgeklärt wird. 


GROSSE SCHÜTZEN KLEINE
Tel.: 0316 385 13764 
E-Mail: grosse-schuetzen-kleine@klinikum-graz.at
www.grosse-schuetzen-kleine.at