
Zeit als Teil des Berufsrisikos
Einbrecher wissen vor ihrer Tat nicht genau, wie viel oder wie wenig sich in einer Wohnung oder in einem Haus befindet und sie hoffen immer auf eine lohnende Beute: Sich in Sicherheit vor Einbrechern wiegen zu können, weil man glaubt, dass man gar keine Wertgegenstände besitzt, ist ein großer Irrtum.
Einbrecher ergreifen gern die Gelegenheit
Im Rahmen der Täterstudie des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) wurden inhaftierte Einbrecher befragt, nach welchen Kriterien sie ihr Objekt auswählen. Es stellte sich heraus, dass es neben Beute-orientierten Tätern, die es auf einen bestimmten Gegenstand abgesehen haben, zwei weitere Gruppen von gelegenheitsorientierten Tätern gibt: die einen nutzen eine Gelegenheit, die sich gerade bietet, die anderen suchen so lange, bis sie eine geeignete Situation finden, d.h.: Die eine Gruppe achtet weniger darauf, wie viel oder wenig im Tatobjekt zu holen ist, sondern sie entscheidet sich spontan für die Tat und nutzt die Gelegenheit oder die Leichtsinnigkeit der Bewohner, die andere sucht so lange, bis sie die passende Gelegenheit findet.
„Junge“ Singlewohnung besonders gefragt
Manche der befragten inhaftierten Einbrecher gaben an, auf Hinweise der Bewohner zu achten, die von den Bewohnern selbst nichts ahnend hinterlassen werden. Sie machen sich eine Art Theorie über den Alltag der Bewohner, ihre Lebensverhältnisse und damit auch über ihre finanziellen Möglichkeiten. So achten die Täter auf jedes noch so kleine Detail, das ihnen ermöglicht, Rückschlüsse auf den Lebensstil der Bewohner zu ziehen, wie etwa die Art, wie das Türschild gearbeitet ist, oder was sich im Müll befindet. Neubauten zum Beispiel sind für „Vertreter der Altbautheorie“ eher uninteressant, weil diese meist sicherheitstechnisch besser ausgestattet sind als ältere Gebäude. Interessant hingegen sind Wohnungen „jüngerer Singles“. Hier ein Originalzitat eines befragten Täters: „Einzelgänger, je jünger desto besser; je jünger, desto mehr sind sie vom Konsumzwang abhängig. Sie wollen sich schöne Sachen, teure Sachen kaufen – mit dem macht man das meiste Geld.“
Es müssen nicht immer Juwelen sein
CDs, DVDs, Digitalkameras oder Flat Screens sind für zahlreiche Einbrecher bereits eine sehr attraktive Beute! Es muss nicht immer gleich wertvoller Schmuck sein. Fenster schließen, Mehrfachverriegelungen, Sicherheitstüren nach der ÖNORM B5338 oder Alarmanlagen sind neben aufmerksamen Nachbarn wirksame Methoden, um sich vor ungebetenen Gästen zu schützen. Keinesfalls aber schützt der Glaube, dass bei sich Zuhause sowieso nichts zu holen ist. So manch einer ist hier schon eines Besseren belehrt worden.
Weiteres Ergebnis der Täterbefragung: Effektiver Schutz vor ungebetenen Gästen muss nicht immer teuer sein. Wichtig ist es, auf umfassenden Schutz zu achten und alle Einstiegsmöglichkeiten zu berücksichtigen. Denn Täter suchen immer die schwächste Stelle. Auch aufmerksame Nachbarn können auf Einbrecher abschreckend wirken.
Sicherheitstüren schützen
Die Zeit ist Teil des „Berufsrisikos“ von Einbrechern – alles muss schnell gehen! Deshalb ist eine Sicherheitstür nach der ÖNORM B5338 mit Widerstandsklasse 3 eine für den Einbrecher beschwerliche Barriere. Diese Türsicherung ist gerade für den privaten Gebrauch sinnvoll, weil sie die Widerstandszeit der Tür um einige wertvolle Minuten erhöht. Der Einbrecher braucht dadurch länger, um in die Wohnung zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nachbarn den Einbruch bemerken, wird immer größer, je länger es dauert die Tür zu öffnen – deshalb scheuen viele Einbrecher die Sicherheitstür.
Eigenheim sollte bewohnt aussehen
Einbrecher scheuen grundsätzlich den Kontakt mit den Bewohnern. So hat die Täterbefragung des KFV ergeben, dass die Täter das Delikt Einbruchdiebstahl unter anderem deshalb gewählt haben, weil sie im Gegensatz zu Räubern ihren Opfern nicht begegnen bzw. ihnen keine Gewalt antun wollten. Daher ist es besonders wichtig, Anwesenheit zu demonstrieren. Mit Zeitschaltuhren lassen sich bei längerer Abwesenheit Lampen, aber auch Radios ein- und ausschalten. Des Weiteren empfiehlt es sich bei Einfamilienhäusern auf eine Alarmanlage zurückzugreifen, weil rein mechanische Sicherheitsvorkehrungen aufgrund vieler Einstiegsmöglichkeiten sehr teuer kommen können.
Auf gute Nachbarschaft – gerade in der Großstadt
Nachbarn, die Augen und Ohren offen halten, können wesentlich dazu beitragen, dass Einbrecher die Finger von der Beute lassen. Gerade in der anonymen Großstadt, in der es Einbrecher oft zu leicht haben, kann Nachbarschaftshilfe einiges bewirken. Das belegt auch die KFV-Studie. So machen sich die Einbrecher die Gleichgültigkeit mancher Nachbarn zu Nutze, wie dieses Originalzitat eines inhaftierten Täters belegt: „Ich mache mit Ihnen eine Wette, Sie stehen zehn Meter daneben, Sie hören vielleicht das Geräusch, aber Sie denken sicher nicht an einen Einbruch. Das ist ja das Interessante“. Diese Aussage zeigt, wie wichtig es ist, selbst Initiative zu ergreifen. Es reicht schon aus, den Nachbarn zu informieren, wenn man länger verreist ist – verdächtige Geräusche werden so bestimmt viel rascher bemerkt. Des Weiteren sollte während einer längeren Reise Werbematerial vor der Tür entfernt und Briefkästen geleert werden. Auch hier kann der Nachbar leicht behilflich sein, und die ungebetenen Gäste bleiben lieber draußen.
