Safety News

# 01/2017
KURATORIUM FÜR VERKEHRSSICHERHEIT
SAFETY NEWS
Eine neue Kampagne macht auf Gefahren
von nicht angepasster Geschwindigkeit auf-
merksam – Verkehrsminister Leichtfried
und KFV-Direktor Thann stellen den neuen
Fernseh- und Kinospot vor.
Nicht angepasste Geschwindigkeit ist nach wie
vor eine der Hauptursachen für tödliche Un-
fälle im Straßenverkehr. Im Jahr 2015 endeten
deshalb insgesamt 90 Verkehrsunfälle tödlich.
Auf diese Gefahr macht das Verkehrsministe-
rium mit der neuen Kampagne „Lenken Sie
Ihr Schicksal selbst“ aufmerksam. „Die Wahl
der passenden Geschwindigkeit entscheidet im
Straßen verkehr über Leben und Tod. Darum ist
es wichtig, die eigene Fahrgeschwindigkeit an
das vorgeschriebene Tempolimit sowie Wetter-,
Sicht- und Fahrbahnverhältnisse anzupassen.
Genau darauf machen wir mit unserer neuen
Kampagne aufmerksam“, so Verkehrsminister
Jörg Leichtfried.
Rund 14 Prozent aller Unfälle mit Personen-
schaden und knapp ein Viertel aller Unfälle
mit Todesfolge lassen sich auf falsch gewähltes
Fahrtempo zurückführen. „Bewusstseinsbildung
ist gerade bei der Thematik besonders wichtig, da
sie der Erhöhung der Sicherheit aller Verkehrs-
teilnehmer dient“, bestätigt auch KFV-Direktor
Othmar Thann den Nutzen von Verkehrssicher-
heitskampagnen zur Erhöhung der Verkehrs-
sicherheit. Die Analysen des KFV zeigen darüber
hinaus, dass männliche Lenker als Verursacher
solcher Unfälle überrepräsentiert sind. Mit der
Kampagne „Lenken Sie Ihr Schicksal selbst“
werden daher insbesondere die statistisch gese-
hen häufigsten Unfallverursacher – Männer im
mittleren Alter, die sich als routinierte Fahrer
wahrnehmen angesprochen. Tödliche Unfälle
wegen nicht angepasster Geschwindigkeit sind eine
absolute Männerdomäne. Die Unfälle passieren oft
auf der klassischen Heimstrecke, die man kennt
und auf der man gerne zu schnell unterwegs ist.
KFV UND BMVIT PRÄSENTIEREN
VERKEHRSSICHERHEITSKAMPAGNE
„LENKEN SIE IHR SCHICKSAL SELBST“
FORSCHUNGS -
PREIS 2017
Wissenschaftler, Jungforscher und
Studenten können innovative
Sicher heitskonzepte einreichen und
so neue Impulse für mehr Sicherheit
liefern. Für die drei Siegerprojekte
winkt ein Preisgeld im Gesamtwert
von EUR 15.000,-.
INTER-
NATIONALER
KONGRESS
Unter dem Titel „Automated
Driving: Road Safety and the
Human Factor“ tauschen sich
Experten von 8. – 9. März bei
einer internationalen Konferenz
in Wien über die Positionierung
der Verkehrssicherheit in der
Phase des Übergangs hin zu voll-
automatisiertem Fahren aus.
3
8
%
der Verkehrsunfälle sind auf Ab-
lenkung zurückzuführen. Damit
ist Ablenkung Unfallursache Nr. 1.
Das KFV setzt gezielte Maßnahmen
(siehe Seite 3).
Foto bmvit / Jantzen
v.l.n.r.: Dr. Othmar Thann (Direktor KFV), Bundesminister Jörg Leichtfried
# 01/2017
KURATORIUM FÜR VERKEHRSSICHERHEIT
Wie wird der Straßenverkehr in
zehn bis zwanzig Jahren aussehen?
Wo bleiben Lebensqualität und
Sicherheit? Diesen und anderen
Fragen widmen sich die Autoren
des neuen Buches „Unterwegs in die
Zukunft – Visionen zum Straßen-
verkehr“, welches am 10. Oktober
im Technischen Museum Wien vom
KFV (Kuratorium für Verkehrs-
sicherheit) vorgestellt wurde.
Carsharing, E-Cars, selbstfahrende Autos: die automobile Mobili-
tät befindet sich nach Jahrzehnten der Kontinuität im Umbruch.
Nicht nur für die Industrie, sondern auch für die Gesellschaft
bedeutet dies ein teils radikales Umdenken. Vor diesem Hinter-
grund hat das KFV mehr als 20 namhafte AutorInnen aus den
Bereichen Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Interessensver-
tretung dazu aufgerufen, ihre Visionen vom Straßenverkehr der
Zukunft schriftlich festzuhalten. „Als Kuratorium für Verkehrs-
sicherheit arbeiten wir daran, die verschiedenen Dimensionen
zu vernetzen und die Vertreter aller Disziplinen miteinander ins
Gespräch zu bringen. Das KFV hat sich schon immer als Plattform
für die Zusammenarbeit gesehen. So sehen wir uns auch jetzt, an
der Schwelle zu einer neuen Ära der Mobilität“, meinte Dr. Othmar
Thann, Direktor des KFV, im Rahmen seiner Begrüßungsrede.
SICHERHEIT UND UNFALLPRÄVENTION
IN DER ZUKUNFT
Mit Hilfe des Buches sollen einerseits die Leser für die Thematik
sensibilisiert und neugierig gemacht und andererseits die Diskus-
sion rund um die Zukunft des Straßenverkehrs bereichert und mit-
gestaltet werden. „Die Autoren präsentieren jeweils ihre eigene Idee
von der Zukunft des Straßenverkehrs und lassen den Leser dadurch
an ihrer persönlichen Sichtweise teilhaben. So kann sich der Leser
ein buntes Bild von der zukünftigen Mobilität machen“, so Thann.
Die Autoren von „Unterwegs in die Zukunft – Visionen zum
Straßen verkehr“ befassen sich mit verschiedensten Aspekten des
Themenfeldes, wie beispielsweise den Auswirkungen auf tech-
nische, politische, gesellschaftliche und kulturelle Bereiche, aber
auch dem Einfluss des sich wandelnden Straßenverkehrs auf
die Lebensqualität und Sicherheit. „Bei allen technologischen
Entwicklungen schwingen die Themen Sicherheit und Unfall-
prävention zwangsläufig mit“, betonte Thann. „Wirksame Un-
fallprävention entsteht dabei immer durch das Zusammenspiel
abgestimmter Maßnahmen, die in unterschiedlichen Bereichen
von der Infra struktur, Stadtplanung und Gesetzgebung bis zur
persönlichen Bewusstseinsbildung gesetzt werden. Für einen
sicheren Straßenverkehr, für sichere Mobilität braucht man
die gegen seitige Inspiration, um Ideen zu entwickeln und man
braucht verlässliche Partner in der Umsetzung.“ Das Buch ist
im MANZ Verlag erschienen und kann ab sofort um 28 Euro im
Buchhandel er worben werden.
Autoren des Buches
Stefan Abendroth, Michael Bernhard,
Martin Böhm, Jens Dangschat, Gerhard
Deimek, Anne-Katrin Ebert, Eric Frey,
Anton Heinzl, Hermann Knoflacher,
Gerald Kumnig, Franz Lückler, Andreas
Ottenschläger, Martin Pöcheim, Werner
Pracherstorfer, Andreas Riener, Christoph
Sammer, Oliver Schmerold, Matthias Strolz,
Othmar Thann, Maria Vassilakou, Alexander
Walcher, Georg Willi und Friedrich Zibuschka
SAFETY NEWS
Foto Gerhard Buchacher
v.l.n.r. Dr. Othmar Thann (Direktor KFV), Dr. Armin Kaltnegger (KFV),
Dr. Louis Norman-Audenhove (Generalsekretär VVO), Prof. Werner Gruber (Physiker),
Dr. Christopher Dietz (MANZ Verlag)
UNTERWEGS
IN DIE ZUKUNFT
visionen
zum
strassen-
verkehr
So untersucht das KFV mit Hilfe
eines Simulators die Auswirkun-
gen von abgelenktem Fahren. Die
Ergebnisse zeigen, dass beson-
ders das Lesen und Schreiben von
Nachrichten zu einer erheblichen
Verschlechterung der Fahrleistung
führt. Zusätzlich musste festgestellt
werden, dass sich die Reaktions-
zeit deutlich verlängert, das Spurhalten reduziert und die
Blick abwendungen deutlich erhöht sind. Nicht abgelenkte
Fahrer richten ihren Blick zu 77 Prozent der Fahrzeit auf
wesentliche Gefahrenbereiche. Durch Tippen und Lesen am
Smartphone abgelenkte Personen achten nicht einmal die
Hälfte der Fahrzeit auf den wichtigen Gefahrenbereich direkt
vor dem Fahrzeug. Da das Lesen und Tippen am Smartphone
gerade bei jungen Menschen sehr beliebt ist, setzt das KFV hier
ganz gezielte Schwerpunkte.
RISIKOGRUPPE JUNGE MENSCHEN
Um die Risikogruppe der jungen Menschen zu erreichen, bie-
tet das KFV seit kurzem an österreichischen Schulen unter dem
Titel „Unfall ur sache Ablenkung: Herausforderung der Zukunft“
Ablenkungs-Workshops an. Dabei sollen Jugendliche auf die
Gefahren von Multitasking hingewiesen werden und Verhal-
tensempfehlungen für das richtige Agieren im Straßenverkehr
erhalten. 2016 wurden österreichweit bereits rund 300 Work-
shops umgesetzt, weitere Kurse sind in Planung.
NEUE VERKEHRSSICHERHEITSPROGRAMME
IN 3 BUNDESLÄNDERN
Die Vermeidung von Ablenkungsunfällen ist wesentlicher
Bestandteil der neuen Verkehrssicherheitsprogramme für Ober-
österreich, Salzburg und das Burgenland, an deren Mitgestaltung
das KFV maßgeblich beteiligt war.•
# 01/2017
KURATORIUM FÜR VERKEHRSSICHERHEIT
37,8 %
24, %
Vorrangverletzung Alkohol Überholen
Nichtangepasste
Geschwindigkeit
Mangelnder
Abstand
Unachtsamkeit
Ablenkung
13,6 % 6,6 % 4,2 % 3,6 %
ABLENKUNG –
Strategische Maßnahmen zur Bekämpfung der
Unfallursache Nummer 1
Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit 50km/h 70 Meter einfach blind
durch die Stadt. Das würden Sie nie machen? Die Zahlen des KFV
zeichnen ein anderes Bild: Rund 900.000 Telefonate ohne Frei-
sprecheinrichtung und 200.000 Textnachrichten werden aus
Österreichs Autos übermittelt – täglich! Seit Jahren befasst
sich das KFV intensiv mit dieser Thematik.
SAFETY NEWS
6 Hauptunfallursachen 2015
F
o
t
o
K
F
V
kfv
simulator-
studie
# 01/2017
KURATORIUM FÜR VERKEHRSSICHERHEIT
IMPRESSUM: Herausgeber: KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit), Schleiergasse 18, 1100 Wien
Navigationsgeräte, Handtaschen und
Mobiltelefone – Österreichs Autofahrer
lagern Wertgegenstände gerne im Pkw.
Von Langfingern werden Schlüssel,
Bargeld und andere Wertgegen stände
allerdings gerne als Einladung zum
Kfz-Einbruch verstanden.
Allein im Jahr 2015 ereigneten sich laut
Angaben der Sicherheitsbehörden 11.302
Einbruchsdelikte in Kfz. Kein Wunder:
PKW sind regelrechte Goldgruben für Ein-
brecher. „Wertgegenstände in parkenden
Autos sind für jeden Einbrecher leicht zu
erbeuten: knappe fünf Sekunden benö-
tigen Profis, um ein Auto aufzubrechen“,
warnt der österreichische Versicherungs-
verband VVO.
NUR EIN KURZER STOPP…
Eine aktuell durchgeführte KFV Erhebung
zeigt, dass Österreichs Autofahrer in ihren
Autos gerne Wertgegenstände aufbewah-
ren. „Bei einer Erhebung von mehr als
7.000 Kfz wurden in jedem dritten par-
kenden Auto Wertgegenstände gefunden.
Gefüllte Einkaufstaschen, wertvolle Klei-
dung, Schlüssel, USB-Sticks, nicht einge-
baute Navigationsgeräte und Handtaschen
wurden am häufigsten vorgefunden“,
erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des
KFV. Letztere wirken auf Einbrecher
besonders verlockend, weil sich darin
Bargeld und wertvolle Dokumente ver-
muten lassen. Im Bundesländervergleich
wurden in der Stadt Klagenfurt in den meisten
Autos Wertgegenstände sichtbar vor-
gefunden (60 %). Am achtsamsten sind
Kfz- Lenker in Innsbruck (14 %), in Wien
animiert jeder Vierte zum Einbruch. Zu
finden waren Wertsachen vorwiegend auf
dem Rücksitz (42 %) und auf der Vorder-
ablage (30 %). „Wertgegenstände haben
im Auto nichts verloren ganz besonders
dann, wenn diese auch noch offen sicht-
bar sind. Zudem sollte unbedingt darauf
geachtet werden, vor Verlassen des Au-
tos alle Fenster zu schließen und sämt-
liche Türen des Fahrzeugs zu ver riegeln.
Empfehlenswert ist außerdem das Öffnen
des Handschuhfachs. So wird verdeutlicht,
dass es in dem Fahrzeug nichts zu holen
gibt“, erklärt Thann.
LENKRADKRALLEN NACH
WIE VOR UNBELIEBT
Neben Kfz-Einbrüchen kommt es auch
immer wieder zu Autodiebstählen. Im
Rahmen der Erhebung des KFV wurde
jedoch festgestellt, dass sich 99 Prozent der
Nutzer dennoch nach wie vor gegen die
Nutzung einer Lenkradkralle als Sicher-
heitsvorkehrung entscheiden. Weniger als
ein Prozent der beobachteten Fahrzeuge
war mit einer derartigen Schutzmaßnah-
me ausgestattet. Das KFV setzt gezielte
Präventionsschwerpunkte.
JEDER DRITTE AUTO-
FAHRER ANIMIERT
ZUM EINBRUCH
KFV-Erhebung zeigt: Im eigenen Pkw werden gerne Wert-
gegenstände gelagert. Doch auch in der Weihnachtszeit gilt:
das Auto ist kein Tresor.
Klagenfurt Graz Bregenz Salzburg St. Pölten Linz Eisenstadt Wien Innsbruck
11.302 EINBRUCHSDELIKTE IN KFZ IM JAHR 2015
SICHTBARE WERTGEGENSTÄNDE IM AUTO IN PROZENT
NACH LANDESHAUPTSTADT:
60%
50%
45%
38%
28% 28%
27%
25%
14%
SAFETY NEWS
Sicht bare
Wertgegen
-
stände im Auto
animieren zum
Einbruch