Erhöhtes Risiko für Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern im Winter

In Deutschland findet heute der „Tag des brandverletzten Kindes“ statt. Anlass genug für das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) unter dem Motto „Volle Aufmerksamkeit – null Unfälle“ im Rahmen der Initiative „VISION ZERO 2020“ gemeinsam mit dem LKH-Univ. Klinikum Graz und dem Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE auch hierzulande auf die Gefahren von Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern hinzuweisen.

Die Zahlen des KFV sind alarmierend: Rund 4.100 Kinder unter 15 Jahren verbrennen oder verbrühen sich jedes Jahr in Österreich zu Hause, davon rund 600 alleine in den Monaten Dezember und Jänner. Das bedeutet, dass sich täglich elf Kinder so schwer mit heißen Gegenständen, Feuer oder kochendem Wasser verletzen, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. „Unfälle mit thermischen Verletzungen gehören zu den häufigsten Unfallarten bei Kindern in den eigenen vier Wänden. Das Risiko steigt dabei besonders in den kalten Wintermonaten, wenn wärmende Getränke, heiße Bäder oder brennende Kerzen allgegenwärtig sind – so kann bereits eine verschüttete Tasse mit heißem Tee oder Kaffee bei Säuglingen und Kleinkindern die Haut bis zu 30 Prozent verbrühen“, so Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV.

Da Kinderhaut um einiges dünner ist als die Haut von Erwachsenen, sind die Folgen von Verbrühungen oder Verbrennungen meist schwerwiegend: Kinderhaut wird etwa bei Kontakt mit ca. 50 Grad Celsius heißem Wasser bereits so sehr geschädigt, dass Brandblasen entstehen können. Trifft eine heiße Flüssigkeit mit 65 Grad Celsius nur eine halbe Sekunde auf die Haut eines Kindes, kann sie sogar Verbrennungen dritten Grades verursachen. „Schon der Inhalt einer halben Tasse frisch aufgebrühten Kaffees reicht aus, um bei Kleinkindern eine Verbrennung oder Verbrühung von rund 30 Prozent der Körperoberfläche zu verursachen. Dabei muss man wissen, dass bereits 10 Prozent Hautverbrennung für kleine Kinder lebensgefährlich sein können“, erklärt Brandverletzungsexperte Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am LKH-Univ. Klinikum Graz und ergänzt: „Die Behandlung von thermischen Verletzungen ist für die Patienten meist besonders langwierig und schmerzhaft und lässt leider auch häufig Narben zurück.“

Einfache Sicherheitsmaßnahmen beugen Verletzungen vor

Um Verbrennungen oder Verbrühungen bei Kindern zu vermeiden, reicht meist schon die Einhaltung einfacher Sicherheitsmaßnahmen aus. Als Faustregel gilt, Kinder nie unbeaufsichtigt mit offenem Feuer wie Feuerzeugen, Streichhölzern oder Kerzen hantieren zu lassen – auch wenn die Verlockung und die Faszination der Kleinen noch so groß ist. Auch sollten Eltern keinesfalls heiße Flüssigkeiten in der Hand halten oder trinken, wenn sie am anderen Arm ihr Kind tragen, denn die Gefahr zu stolpern oder durch eine ungeschickte Bewegung den Nachwuchs zu verbrühen ist einfach viel zu groß. Beim Aufwärmen des Fläschchens in der Mikrowelle muss die Temperatur immer zuerst am eigenen Handrücken kontrolliert werden bevor das Kind gefüttert wird. Die gleiche Vorsicht sollte man beim Baden walten lassen und das Kind erst in die Badewanne setzen, wenn die Wassertemperatur mit Unterarm oder Thermometer überprüft wurde. Die meisten, nämlich  62 Prozent, der Verbrennungs- und Verbrühungsunfällen von Kindern passieren in der Küche. Daher ist es ratsam, nur auf den hinteren Herdplatten zu kochen, wenn das Kind dabei ist. Das Montieren eines Herdschutzgitters und einer Schalterabdeckung für die Drehknöpfe des Herdes ist ebenso zu empfehlen. Da Pfannen durch ihre langen Stiele zum Herunterreißen verlocken, sollten die Stiele immer nach hinten gedreht werden, damit die Kleinen nicht herankommen. „Uns ist es vor allem wichtig, die Eltern für das Thema zu sensibilisieren und ihnen zu verstehen zu geben, dass es nicht viel braucht, um Unfallquellen im eigenen Haushalt aus dem Weg zu schaffen und so schmerzhafte Verletzungen zu vermeiden“, so Univ. Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE.

Rasche Hilfe kann Leben retten

Falls es trotz aller getroffenen Sicherheitsvorkehrungen dennoch einmal zu einem Unfall kommt, ist rasche Hilfe gefragt. „Verbrennungen und Verbrühungen sind bei Kindern unter anderem auch deshalb gefährlich, weil über die zerstörte Haut viel Flüssigkeit verloren geht und dadurch bei Kleinkindern schnell Schockgefahr besteht. Im Falle einer kleinen Verbrennung oder einer Verbrühung kann die betroffene Körperstelle unter fließendes Wasser gehalten werden, bei größeren Verletzungen – vor allem bei Kindern – gilt: Keine Zeit verlieren! So schnell wie möglich die Rettung alarmieren oder ein Krankenhaus aufsuchen. Grundsätzlich muss jede Verbrennung oder Verbrühung, die größer als eine Handfläche des Kindes ist, ärztlich versorgt werden“, so Kamolz.

Initiative gegen Kinderunfälle

VISION ZERO 2020: Kinderunfälle sind vermeidbar!

Kein durch einen Unfall getötetes Kind bis zum Jahr 2020! So lautet das ehrgeizige Ziel der KFV-Initiative Vision Zero 2020. Gemäß dem Motto „Volle Aufmerksamkeit - Null Unfälle!“ wird Österreich zur kindersicheren Zone erklärt. Gezielte Informationen und spannende Aktionen sollen das Bewusstsein für den Schutz der Kleinsten in Österreich steigern und Kinderunfälle durch praktische Präventionsmaßnahmen verhindert werden.


Sicherheitstipps gegen Verbrennungen/Verbrühungen:

  • Den Herd durch ein Herdschutzgitter abschirmen, vorzugsweise die hinteren Kochfelder verwenden und die Griffe von Töpfen und Pfannen zur Wand drehen.
  • Gefäße mit heißen Flüssigkeiten (Tassen, Becher, Suppenteller, Suppentöpfe, Inhalier-Geräte) so auf Anrichte oder Tisch stellen, dass kleine Kinder sie nicht erreichen oder herunterziehen können.
  • Herabhängende Tischdecken vermeiden.
  • Besondere Vorsicht beim Tragen von Gefäßen mit heißen Flüssigkeiten, wenn kleine Kinder in der Wohnung herumtollen.
  • Die Kabel von Elektrowasserkochern, Fritteusen, Kaffeemaschinen und Bügeleisen nicht herunterhängen lassen, sondern in den hinteren Bereich der Arbeitsfläche verlegen oder aufrollen.
  • Kinder nicht alleine in der Küche lassen – Missgeschicke passieren schneller als man denkt.
  • Temperatur des Badewassers mit Thermometer kontrollieren (maximal 37 Grad Celsius). Temperatur-Begrenzer (Thermostat) einbauen, damit Kinder den Heißwasserhahn nicht allein betätigen können. Kinder beim Baden immer beaufsichtigen.
  • In Wärmeflaschen keine Flüssigkeiten über 45 Grad Celsius füllen, und die heiße Wärmeflasche nie in direkten Kontakt mit der Haut bringen.
  • LED-Lichter statt Kerzen verwenden. Auch diese gibt es bereits in Form von Teelichtern.